25. August 2012 12:33; Akt.: 25.08.2012 12:33

Salzburger Festspiele – Shakespeares “Sturm” als Koch- und Zaubershow

Tiefgang hat gefehlt, aber: Leichte Kost ist ohnehin gesünder. Tiefgang hat gefehlt, aber: Leichte Kost ist ohnehin gesünder. - © Neumayr
Das Shakespeare-Stück „La Tempete“ wird noch bis Dienstag auf der Perner Insel in Hallein (Tennengau) aufgeführt.

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Die wichtigsten Zutaten für “Spaghetti à la Prospero” sind Miesmuscheln, Cocktailtomaten und Sardellenfilets. Ob das wirklich schon ausgereicht hat, sein Restaurant zur besten Adresse Neapels zu machen, oder ob dafür zur Koch- nicht auch die Zauberkunst vonnöten war, lässt sich nicht mehr feststellen. Denn Prospero ist nicht mehr Hauben- sondern Inselkoch. Jedenfalls in Irina Brooks Version des Shakespeare’schen “Sturm”. Seit gestern gastiert die 2009 entstandene Produktion zur Abrundung der mit “Peer Gynt” begonnenen kleinen Brook-Personale im Rahmen der Salzburger Festspiele auf der Perner Insel in Hallein.

Salzburger Festspiele inszenieren “Sturm” neu

Wie schon bei Ibsen hat die Tochter von Peter Brook, der vielen als Prospero des modernen Theaters gilt und selbst gefeierte Inszenierungen des “Sturm” herausgebracht hat, ihre Inszenierung einem Grund-Setting untergeordnet und lässt alles, was nicht ganz ins Konzept passt, einfach weg. War ihr Peer Gynt ein egomanischer Rockstar, so ist ihr Prospero nicht Herr der Ringe, sondern Herr der Töpfe und Pfannen. Wir erleben also am einsamen Strand die Auswirkungen einer erbitterten Fehde in der neapolitanischen Gastro-Szene. Ariel werkt hier als hurtiger Oberkellner und Caliban als unterdrückter und aufbegehrender Küchengehilfe. Der Maître dürfte die Gäste zwischen den Gängen als Zauberer unterhalten haben, denn wie in der modernen Erlebnisgastronomie verbinden sich Koch- und Zaubershow. Neu ist, dass das Rezept dafür von Shakespeare stammen soll.

Bis die zwischen Französisch, Italienisch und Englisch ebenso leichter Hand wechselnde wie mit Zutaten und Küchenutensilien jonglierende Produktion ihre Betriebstemperatur erreicht hat und ihren Charme entfalten kann, braucht es einige Zeit. Doch dann hat man sich damit abgefunden, dass Renato Giuliani eine sehr joviale, gemütlich wirkende Version des Prospero ist, ein lieber Onkel Bill mit Zauberstab und Kochlöffel, dass Hovnatan Avedikian einen sehr grobschlächtigen Caliban gibt, und dass nicht nur viele Personen, sondern auch viele Interpretationsebenen des Stückes auf der Strecke geblieben sind.

Viel Schluss-Applaus

Ist man aber endlich eingekocht, dann folgt man mit leuchtenden Augen den Kabinettstücken des “Ariel” Scott Koehler oder mit kindlicher Freude den herzallerliebsten Annäherungen zwischen Miranda (Ysmahane Yaqini) und Ferdinand (Bartholomew David Soroczynski). Hat letzterer die Kochprüfung bestanden, darf die junge Generation ran und das heimatliche Restaurant rechtmäßig übernehmen. Prospero bleibt alleine zurück.

Mit viel Schluss-Applaus sah das Publikum der keineswegs ausverkauften Gastspiel-Premiere darüber hinweg, dass in diesem knapp 100-minütigen Menü mancher essenzielle (Tief-)Gang gefehlt hat – nicht nur das als Spezialität des Hauses angepriesene “Tiramisu Imperiale”. Man sollte es nicht allzu schwer nehmen: Leichte Küche ist ohnedies gesünder.

Infos zum Stück: William Shakespeare: “La Tempete”, Gastspiel Compagnie Irina Brook und Maison de la Culture de Nevers et de la Nièvre, Regie: Irina Brook, Bühne: Noelle Ginefri, Mit Renato Giuliani, Scott Koehler, Hovnatan Avedikian, Bart David Soroczynski und Ysmahane Yaqini; Perner Insel, Weitere Vorstellungen: 25., 26., 28. August, 19.30 Uhr, Karten: 0662/8045-500, http://www.salzburgerfestspiele.at) (APA)



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