Schiele-Bild aus Grünbaum-Besitz wird versteigert

Akt.:
Mit einem Schätzwert zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Dollar (bis 941.000 Euro) kommt am 5. November beim Auktionshaus Christie’s in New York Egon Schieles Bild “Stadt am blauen Fluss (Krumau)” zur Versteigerung. Es gehörte einst dem österreichischen Kabarettisten Fritz Grünbaum, der im Nazi-KZ Dachau ermordet wurde. Die Besitzer einigten sich mit den Grünbaum-Erben, sich den Erlös zu teilen.


Über den einvernehmlichen Deal zur Lösung eines Restitutionsstreits und die Versteigerung informierte das Anwaltsbüro Dunnington, Bartholow & Miller in einer Aussendung. “Im Namen der Grünbaum-Erben danke ich dem Nachlass von Ilona Gerstel und Christie’s für ihre Zusammenarbeit bei der Beilegung des Holocaust-Restitutionsanspruches für ‘Stadt am blauen Fluss (Krumau)’ von Egon Schiele”, erklärte Anwalt Raymond J. Dowd.

Der 1880 in Brünn (Brno) geborene Grünbaum war Kabarettist, Schauspieler und Autor. Er trat im Simpl auf und perfektionierte zusammen mit seinem Partner Karl Farkas das Konzept der Doppelconference zwischen einem vermeintlich G’scheiten und einem vordergründig Blöden. Beide waren Juden. Während Farkas 1938 die Flucht vor den Nazis gelang, wurde Grünbaum 1941 als 60-Jähriger im Konzentrationslager Dachau bei München ermordet.

Grünbaum besaß eine große Sammlung auch mit Werken anderer Größen der Kunstgeschichte. Laut den Anwälten von Dunnington, Bartholow & Miller befanden sich allein mehr als 80 Schiele-Werke in der Wiener Wohnung Grünbaums, als dieser von der Gestapo wenige Tage nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland festgenommen und deportiert wurde. Die Sammlung wurde “arisiert”, also geraubt.

Im Zusammenhang mit der Versteigerungs-Ankündigung meldete sich Herbert Gruber vom Wiener Büro für Genealogie zu Wort, das weltweit mögliche Erben ermittelt und ihnen bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche hilft. Er verwies auf Werke aus der Grünbaum-Sammlung, die sich heute im Leopold Museum und der Albertina befinden. “Das österreichische Kunstrestitutionsgesetz versagt bezüglich der Sammlung von Fritz Grünbaum komplett”, erklärte Gruber in einer Aussendung. Bei Verfahren nach dem Gesetz sei nämlich keine rechtsstaatliche Kontrolle durch unabhängige Gerichte vorgesehen, beklagte er und forderte eine Reform.

Das Leopold Museum lehne auf Basis eigener Provenienzforschung die Herausgabe von “Tote Stadt III” und anderer Schiele-Werke aus früherem Grünbaum-Besitz ab, ein Verfahren zur Herausgabe von zwei Schiele-Oeuvres durch die Albertina ziehe sich seit fast 15 Jahren hin. Die Beschlagnahmung von “Tote Stadt III” und dem “Bildnis Wally” 1998 in den USA hatte letztlich zur Washingtoner Konferenz und zur Washingtoner Erklärung, einer Übereinkunft zur Restitution von Nazi-Raubkunst, geführt.

Schiele malte “Stadt am blauen Fluss (Krumau)” 1910. Schieles Mutter stammte aus der an der Moldau gelegenen, mittelalterlichen Stadt Krumau (Cesky Krumlov).

(S E R V I C E -;;;;)

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