20. August 2010 10:51; Akt.: 20.08.2010 10:51

Salzburger Festspiele: Schaurige "Mary Mother of Frankenstein"

Yves-Noel Genod "Die Kreatur" im Stück "Mary Mother of Frankenstein". Yves-Noel Genod "Die Kreatur" im Stück "Mary Mother of Frankenstein". - © EPA
Eine Krähe wird gerupft, ein Mann muss sein eigenes Geschwür essen. Es wird geboren und gemordet, man verzweifelt und fantasiert im Wahn. Ein Balanceakt zwischen Alptraum und Genlabor. Die Atmosphäre ist düster, stark und eindringlich. Aber die Geschichte erschließt sich trotzdem nicht.

 ”Mary Mother of Frankenstein” einer belgischen Theatergruppe um die Autoren Claude Schmitz und Marie-France Collard hinterließ Donnerstagabend bei der Premiere im Salzburger Republic vor allem Ratlosigkeit.

Viele kamen zu diesem vierten und letzten Teil des Young Directors Project (YDP) aufgrund einer vorgezogenen Beginn-Zeit zu spät ins Theater, einige verließen es vorzeitig und gänzlich verständnislos. Nach gut zwei pausenlosen Stunden: Karger Anstandsapplaus und nichts wie raus hier aus diesem schaurigen, undurchdringlichen Theater, in dem die belgischen Theaterleute versuchten, das Leben der Autorin Mary Shelley und Teile aus deren Welt-Roman “Frankenstein” in Szene zu setzen.

Die Bilder in “Mary Mother of Frankenstein” wirken. Technisch raffiniert werden Videos mit Lichteffekten verwoben, und historisch-romantische Spitzen-Kostüme reiben sich an klinisch-kaltem Labor-Design. Ein Kind fragt: “Bin ich Kreatur, bin ich Frankenstein?”, und niemand weiß Antwort. Das Publikum am allerwenigsten.

Entscheidenden Anteil am Misslingen dieses YDP-Abends hat die Sprache. Zwar klingt das Englisch und Französisch der Schauspieler – wenn es nicht gerade vom handfest-kräftigen Sounddesign akustisch an die Wand gedrückt wird – schön gesprochen, dramatisch und gekonnt. Aber die Übertitel sind miserabel lesbar, verschwinden oft gänzlich im Nebel aus der Maschine und überstrapazieren die Augen, dass es Festspielen unwürdig ist.

Was bleibt, ist Sprechtheater, das weitgehend ohne verständliche Sprache auskommen muss. Wie sollen die ohnehin unscharf verrührten Aspekte von Autoren-Leben, Roman, eigenen philosophisch-aktuellen Deutungsversuchen und diversen Regietheater-Krassheiten ohne brauchbaren Text unterscheidbar sein? Die schicksalsschwangere Wechsel-Beziehung zwischen Schöpfer und Kreatur hat auf dieser Bühne keine Chance.

“Mary Mother of Frankenstein” ist phasenweise beeindruckender Theaterdonner, bei dem eine spannende Geschichte angedeutet, aber vor dem Publikum gut versteckt wird.

(Von Christoph Lindenbauer/APA)

“Mary Mother of Frankenstein” von Claude Schmitz und Marie-France Collard. Regie: Claude Schmitz. Auf der Bühne: Zwölf Darsteller aus Lüttich/Belgien. Sound: Jean-Pierre Urbano. Kostüme: Lies Marechal und Greta Goiris. Bühne: Simon Siegmann. Video: Arie van Egmond. Die weiteren Vorstellungen: 20., 21. und 22. August im Republic; Karten: 0662/ 8045- 500, http://www.salzburgerfestspiele.at


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