Salzburger Grenzfall: Ein bisschen Salzburg an Etsch und Eisack

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Passer statt Salzach, Ifinger statt Gaisberg ? Meran am Südrand der Alpen verbindet mit Salzburg eine lebendige Städtepartnerschaft Passer mit Blick auf das Kurhaus.
Passer statt Salzach, Ifinger statt Gaisberg ? Meran am Südrand der Alpen verbindet mit Salzburg eine lebendige Städtepartnerschaft Passer mit Blick auf das Kurhaus. - © LMZ/AlexFilz
Was die im Südtiroler Vinschgau in Stein gemeißelte Klage eines römischen Zöllners über den frühzeitigen Tod seines Sohns mit Salzburg zu tun hat und warum sich neuerdings Stadtsalzburger mit Meranern gut verstehen, das verrät der aktuelle Salzburger Grenzfall.

Heute verbinden wenige Kilometer gemeinsamer Staatsgrenze bei der Birnlücke die Salzburger Gemeinde Krimml mit der deutschsprachigen Südtiroler Ortschaft Kasern im nördlichsten Zipfel Italiens. Mit dem Land an Etsch und Eisack, also Südtirol, verbindet Salzburg aber noch manches mehr.

Salzburger Metropoliten bis 1921

Bereits im 8. Jahrhundert wurde das bis 1964 bestehende Bistum Brixen unter Kaiser Karl dem Großen den Salzburger Erzbischöfen unterstellt. Ursprünglicher Bistumssitz war das Kloster Säben, das sich südlich von Brixen bei Klausen spektakulär auf einem Felsen im Eisacktal erhebt und seit 1685 Benediktinerinnen mit Stammkloster auf dem Salzburger Nonnberg beherbergt. Mit Brixen lassen sich weitere Zusammenhänge herstellen. Als Ignaz von Spaur zum Weihbischof von Brixen geweiht wurde, komponierte Wolfgang Amadeus Mozart 1776 die anfänglich auch nach ihm benannte Spaur-Messe, die heute als Piccolomini-Messe bekannt ist.

Erst die Eingliederung Südtirols in den italienischen Staat nach dem Ersten Weltkrieg beendete die Überordnung des Salzburger Erzbischofs als Metropolit über die Diözese Brixen. Sie wurde 1921 direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt.

Vom uralten Hochhueb-Hof in Partschins nahe Meran bezogen die Salzburger Erzbischöfe einst Wein./LMZ/Christel Strasinsky Vom uralten Hochhueb-Hof in Partschins nahe Meran bezogen die Salzburger Erzbischöfe einst Wein./LMZ/Christel Strasinsky ©

Weingut im Vinschgau

Der Name Brixen – diesmal aber das Seitental des Nordtiroler Unterinntals – im heutigen Nordtirol – spielte eine weitere Rolle bei Salzburgs Spuren in Südtirol. Der Bischof von Regensburg, Besitzer des Brixentals seit 902, verpfändete es an den Bischof von Chiemsee, der es 1385 “auf ewig” an den Salzburger Erzbischof verkaufte. Mit im Einkaufssackerl war das Amt Überetsch am östlichen Rand des Südtiroler Vinschgaus mit dem Hochhueb-Hof in Partschins. Die Trauben der dort kultivierten Rebstöcke kamen als Wein auf die Tafel der Salzburger Erzbischöfe. Im Keller kann man noch die 400 Jahre alte Törggl, eine Weinpresse, besichtigen, auf der ab und zu noch Weißwein gekeltert wird. Neben der Eingangstür des Hofs ist ein römischer Grabstein aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus eingemauert. Er stammt aus einem Grab in unmittelbarer Nähe. Ein Offizier einer Zollstation gedenkt darauf seines erstgeboren Sohns, der nur 21 Jahre und elf Monate alt geworden war. Im 16. Jahrhundert trennte sich Salzburg wieder von dem Südtiroler Besitz. Heute ist die “Schlosskellerei Stachlburg” ein blühendes Unternehmen für Wein- und Apfelanbau.

Enge Bindungen mit Meran

Von Partschins sind es keine zehn Kilometer ins sonnenverwöhnte Meran, das mehrfach Bezüge zu Salzburg, genaugenommen zur Landeshauptstadt hat. Im äußeren Nonntal trägt Schloss Neudegg oder auch Meran den Namen der Nachfahren der Grafen von Meran, einer Seitenlinie der Familie Habsburg-Lothringen, die auf die Ehe Erzherzog Johanns mit der Posthalterstochter Anna Plochl zurückgeht. Seit 1968 erinnert in Lehen die Meraner Straße über Veranlassung der Südtiroler Landsmannschaft an die während des Zweiten Weltkrieges in Salzburg neu angesiedelten Südtiroler. Die Stadt Meran war bis vor einigen Jahren zumindest namentlich mit einem gleichnamigen Hotel an der St.-Julien-Straße in Salzburg vertreten. Die vielfältigen Bezüge veranlassten Salzburg 1993, eine Städtefreundschaft mit Meran zu schließen. Mit Leben erfüllt wurden die Beziehungen bei Kunst, Kultur, Brauchtum, Tourismus, Umwelt und auf dem Verwaltungssektor. 2000 wurde daraus per Beschluss eine Städtepartnerschaft, “aus der Verlobung wurde eine Ehe”, umschreibt dies Brigitte Lindner, zuständig für Repräsentation im Magistrat, blumig. So war das Stadt-Gartenamt bei der Meraner Blumenschau vertreten, Salzburger gestalteten die Eröffnung des Meraner Adventmarkts mit und seit Jahren gibt es einen regen Künstleraustausch.

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