Tausende Glühbirnen auf der "Tod in Theben"-Bühne im Republic in Salzburg. - © APA
Diesmal ist Jon Fosse angesagt mit einem Stück, das im deutschen Sprachraum noch nie zu sehen war: “Tod in Theben“. Darin verknüpft der Norweger drei antike Dramen zu einem Stück – den Fall von Ödipus, dessen Tod und Kreons Mord an Antigone. Wie immer in der Antike: Es geht um Tabubrüche und die Frage nach Freiheit.
Wilde, wütende und zornige Sprache
Pathos ist auch dabei. Aber die Sprache dafür ist wild, wütend und zornig, ungeduldig und überzeichnet. Wie eine Karikatur. Die Kommentare des alten Mannes und des Sehers Teiresias kommen ohne Umschweife. Es sind Kommentare zu Vatermord, Sex mit der Mutter, zu Töchtern, die Schwestern sind, zu Blindheit, zu Exil und Tod in Kolonos, oder – im dritten Stück im Stück – zu Hartherzigkeit, zu steinerner Macht und Nichten-Mord. Flapsig, locker und gerade. Ja, selbst Kreon, dem Verbohrten, wird die Tragödie zu steif: “Himmel noch mal, wann geht da endlich etwas weiter.”
Von Göttern und Weissagungen
In “Tod in Theben” geht es um Entscheidungsfreiheit gegenüber den Göttern und ihren Weissagungen. Also zum eigentlichen Menschsein. Zum Vergessen: Alle tun, was zu tun bestimmt ist. Zumindest Ödipus hatte keine andere Wahl. Aber Kreon? Hätte der König von Theben die Nichte Antigone nicht auch ein wenig früher begnadigen und damit vor dem Selbstmord bewahren können?
Fosse nun YDP-Favorit?
Für das neue Fosse-Drama haben sich drei Theater in Hamburg, Leipzig und eben Salzburg zusammengetan und Angela Richter als Regisseurin engagiert. Die bastelt einen Vorspann wie für einen Hollywood-Schinken und hängt Massen von besagten Glühbirnen (bedeuten die irgendetwas?) auf die Bühne. Dazu zwei schwarze Holzkisten zum Sprechen mit dem Volk und archaisch-fratzenhafte Stoffmasken in weiß. Sonst nichts. Der Rest ist Sprache. Pathetisch, überspitzt in alle Richtungen und – das hätte sie wohl gern – auch ganz normal. Aber das geht nicht bei soviel Schuld, soviel Blut und soviel Schicksal. Das Herz pocht über Lautsprecher, und eine Gitarre (Neil Young?) spielt leise und einsam. Am Ende stirbt, wer sterben muss, und wieder einmal will man sich nicht fügen ins Unvermeidliche. “Tod in Theben”: Der bisher heißeste Tipp für den Young Directors Award 2010.