Salzburgs Flüsse brauchen mehr Platz

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Die Hochwassergefahr wird deutlich ansteigen, warnt der WWF.
Die Hochwassergefahr wird deutlich ansteigen, warnt der WWF. - © Gerhard Egger/ WWF
Werden die Flussräume in Salzburg weiterhin so stark verbaut, werde die Hochwassergefahr drastisch ansteigen. Österreichweit drohe gar ein Flussinfarkt. Darauf macht der WWF am Montag mit Verweis auf eine aktuelle Studie aufmerksam. Allein in Salzburg sind in den letzten 150 Jahren rund 43 Quadratkilometer ökologisch wertvoller Flächen, die auch der Hochwassersicherheit dienen könnten, verschwunden.

Das entspricht 22 Prozent des gesamten Flussraums, informiert der WWF. Flusshabitate seien um 33 Prozent zurückgegangen, Moore, Brachen und Feuchtwiesen sogar um 78 Prozent.

Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, warnt die Organisation, drohe die bebaute Fläche in überschwemmungsgefährdeten Flussräumen um weitere 14 Quadratkilometer zu wachsen – das entspricht etwa der doppelten Fläche der Gemeinde Anif (Flachgau). Die WWF-Flüssevision dagegen sieht für Salzburg eine weitere Bebauung von maximal sieben Quadratkilometern vor. Zudem bestehe an den großen Flüssen der Bedarf für gut 2,5 Quadratkilometer an Flussaufweitungen.

Mündungsbereich der Salzach und Saalach./Anton Vorauer/ WWF Mündungsbereich der Salzach und Saalach./Anton Vorauer/ WWF ©

Die Studie im Detail: Salzach, Saalach und Enns untersucht

Für die Studie wurde die Flächennutzung in den Abflussräumen der 49 größten Flüsse Österreichs von 1870 bis 2010 anhand historischer Karten und Luftbilder untersucht (3.300 Quadratkilometer). In Salzburg wurden Referenzstrecken an den Flüssen Salzach, Saalach und Enns zu Rate gezogen.

Die Ergebnisse offenbaren die tiefgreifende Veränderung der Flusslandschaften in Österreich: So ist die Fläche von Gewässern und Uferzonen um 146 Quadratkilometer (31 Prozent) zurückgegangen. Besonders dramatisch sind die Rückgänge von Wiesen, Mooren und Brachen (Verlust von rund 600 Quadratkilometern oder 82 Prozent). Offenlandflächen sind um 25 Prozent geschrumpft. Seit dem Jahr 1980 sinkt auch die intensiv genutzte landwirtschaftliche Fläche deutlich (minus 145 Quadratkilometer). Umgerechnet sind so seit 1950 jeden Tag zwei Hektar wertvoller Wiesen, Äcker und Auwälder verbaut worden.

Enorm gestiegen ist im Gegenzug der Anteil von bebautem Gebiet: Siedlungen, Infrastrukturflächen und versiegelte Flächen haben in den letzten 150 Jahren um 500 Prozent (in Zahlen: 721 Quadratkilometer) zugenommen.

WWF erklärt: Wildfluss

Hast du dich schon mal gefragt, wie die Landschaft wohl vor vielen Jahren ausgesehen hat? Viele Flüsse haben sich in den Jahren, durch den Einfluss des Menschen, stark verändert. Viele typische Flussbewohner sind bereits selten geworden. Aber nicht nur für Tiere und Pflanzen, auch für den Menschen ist ein unveränderter, freier und wilder Fluss einladender, um dort die Freizeit zu verbringen.

Dramatische Folgen für Mensch und Natur

“Durch den enormen Flächenverbrauch ist die Hochwassergefahr dramatisch gestiegen, denn viele natürliche Überschwemmungsflächen, etwa an Salzach oder Saalach, sind unter Beton und Asphalt verschwunden. Diese Flächen fehlen heute, um der steigenden Hochwassergefahr zu begegnen”, skizziert Gerhard Egger vom WWF diese Entwicklung. “Eine aktuelle Studie des Joint Research Centre der Europäischen Kommission geht davon aus, dass die Schäden durch Hochwässer in Österreich durch eine Klimaerwärmung um zwei Grad um über 450 Prozent, bei Erwärmung um vier Grad um über 1.300 Prozent steigen werden”, erklärt er. Zudem würden viele Tierarten ihren Lebensraum verlieren und gelten mittlerweile als gefährdet.

WWF-Flüssevision fordert Trendwende

Gehe die Entwicklung ungebremst weiter, steuere Österreich auf einen Flussinfarkt zu, warnt man beim WWF. Bis 2070 würden weitere 211 Quadratkilometer (plus 29 Prozent) an Siedlungsflächen in den Flussräumen dazu kommen. Der WWF stellt in seiner Studie deshalb ein nachhaltiges Entwicklungsszenario für Österreichs Flüsse vor, die Flüssevision. “Darin werden die Ansprüche von Schutzwasserwirtschaft, Ökologie und Erholungsnutzung integriert betrachtet”, erklärt Egger. “Wir zeigen, dass durch die Reduktion des Flächenverbrauchs auf ein Viertel insgesamt 143 Quadratkilometer an potentiellen Überschwemmungsflächen bewahrt werden und den Flüssen rund 56 Quadratkilometer an zusätzlichem Abflussraum zurückgegeben werden können. Dadurch gewinnt Österreich pro Jahr 100 Hektar an intakten Flussräumen als Lebensraum für gefährdete Arten, als Rückhalteraum zur Hochwasser- und Dürre-Vorsorge und als attraktiven Erholungsraum.”

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