Salzburger Jugendmonitor: Weniger Arbeitslosigkeit, mehr Jugendarmut

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Salzburgs Jugendliche finden wieder mehr Arbeit. (Symbolbild)
Salzburgs Jugendliche finden wieder mehr Arbeit. (Symbolbild) - © APA/HANS KLAUS TECHT
“Der Einstieg in den Job ist für Jugendliche kein Honiglecken”, stellt Siegfried Pichler, Präsident der Salzburger Arbeiterkammer (AK) fest. Am Freitag präsentierte er die Ergebnisse des sechsten Salzburger Jugendmonitors. Der erhebt jährlich, wo die Jugend der Schuh drückt. Heuer sieht die AK erstmals mehr Licht als Schatten: Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen ist zurückgegangen. Trotzdem stehen immer noch 3.152 ohne Job da, die Jugendarmut steigt. Wie steht es also um Salzburgs Jugendliche?




Im Gegensatz zum Vorjahr ist die Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen zurückgegangen: Waren 2015 noch über 3.200 Jugendliche ohne Job, so waren es 2016 3.152: Ein Minus von 0,3 Prozentpunkten. Gleichzeitig sind 1,8 Prozent weniger Jugendliche in Beschäftigung. Und das, obwohl die Beschäftigung im Bundesland Salzburg eigentlich im Aufwärtstrend liegt.

Im Lungau gibt es besonders wenig junge Leute.

Im Lungau leben besonders wenig Jugendliche. Foto: Screenshot/Jugendmonitor/AK Salzburg

Weniger Lehrbetriebe, weniger Facharbeiter

Ein großes Problemkind ist wie in den vergangen Jahren auch die Lehre. “Der Facharbeitermangel ist hausgemacht: Immer weniger Betriebe bilden Lehrlinge aus. Wo sollen die Facharbeiter also herkommen?”, ist sich Pichler sicher. Von den 13.000 Betrieben im Land Salzburg, die Lehrlinge ausbilden könnten, machen das nur 2.747. Im Vergleich zu 2015 ist das ein Minus von fünf Prozent. Am stärksten betroffen von diesem Rückgang sind die Sparten Handel, Industrie und Banken und Versicherungen. In den letzten zehn Jahren gingen ganze 800 Ausbildungsbetriebe verloren.

Pichler fordert solidarische Ausbildungsfinanzierung

Abhilfe würde laut Pichler eine solidarische Ausbildungsfinanzierung schaffen: Alle Betriebe zahlen in einen Fonds ein, jene die ausbilden, bekommen ihre Aufwendungen refundiert. Als Erfolg sieht man bei der Arbeiterkammer das Lehrlingcoaching und die Lehre mit Matura. “18 Prozent der Salzburger Lehrlinge machen eine Lehre mit Matura, 95 Prozent schließen positiv ab”, zeigt AK-Bildungsexpertin Sabine Stadler auf.

Die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen ist erstmals rückläufig. Foto: Screenshot/Jugendmonitor/AK-Salzburg Die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen ist erstmals rückläufig. Foto: Screenshot/Jugendmonitor/AK Salzburg ©

Salzburgs Junge rutschen in Armut

Obwohl sich erstmals ein positiver Aufwärtstrend bei der Jugendarbeitslosigkeit zeigt, besteht für Pichler kein Grund zur Freude. Viele Parameter würden weiterhin nach unten zeigen: Immer mehr Jugendliche befinden sich in prekären Arbeitsverhältnissen, die Einkommen sinken und die Chance, auf eine Gehaltserhöhung ist bei den Jungen eher gering, so das Resümee. Das bestätigen auch die Zahlen, führt Studienautor und AK-Arbeitsmarktexperte Florian Preisig aus: “Man sieht das besonders am Einkommen der unter 19-Jährigen: Ihre Lohnsteigerung lag unter der Inflationsrate.” Dazu trägt auch bei, dass immer mehr Jugendliche in geringfügigen Arbeitsverhältnissen (maximal 415,72 Euro/Monat) sind. Laut Preisig sind ein Fünftel der geringfügig Angestellten unter 25 Jahre alt. Mit 31 Prozent sind junge Frauen überproportional betroffen. “Wenn der Eintritt in den Arbeitsmarkt bereits mit Schwierigkeiten verbunden ist, dann setzen sich die Probleme im gesamten Berufsleben fort. Wir müssen bereits beim Einstieg eingreifen”, warnt Preisig.

Die prekäre Arbeitssituation schlägt sich auch in der Mindestsicherung nieder. Immer weniger Jugendliche kommen mit ihrem Einkommen aus. 247 Mindestsicherungsbezieher waren 2016 unter 20 Jahre alt. Im Vergleich mit dem Jahr 2013 ist das ein Anstieg von 37 Prozent. Die Gruppe der unter 30-Jährigen macht sogar ein Viertel der Gesamtbezieher aus.

Die Zahl der jungen Mindestsicherungsbezieher steigt. Foto: Screenshot/Jugendmonitor/AK-Salzburg Die Zahl der jungen Mindestsicherungsbezieher steigt. Foto: Screenshot/Jugendmonitor/AK Salzburg ©

Stadler: “Bildung als Schutzimpfung gegen Arbeitslosigkeit”

Der Schlüssel gegen Arbeitslosigkeit und unsichere Arbeitsverhältnisse sieht Stadler in der Ausbildung. “Bildung wirkt wie eine Schutzimpfung gegen Arbeitslosigkeit. Eine solide abgeschlossene Ausbildung hat positive Auswirkungen auf das ganze Leben, auf die Gesundheit, das Einkommen und die Lebenserwartung”, erläutert Stadler. Besonderes Augenmerk muss man hier auf die sogenannten NEETs (Not in Employment, Education or Training) legen. Das sind jene Jugendlichen, die weder in Ausbildung, in der Schule, in einer Schulung oder in einem Beschäftigungsverhältnis sind.

Frauen sind überdurchschnittlich oft NEETs

In Salzburg sind das 3.800 Jugendliche. Sie haben überdurchschnittlich oft einen Migrationshintergrund und schwere psychische Erkrankungen. Stadler: “Fünf Prozent aller Jugendlichen fallen in diese Gruppe.” Frauen sind in dieser Gruppe stärker betroffen als Männer, vor allem junge Mütter haben es schwer. “Das sehen wir vor allem bei den NEETs in ländlichen Regionen. Die jungen Frauen finden keine Kinderbetreuung und können auch keine Lehre in Teilzeit machen”, zeigt Stadler die Problem auf. Auffällig ist auch: Bis zum 17. Lebensjahr sind mehr Burschen in der Gruppe der NEETs, danach mehr Frauen.

Ausbildungspflicht bis 18 Jahre soll helfen

Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung sehen Stadler, Preisig und Pichler die Ausbildungspflicht bis zum 18. Lebensjahr. Seit 1. Juli ist diese in Kraft und gilt für alle Jugendlichen, die 2017 ihre Schulpflicht erfüllt haben. Die Pflichtschule betrug in Österreich neun Jahre, nun ist der Besuch einer weiteren Schule oder das Absolvieren einer Ausbildung Pflicht. “Die Ausbildungspflicht bis 18 erfasst genau jene, die ansonsten durch das Raster fallen würden”, bestätigt Preisig. Bisher seien Schulabgänger vom Monitor der Behörden verschwunden, das soll in Zukunft nicht mehr passieren. Verlässt ein Schüler unter 18 Jahren die Schule, wird das gemeldet. Als nächstes ist das AMS am Zug und stellt Kontakt zum Abgänger her. In Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern wird dann versucht, für die Jugendlichen eine weitere Ausbildung zu organisieren. Wer sich weigert, muss mit Konsequenzen rechnen.

Die Arbeiterkammer fordert deshalb etwa Maßnahmen wie die Ganztagsschule, einen Ausbau der Kinderbetreuung und eine aktive Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. “Junge Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen”, sagt Pichler.

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