Salzburger Politologe Reinhard Heinisch kritisiert Berichterstattung über Donald Trump

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Reinhard Heinisch kritisiert die Berichterstattung über Donald Trump in Österreich.
Reinhard Heinisch kritisiert die Berichterstattung über Donald Trump in Österreich. - © SALZBURG24/privat
Der Politologe Reinhard Heinisch kritisiert die europäische und insbesondere die österreichische Trump-Berichterstattung als “undifferenziert”. Der US-Präsident würde als “Kindkaiser” beschrieben, sagte der Professor von der Universität Salzburg im APA-Interview. Dabei gäbe es auch andere Interpretationen, die medial aber keinen Platz fänden.


In der Außenpolitik etwa könne man sich drei mögliche Interpretationen vorstellen, so Heinisch, der rund mehr als 20 Jahre in den USA lebte und lehrte. Die erste Interpretation sehe Trump als “unpolitischen Menschen”, der seine Entscheidungen “ad hoc” und “aus dem Bauch heraus” treffe. Die zweite spreche von einem “Kind, das sich austobt”, während “die Erwachsenen im Raum” eigentlich die Politik gestalten würden. Die dritte Interpretation vermutet hinter den außenpolitischen Entscheidungen Trumps “eine urclevere Strategie”, um mit viel Show die Gegner abzulenken, um schließlich genau das zu erreichen, was er erreichen wolle.

“Es hätte schlimmer kommen können”

Für alle drei möglichen Interpretationen ließen sich Argumente finden, so Heinisch. “Wenn Sie sich zum Beispiel die internationalen Reaktionen zur letzten Sicherheitsstrategie des USA ansehen, sagen die meisten: ‘Naja, es hätte schlimmer kommen können.’ Und so dumm war so vieles nicht in der Außenpolitik, wenn man das Poltern abzieht.” Die Berichterstattung in den österreichischen Medien über diese Sicherheitsstrategie sei seiner Meinung nach – “bei aller berechtigten Kritik” – “unisono grottenschlecht” gewesen.

Heinisch: Berichterstattung über USA “undifferenziert”

Als “generell undifferenziert” bewertete Heinisch die Berichterstattung über die USA in Österreich: “Wenn man sich Zeitschriften ansieht, die innenpolitisch und weltanschaulich unterschiedlich berichten, würde man sich erwarten, dass diese auch unterschiedlich über die USA berichten.” Das sei aber nicht der Fall, wie er in einer seiner Studien gezeigt habe. “Die Berichterstattung ist eigentlich unisono ähnlich.” Das heiße, dass die österreichische Sichtweise auf die USA “politische und weltanschauliche Differenzen” überlagern würde.

“Trump entspricht dem schlimmsten Klischeebild”

US-Präsident Donald Trump verstärkt laut Heinisch diese Voreingenommenheit. “Er entspricht dem schlimmsten Klischeebild, das man sich so über amerikanische Spitzenpolitiker und Präsidenten gemacht hat.” Obama sei in vielen Bereichen sehr europäisch gewesen, weswegen er in der europäischen Presse auch “undifferenziert positiv” dargestellt worden sei. Trump hingegen entspreche der “bürgerlichen Schreckvorstellung eines unkultivierten Neureichen” und “linken Vorstellungen des Superkapitalisten”, was einer differenzierten Darstellung im Weg stehe.

In Österreich kommt nach Einschätzung Heinisch’ auch noch ein gewisser Anti-Amerikanismus hinzu: Für die “harte Rechte” seien die USA immer ein “Schmelztiegel der Rassen” gewesen, die Bürgerlichen hingegen hätten in den USA “Kulturbarbaren” geortet, während die Linke wiederum den Kapitalismus und die Abwesenheit des Wohlfahrtsstaats kritisiert habe. Außerdem sei Österreich in der Nachkriegszeit weniger im Westen verankert gewesen als zum Beispiel Deutschland. Das politische System Österreichs sei überdies von “Ausgleich und Miteinander” geprägt, während in den USA “radikaler Individualismus” vorherrsche. “In vielen Punkten entspricht der amerikanische Lebensentwurf überhaupt nicht dem österreichischen”, fasste der Politikwissenschafter zusammen.

Zu den nationalen Eigenheiten kämen auch europäisch wirksame Klischees, die sich in Österreich auch deswegen besonders gut durchsetzen könnten, weil es kaum unmittelbaren Kontakt zu den USA gebe. Filme würden synchronisiert, und die weißen Mittelschichts-Touristen, die nach Österreich kämen, würden kaum die amerikanische Gesamtbevölkerung repräsentieren.

“Für Anti-Populisten ist Trump ein Geschenk”

Zu den europäischen Auswirkungen der Wahl Trumps sagte Heinisch: “Für Anti-Populisten ist Trump ein Geschenk.” Rechtspopulististische Parteien wie die FPÖ würden sich aber nicht nur wegen der geringen Popularität von Trump in Europa vom US-Präsidenten distanzieren, sondern auch, weil sie Nationalisten seien, die sich “international nie verbrüdern” könnten.

Angesprochen darauf, dass Österreich nach einem Jahr noch immer auf einen neuen US-Botschafter wartet, sagte der Politikwissenschafter: “Das dauert generell immer ein, zwei Jahre.” Es seien noch sehr viele Posten vakant. Österreich stehe auf der entsprechenden Liste “weit, weit hinten”.

(APA)

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