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Salzburger Psychiater: "Jugend ist nicht auf dem Abweg"

"Unsere Jugend ist nicht auf dem Abweg", das meinte am Donnerstag ein Salzburger Psychiater anlässlich einer Pressekonferenz. "Unsere Jugend ist nicht auf dem Abweg", das meinte am Donnerstag ein Salzburger Psychiater anlässlich einer Pressekonferenz. - © Bilderbox
Österreichs Jugend ist offenbar nicht "schlechter" als zu Lebzeiten von Aristoteles vor 2.300 Jahren: "Unsere Jugend ist sicher nicht auf dem Abweg. Ich erlebe Jugendliche als äußerst kreativ, interessiert und kooperativ", so der Salzburger Kinder- und Jugendpsychiater Leonhard Thun-Hohenstein bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

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Ein "Plädoyer" für die Jugend hat am Donnerstag der Salzburger Kinder- und Jugendpsychiater Leonhard Thun-Hohenstein bei einer Pressekonferenz anlässlich der 29. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie "Jugend auf dem Abweg? bad or mad? or...?" in Salzburg gehalten.

Von Aristoteles gebe es das Zitat "Die Jugend ist faul, unbequem und widerspenstig". Dass Jugendliche versuchten, andere Wege zu gehen als Erwachsene, werde traditionell als schwierig angesehen. Ihr schlechter Ruf sei historisch bedingt, erklärte Universitätsprofessor Hohenstein, der auch Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist. In der heutigen Zeit konzentriere sich die Aufmerksamkeit der Gesellschaft und der Medien auf verhaltensauffällige Jugendliche, dadurch scheine die Jugend schlechter zu sein als früher, was aber nicht stimme.

6000 Jugendliche in Salzburg psychisch krank

Etwa acht Prozent (280.000) von 1,8 Millionen Kinder und Jugendlichen in Österreich seien psychisch krank, zwölf Prozent psychisch auffällig. In Salzburg gelten 6.000 als psychisch krank. An diese Zahlen habe sich in den vergangenen Jahren auch nichts geändert. "80 Prozent der Jugendlichen sind psychisch völlig gesund", betonte Hohenstein. Seiner Wahrnehmung nach ist die Gesellschaft intoleranter geworden. Wenn zwei Buben im Schulhof rauften, würden sie vom Lehrer oder der Lehrerin schon als Gewalttäter bezeichnet, die psychologisiert werden müssten. "Ein Gerangel unter Burschen ist nicht mehr erlaubt."

Jugend soll sich entfalten können

Aufgabe der Gesellschaft sei es, Bedingungen zu schaffen, damit sich Kinder- und Jugendliche bestmöglich entwickeln und entfalten könnten. Aber anstatt die familiäre Unterstützung in den Vordergrund zu stellen, würden Jugendliche bestraft, kritisierte der ehemalige Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie Rosenhügel, Ernst Berger, den Vorstoß von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (V), die Höchststrafe für Schulschwänzer von derzeit 220 auf 1.500 Euro anzuheben. "Wir haben auch festgestellt, dass diese Strafen ohnehin aus dem Sozialbudget beglichen werden, weil die Familien das nicht zahlen können."

In der Behandlung von Kinder und Jugendlichen, bei denen eine Störung des Sozialverhaltens festgestellt wird, erweise sich das dänische Modell der "Multisystematischen Therapie" (MST) als sehr erfolgreich, weil es die Familie und das soziale Umfeld, vom Sportverein bis zum Lehrer, miteinbeziehe, sagte Bianca Albers, Direktorin des Familien- und Evidentcenters in Kopenhagen. Diese 2001 eingeführte Therapie habe sich in Dänemark bereits etabliert, sechs Teams aus drei bis vier Therapeuten und einem Supervisor können von den Gemeinden angefordert werden. "Diese weisen uns regelmäßig Familien zu, die wir fünf Monate intensiv betreuen. Wir werden von den Kommunen bezahlt. Eines unserer Hauptziele ist, dass die Kinder in den Familien bleiben und nicht fremduntergebracht werden." Diese Therapieform sollte auch in Österreich angewandt werden, forderte Thun-Hohenstein. (APA)



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