Auf der Suche nach dem ursprünglichen Bahnhof Salzburg Aigen

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Stück für Stück ist die Originalfassade freigelegt worden.
Stück für Stück ist die Originalfassade freigelegt worden. - © Neubauer
Wie lässt sich das Alter eines Bahnhofs bestimmen? Ganz einfach, sollte man meinen. Schließlich sind die Bauwerke ja meist im Zuge des Baus einer Eisenbahnstrecke entstanden. Da müssen doch entsprechend datierte Originalpläne vorhanden sein. Doch so leicht ist das gar nicht, wie sich am Beispiel des Bahnhofs Salzburg-Aigen zeigt. Eine historische Spurensuche.

Ganz am Beginn, im Jahr 2015, stand der Plan der ÖBB, das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Salzburg-Aigen (Stadt Salzburg) zu renovieren. Das Bundesdenkmalamt verlangte Nachforschungen zur Baugeschichte sowie restauratorische Untersuchungen zu verwendeten Putzen und Anstrichen, Türen und Fenstern. Die Ergebnisse sollten Grundlage für die Genehmigung von Veränderungen am Bauwerk sein. Das teilte das Unternehmen am Freitag in einer Aussendung mit.

Aktenlage ist dünn: Schwierige Recherchen

Die Recherche in schriftlichen historischen Quellen war schwierig, weil die Aktenlage sehr dünn ist. Also mussten die Experten dem Gebäude selbst sein Alter entlocken und zwar mittels Dendrochronologie: Der Altersbestimmung von Holzstücken durch eine Analyse der Jahresringe. Dazu entnahmen sie aus dem Holz des Dachstuhles bleistiftdicke Bohrkerne, die im Institut für Holzforschung in Tulln (Niederösterreich) untersucht wurden. Die Methode ist sehr zuverlässig, so waren die Ergebnisse eindeutig: Das verwendete Holz stand bis 1878 als Baum im Wald. Entsprechend konnte das in späteren Berichten genannte Datum der Fertigstellung um 1882 mit ziemlicher Sicherheit bestätigt werden.

Alter geklärt, Aussehen noch unbekannt

Dabei war die Frage des Alters nicht das einzige schwierig zu lösende Rätsel. “Die größte Herausforderung bei diesem Projekt war die Rekonstruktion des originalen Aussehens von 1882. Dies besonders deswegen, weil keine historischen Unterlagen aus der Bauzeit wie etwa Ansichtspläne oder Fotos aufzutreiben waren. Dennoch ist es durch Untersuchung des Gebäudes vor Ort und mittels dendrochronologischer Holzaltersdatierung  gelungen, ein hinreichend sicheres Bild vom Ursprungsbau zu bekommen”, schildert der Restaurator Wolfgang Strasser, der beim Projekt als Gutachter tätig war.

Fassade komplett anders als im 19. Jahrhundert

Den Fachleuten war schnell klar, dass das sich ihnen bietende schlichte Erscheinungsbild des Bahnhofs Salzburg-Aigen überhaupt nicht der Fassadengestaltung entsprach, welche sich den Zeitgenossen des ausgehenden 19. Jahrhunderts bot. Fotos und Ansichtspläne über das ursprüngliche Aussahen waren absolute Mangelware. Unter mehreren Putz- und Farbschichten schürften die Experten nach der Ursprungsfassade. Wie sich zeigte war diese im Stil des Historismus gestaltet. Auch farblich bot sich ein buntes Bild: Das Gebäude war zuerst ockergelb, dann beige, dann in einem kräftigen Rot. Diese jüngste, aber über den längsten Zeitraum bestehende Farbgebung wurde von den ÖBB in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt auch zur Farbe für die Renovierung gewählt.

Freigelegt werden konnte auch ein rund 80 Zentimeter hoher Natursteinsockel aus Adneter Marmor. Derselbe, der für die Wandverkleidung der Eingangshalle am Salzburger Hauptbahnhof Verwendung fand. Der beauftragte Restaurator Reiner Neubauer zeigte sich vom Ergebnis persönlich angetan: “Die restauratorische Fassadensanierung des Bahnhofs in Aigen ist für mich ein herausragendes Projekt  wegen der speziellen Farbigkeit des Gebäudes, deren Wirkung mich nach dem Gerüstabbau persönlich stark berührt hat.”

Historisches Gemäuer mit modernen Anforderungen

Das Projekt bemühte sich jedoch nicht nur um historische Genauigkeit – unter anderem durch die Verwendung der richtigen Materialien – , sondern auch um aktuelle Anforderungen, u.a. die barrierefreie Anpassung und Ausstattung der Kundenbereiche inklusive des Warteraums. Dieser ist seit Mai dieses Jahres fertig. Auch die Arbeiten an den bahnsteigseitigen und straßenseitigen Außenanlagen sind bereits abgeschlossen, sodass die Fahrgäste uneingeschränkten Zugang haben. Derzeit sind noch einige Restarbeiten im Gange.

Kostenpunkt: 580.000 Euro

Aus Sicht der ÖBB ist das Projekt erfolgreich verlaufen, wie Projektleiter Christian Mitterlechner von der ÖBB Immobilien GmbH festhält: “Als Fortsetzung der gelungenen restauratorischen Sanierung am Salzburger Hauptbahnhof, war es das Ziel, dem denkmalgeschützten Aufnahmegebäude Salzburg Aigen ebenfalls sein historisches Erscheinungsbild wiederzugeben. Eine Kombination aus gründerzeitlicher Gebäudehülle mit modernem Innenleben ist geschaffen worden, die den Bahnhof wieder deutlich sichtbar im Stadtgebiet wirken lässt.” Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf knapp 580.000 Euro.

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