Satirezeitung “Charlie Hebdo” startet deutsche Ausgabe

Die durch einen Terroranschlag auf ihre Redaktion bekannt gewordene französische Satirezeitung “Charlie Hebdo” erscheint künftig auch auf Deutsch. Die erste Nummer wird am 1. Dezember mit einer Startauflage von 200.000 Exemplaren in den Handel kommen, wie eine “Charlie Hebdo”-Sprecherin am Mittwoch sagte. Ein Teil davon wird nach Angaben des Verlages Morawa auch in Österreich erhältlich sein.

Über die genaue Auflage in Österreich konnte man auf APA-Anfrage weder bei Morawa noch beim deutschen Vertriebspartner IPS Auskunft geben. Kosten soll “Charlie Hebdo” jedenfalls 4,30 Euro und damit 70 Cent weniger als die französischsprachige Ausgabe.

Für die deutsche Version werden nach Angaben der “Charlie Hebdo”-Sprecherin vor allem Texte und Karikaturen des französischen Originals übersetzt. Vorgesehen sind aber auch eigens für die deutsche Ausgabe angefertigte Inhalte. Schon seit Monaten bereitet ein kleines Team aus Journalisten und Übersetzern das Projekt vor.

Es ist das erste Mal, dass “Charlie Hebdo” einen Ableger im Ausland gründet. Die Wahl fiel auf Deutschland, weil die Zeitungsmacher dort ein besonderes Interesse an ihrer Arbeit sehen. So verkaufte sich die eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf ihre Redaktion veröffentlichte sogenannte “Ausgabe der Überlebenden” auf dem deutschsprachigen Markt besonders gut.

Die deutsche Ausgabe soll unter der Leitung der deutschen Chefredakteurin Minka Schneider erstellt werden – der Name ist ein Pseudonym. Sie werde wöchentlich erscheinen und vor allem Inhalte aus der französischen Originalversion enthalten, die übersetzt werden, sagte die Sprecherin. Geplant seien aber auch Exklusivbeiträge, die das französische Team extra für die deutsche Ausgabe erstellt. Ein Heft soll vier Euro kosten.

“Charlie Hebdo” ist in der französischen Medienlandschaft eine Institution und bekannt für provokante, häufig derbe Karikaturen. Die 1970 gegründete Satirezeitung kommentiert mit bissigem Humor das politische und gesellschaftliche Geschehen im In- und Ausland und nimmt Politiker, Prominente und Religionen aufs Korn. Mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zog sich “Charlie Hebdo” immer wieder die Wut von Muslimen zu.

Zu tragischer Berühmtheit gelangte die Zeitung durch den islamistischen Anschlag auf ihre Redaktion am 7. Jänner 2015. Zwei Islamisten stürmten die Büros der Zeitung in Paris während einer Redaktionskonferenz und erschossen zwölf Menschen, darunter acht Mitarbeiter von “Charlie Hebdo”.

Der Anschlag löste weltweit Entsetzen aus, die Satirezeitung wurde zu einem Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit. Es folgte eine beispiellose Welle der Solidarität mit der Satirezeitung, der Spruch “Je suis Charlie” – “Ich bin Charlie” – ging um die Welt.

(APA/dpa/ag.)

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