24. August 2010 08:02; Akt.: 24.08.2010 08:02

Schauspiel-Chef kritisiert Entwicklung der Salzburger Festspiele

Schauspielchef Thomas Oberender kritisiert die Entwicklung der Salzburger Festspiele. Schauspielchef Thomas Oberender kritisiert die Entwicklung der Salzburger Festspiele. - © Wildbild
Nun übt auch der Schauspiel-Chef der Salzburger Festspiele, Thomas Oberender, Kritik an der Entwicklung des Festivals: Das Einfrieren der jährlichen Subventionen durch die öffentliche Hand rücke private Geldgeber in den Vordergrund.

Mehr Koproduktionen bei der Oper

“Wir sind auf dem Weg zu einem börsennotierten Unternehmen, grauenhaft”, sagte Oberender in einem Interview mit dem “Standard”.
Wenn die laufenden Förderungen nicht einmal der Inflation angepasst würden, müssten die Kosten aus dem Betrieb heraus gespart oder durch Sponsoren ausgeglichen werden. “Ich bin bereits sehr talentiert, Koproduktionsverträge und Gagen auszuverhandeln, aber irgendwann ist Schluss. Die Strategie sollte sein, dass wir auch bei der Oper die Exklusivität aufgeben und mehr Koproduktionen zeigen”, meinte der Deutsche, der noch eine Saison in Salzburg bleibt.

Festspiele würden zu einem börsennotierten Unternehmen

Würden die Sponsoren ins Schaufenster gestellt, die ihre kapitalistischen Interessen verfolgen, ändere das den Charakter der Festspiele hin Richtung börsennotiertesUnternehmen. “Eigentlich produzieren wir doch Schönheit, Bedeutung, Sinn, Freude, aber keine Autos.” Aber die Politik verschließe die Augen. “Die Festspiele produzieren jedes Jahr eine enorme kulturelle Repräsentanz, einen atemberaubenden Glamour. Das ist alles nur noch hysterisch.”

Zum Erfolg verpflichtet

Selbstkritisch bilanzierte der Schauspielchef, dass für das Young Directors Project heuer Regisseure und nicht Projekte eingeladen wurden und daher manche Aufführungen nicht so geglückt waren. Für Salzburg und nur für Salzburg sei die Auswahl nach Produktionen wahrscheinlich sinnvoller: “Wir sind kein Stadttheaterbetrieb, das Risiko des Produzierens dankt uns keiner. Wir sind zum Erfolg verpflichtet.”

Die Pläne für seine letzte Saison in Salzburg deutete er im Interview nur vage an: “Ich werde zwei Uraufführungen machen und einen großen Klassiker zeigen – in einem überraschenden Format. Und dann ein Stück, das für eine bestimmte Schauspielerkonstellation erfunden wurde – mit einem älteren Schauspieler, der lange nicht zu Gast war, und einem jüngeren, die ein gutes Paar ergeben.”


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