Salzburger nach Europa-League-Aus fassungslos

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Das Halbfinalspiel war ausverkauft.
Das Halbfinalspiel war ausverkauft. - © GEPA/Red Bull
Fassungslos haben die Bullen auf das Halbfinal-Aus in der Fußball-Europa-League reagiert. Der entscheidende Fehlpfiff hinterließ nach einer mitreißenden Vorstellung der Salzburger am Donnerstagabend leere Spieler und einen Trainer, der um Fassung bemüht war. “Das ist keine Tragödie. Es gibt größere Tragödien im Leben”, meinte Marco Rose nach einem 2:1-Sieg gegen Olympique Marseille.


Der Erfolg fühlte sich wie eine Niederlage an. “Wir haben sehr gut gespielt, es ist nicht einfach. Jetzt ist einfach alles scheiße”, formulierte es Stürmer Fredrik Gulbrandsen recht offenherzig. Sein Team hatte vor ausverkauftem Haus mit einer vor allem in der zweiten Hälfte äußerst intensiven Vorstellung das 0:2 aus dem Hinspiel wettgemacht, sich in die Verlängerung geschossen und schien dem Aufstieg nahe. Wäre nicht der Fehlpfiff von WM-Schiedsrichter Sergej Karasew gewesen, hätte es Österreichs Serienmeister wohl zumindest ins Elferschießen geschafft.

“Entscheidung war unglaublich”

“Den Nicht-Eckball hat wohl jeder im Stadion gesehen”, sagte Duje Caleta-Car angesichts Karasews Entscheidung, die schließlich zum folgenschweren Corner führte. “Die Entscheidung war unglaublich”, betonte der Innenverteidiger, der selbst das 3:0 “am Kopf” hatte. Doch Marseille-Goalie Yohann Pele zeigte in der 99. Minute eine Glanzparade. “Wir sind alle sehr traurig, das heute war unverdient. Wir haben über 120 Minuten eine großartige Leistung geboten. Ich glaube, wir können alle stolz sein”, meinte Caleta-Car.

Das bestätigte Rose. “Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft, sie hat einen außergewöhnlichen Charakter. Ich denke, sie hat den österreichischen Fußball großartig vertreten”, betonte der Deutsche, der in seiner ersten Saison als Profi-Chefcoach bisher eine beeindruckende Bilanz vorweisen kann. Der heimische Meistertitel ist seiner Truppe kaum mehr zu nehmen, am Mittwoch bestreitet man das Cupfinale gegen Sturm Graz. “Wir werden wieder aufstehen und möchten am Sonntag die Meisterschaft fixieren”, meinte Caleta-Car im Hinblick auf die Ligapartie gegen die Grazer. Ein Remis würde Salzburg reichen.

Rose: “Das zeigt für mich menschliche Größe”

Direkt nach dem Duell mit Marseille haderte man aber noch mit der Gegenwart. “Ich glaube, das war für niemanden ein Eckball”, erklärte Rose zur entscheidenden Szene. Auch er habe etwas gebraucht, um sich einigermaßen zu beruhigen. “Ich war natürlich kurz nach dem Spiel wütend”, bestätigte er, erzählte aber vom Gespräch mit einem deutschen Schiedsrichter-Beobachter wenig später. Von diesem habe er gehört, “dass sie (die Unparteiischen) in der Kabine sitzen und ziemlich fertig sind mit den Nerven. Dass sie wissen, dass sie da vielleicht nicht ganz richtig lagen. Dann zeigt das für mich menschliche Größe.”

Frisch war wohl auch noch die Erinnerung an einen in Marseille nicht gegebenen klaren Elfer nach Foul an Stefan Lainer. Freilich hätte an diesem Donnerstag auch das Handspiel von Caleta-Car in der 86. Minute mit einem Strafstoß geahndet werden können. “Das war ein klarer Elfmeter”, war “OM”-Coach Rudi Garcia überzeugt. Angesichts der diversen fraglichen Entscheidungen könne man durchaus “diskutieren, ob wir jetzt in Europa den Videobeweis brauchen”.

Ulmer will Schiedsrichter nicht kommentieren

Routinier Andreas Ulmer wollte die Schiri-Leistung gar nicht kommentieren. “Wir haben zwei sehr, sehr gute Spiele abgeliefert und den Finaleinzug hauchdünn versäumt. Die Europa-League-Zeit wird uns ewig in Erinnerung bleiben”, betonte der 32-jährige “Marathonmann” nach seinem 20. Europacupspiel dieser Saison. Laut Opta, einem der weltweit führenden Fußball-Statistik-Anbieter, ein Rekord.

Selbst Garcia zollte Salzburgs Leistung Respekt. “Salzburg ist eine super Mannschaft, Europa kennt jetzt Salzburg”, sagte der Franzose, der mit seiner Elf nun auf Atletico Madrid trifft: “Natürlich sind sie Favoriten.” Lob für den Gegner hatte auch Innenverteidiger Adil Rami parat. “Ich habe erwartet, dass es schwer wird, aber nicht in diesem Ausmaß gegen eine tapfere Salzburger Mannschaft”, erklärte er.

Red Bull Salzburg: “Wollen ausbilden, aber auch Erfolg haben”

Kaufen können sich die Salzburger darum aber nichts. “Die Jungs sind schwer enttäuscht. Ich bin auch traurig für die Mannschaft, weil sie sich das gewünscht und verdient hätte”, gab Rose zu Protokoll. Nach einer “unfassbaren Europa-League-Saison” sei aber klar, dass seine Spieler “viel für ihre Entwicklung mitnehmen können”.

Zu seiner Zukunft wollte er sich naturgemäß nicht äußern, er und einige seiner Kicker werden bereits mit Auslandstransfers in Zusammenhang gebracht. Zumindest müsse man sich jedenfalls nicht um die Zukunft sorgen: “Wir haben gezeigt, dass wir ein Verein sind, wo es sich lohnt, hinzugehen.”

Salzburgs Anhänger hatten ein ironisches Transparent mit der Aufschrift “Nur ein Ausbildungsverein!?” affichiert, das sich an all jene richtete, die Erfolg und Vereinspolitik für unvereinbar hielten. “Es ist absolut in Ordnung, wenn man ein Ausbildungsverein ist”, kommentierte Rose. “Wir wollen ausbilden, aber wir wollen auch Erfolg haben.”

(APA)

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