Salzburger Festspiele: Moretti, Reinsperger im “Jedermann”

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Der neue Intendant Markus Hinterhäuser
Der neue Intendant Markus Hinterhäuser - © APA
Tobias Moretti ist Salzburgs neuer “Jedermann”. Ab dem Sommer 2017 wird der Schauspieler am Domplatz in Hofmannsthals Traditionsstück als Nachfolger von Cornelius Obonya die Titelrolle spielen, ihm zur Seite wird Stefanie Reinsperger als “Buhlschaft” gestellt. Diese Personalien wurde von Markus Hinterhäuser, dem Neo-Intendanten der Salzburger Festspiele, am heutigen Donnerstag präsentiert.

Die Inszenierung von Brian Mertes und Julian Crouch wird zwar behalten, aber “kräftig neu aufgesetzt”, so Schauspieldirektorin Bettina Hering, die “jeder Zeit ihren Jedermann” versprach und Moretti als “unseren Mann fürs Feine” ankündigte. Dieser hatte sich ein neues Aufbrechen des Stücks gewünscht – und lange gezögert, bis er den Vertrag unterzeichnete.

Zwei mal sei er bereits gefragt worden, “aber da war ich noch nicht soweit”. Nachdem er unter der Intendanz Jürgen Flimm den “Guten Gesellen” und “Teufel” gespielt hatte, sei er noch zu “befangen” gewesen. Das Rollenangebot an sich käme heute nicht mehr der “Adelung einer Schauspielerkarriere” gleich, “das war vielleicht in den 60er Jahren so”, betonte Moretti.

Die Rolle mit so vielen Diskrepanzen zwischen Apathie und krampfhafter Moralität, könne heute nicht mehr so gespielt werden wie einst. “Man kann nicht mehr einfach herumstehen und sich selbst deklamieren.” Nicht zuletzt sei ihm sehr bewusst gewesen “wie fantastisch, aber auch wie hart diese Kulisse ist”, vor allem an Sommernachmittagen, “wo die Hälfte des Publikums schon mit einem Infarkt kämpft”.

Nach zahlreichen Gesprächen sei er nun aber “entfacht” für den Jedermann und sehr froh, dass man sich darauf geeinigt hatte, den “Aufbruch ins Nichts” zu wagen und das Stück “auf einem Weg, den wir noch nicht kennen” neu zu sichten. Ein neuralgischer Punkt dafür sei die Besetzung der Buhlschaft gewesen. “Ich hab mir gedacht: Das muss eine Wucht sein, die darf nicht in irgendeiner Weise einem Klischee entsprechen. Eine Wucht an Schauspielerin und an Sinnlichkeit und an dem, was man Können nennt.”

Stefanie Reinsperger sei ihm und Hering daraufhin gleichzeitig als erste eingefallen. Die Schauspielerin zeigte sich “wahnsinnig dankbar und glücklich”, dass sie hier stehen dürfe und auch darüber, “dass es jetzt endlich raus ist”. Nicht einmal ihren Eltern habe sie bis vor kurzem davon erzählt. Schon als Kind sei sie einige Male am Domplatz gewesen und habe dort stets die Gelegenheit genutzt, laut “Jedermann!” zu rufen. “Eigentlich fand ich immer diese Rolle am besten, wo man das so laut schreien darf”, lachte sie.

Neben Moretti und Reinsperger sind auch zahlreiche weitere Neu- und Umbesetzungen fixiert. Hering lobte die gute Tradition, dass Rollen innerhalb des Ensembles weitergegeben werden “wie tektonische Verschiebungen”. So wird Christoph Franken, zuletzt der “Teufel”, diesmal den “Mammon” spielen, Johannes Silberschneider, zuletzt der “arme Nachbar”, wird den “Glauben” übernehmen.

Neu dabei sind Mavie Hörbiger, die als “Werke” auftreten wird, sowie Edith Clever, die Jedermanns Mutter gibt. Der “Teufel” und “Gute Gesell” wurden wieder in eine Doppelrolle gespannt, die Hanno Koffler bei seinem Salzburg-Debüt spielen wird. Peter Lohmeyer bleibt der “Tod”. Für die Proben der “Neuaufsetzung” werden die Regisseure Crouch und Mertes wieder die Proben leiten, Premiere ist am 21. Juli.

(APA)

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