Schlangenfrau Stefanie Millinger im Sonntags-Talk: “Wenn ich einen Fehler mache, dann war’s das mit mir”

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Die gelenkige Artistin Stefanie Millinger aus Salzburg sucht stets neue Herausforderungen.
Die gelenkige Artistin Stefanie Millinger aus Salzburg sucht stets neue Herausforderungen. - © Doris Wild/Hannelore Kirchner/SALZBURG24
Die Salzburger Artistin Stefanie Millinger ist lieber auf den Händen, anstatt auf den Füßen unterwegs. Sie hängt sich auch gerne mal von einer Laterne herab oder baumelt vom Kettenkarussel am Rupertikirtag. Im Sonntags-Talk mit SALZBURG24 erzählt die 25-jährige Autodidaktin von ihrem nicht ganz alltäglichen Beruf und verrät, warum sie die Salzburger mitunter für etwas verklemmt hält.




Stefanie Millinger sorgte vor kurzem bei der RTL-Show “Das Supertalent” für Aufsehen, als sie durch den “Golden Buzzer” ohne Umwege geradewegs ins Finale marschierte. Bis die “Schlangenfrau” dann im Dezember wieder den Zusehern vor den Fernsehern die Sprache verschlägt, arbeitet sie weiterhin hart an ihrem Traum und hat dabei dennoch Zeit für ein Interview gefunden.

SALZBURG24: Bist du überhaupt noch auf den Füßen unterwegs?

STEFANIE MILLINGER: Nur wenn es unbedingt sein muss!

Tanz, Turnen oder Akrobatik – Was genau machst du?

Hauptberuflich bin ich Artistin. Mein “Main-Act” ist allerdings das Handbalancing (den eigenen Körper im Handstand balancieren, Anm.), was im Fachjargon auch Kontorsion genannt wird. Viele kennen das unter dem Begriff “Schlangenfrau”. Ich fühle mich aber eher als Artistin und dem Extremsportbereich zugehörig, da ich eben mitunter auch extreme Dinge mache. Bei meinen Auftritten führe ich meine Kunststücke gerne auf der Bühne vor. Was ich aber noch lieber mache, sind riskante Stunts. Also Übungen, bei denen ich irgendwo herunterhänge oder einen Handstand mit verbundenen Augen mache.

Wie bist du zu diesem Sport gekommen?

Nach der Schule im Alter von 18 Jahren habe ich damit begonnen in Richtung Kontorsion zu trainieren. Zwei Jahre später dann habe ich für mich festgestellt, dass ich das hauptberuflich machen will. Das Handbalancing an sich habe ich mir selbst beigebracht, einzig im Jahr 2014 habe ich für zwei Wochen eine Circus-Schule in Montreal besucht. Ich komme aber aus dem Leistungssport, habe da auch entsprechende Schulen besucht und mit 13 Jahren zu Voltigieren begonnen, was mir natürlich geholfen hat. Ich trainiere täglich zwischen sechs und zehn Stunden, einen Ruhetag gibt es bei mir nicht.

Wie gesund ist diese Art der Bewegung?

Das hängt ganz davon ab, wie gut dein Körper das wegsteckt. Ich persönlich brauche da kaum Regeneration, mein Körper ist in dieser Hinsicht ein Meisterwerk (lacht). Hin und wieder habe ich Verspannungen und gehe zur Physiotherapie, wie jeder andere Sportler auch. Es ist auf jeden Fall nicht so, dass ich große Rückenprobleme oder Zerrungen hätte. Außenstehende stellen sich das immer so arg vor, aber man trainiert ja den Körper und macht das nicht von einem Tag auf den anderen.

Was macht den Reiz für dich aus?

Das Auftreten auf Bühnen reizt mich gar nicht so. Natürlich gefällt es mir, wenn ich andere begeistern kann. Einen besonderen Reiz an meiner Kunst stellt aber das Risiko bei den Stunts dar. Ich bin mir da vollkommen bewusst, dass wenn ich irgendwo hochklettere und einen Fehler mache – dann war’s das mit mir. Übungen oder Stunts mit einem ordentlichen Adrenalinpegel, das gefällt mir. Ich bin allerdings auch so geboren. Schon als Kind habe ich mich in einer Höhe von zehn Metern irgendwo hinuntergehängt und meiner Mutter kopfüber zugewinkt. Sie hat sich mittlerweile daran gewöhnt. Ich glaube, dass ich einfach als Draufgängerin geboren wurde.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich werde meistens direkt gebucht, etwa für Firmenfeiern oder auch größere Events wie dem Hahnenkammrennen. Häufig arbeite ich auch mit anderen Künstlern wie Musikern, Tänzern oder auch Beatboxern zusammen. Das ist auf jeden Fall eine wunderschöne Seite an meinem Beruf, man lernt immer ganz unterschiedliche Leute kennen. Die Künstler unter sich sind da doch ein ganz eigenes Volk. Sie sind wie eine Familie.

Wenn du jetzt irgendwo in Salzburg in deinen Posen “herumhängst”, wie reagieren die Leute darauf?

Es gibt ein paar, die lassen blöde Kommentare ab. Die meisten sind aber begeistert und sehen sich das an. Die Salzburger sind leider mitunter etwas verklemmt. Ich war unlängst wählen, das habe ich in der Wahlkabine natürlich im Handstand gemacht. Das hat den Wahlhelfern aber gar nicht gepasst. Sie haben mich gleich aufgefordert, die Kabine zu verlassen, weil ich offenbar zu lange brauche. Ich habe sie dann nur daraufhin gewiesen, dass nirgendwo steht, wie lange man Zeit hat, die Stimme abzugeben.

Ähnliche Erfahrungen mache ich auch oft, wenn ich auf Laternen klettere und mich herunterhänge. Da kommen dann oftmals Kommentare wie „Was machst du da?“ und „Ich rufe die Polizei!“. Das macht aber auch gewissermaßen den Reiz aus. Ich mache vielleicht mitunter einige verbotene Dinge, aber ich tue dabei niemandem weh. Und ich bin sicherlich nicht darauf aus, irgendetwas zu demolieren.

Was bedeutet dir die Akrobatik?

Die Akrobatik ist definitiv mein Leben, die geht einfach über alles. Sport im Allgemeinen ist eigentlich das Wichtigste in meinem Leben. Ohne Sport könnte ich einfach nicht existieren.

Was war dein verrücktester Auftritt oder Stunt?

Ich denke mal die Aktion am Kettenkarussell am Rupertikirtag. Mein Plan war, dass ich während der Fahrt am Karussell hochklettere und mich dann von oben herunterhänge. Ich wollte das anfangs auf ganz legalem Wege machen und Genehmigungen einholen. Da hat man mir aber gesagt, dass ich mir da besser gleich einen guten Fluchtweg überlegen sollte.

Ich wollte die Sache aber nicht einfach absagen. Denn wenn ich mir etwas einbilde, dann muss ich das auch machen. Bei diesem Stunt gab es leider von Anfang an Probleme. Zuerst wollte niemand die Aktion filmen, dann streikte auch noch das Kettenkarussell für geschlagene zwei Stunden. Letztendlich bin ich raufgeklettert und habe mich oben in Pose geworfen. Zu meiner Verwunderung wurde das Karussell gar nicht angehalten, erst nach der Fahrt haben mich die Budenbesitzer aufgefordert, beim nächsten Mal eher sitzen zu bleiben. Die haben die Aktion aber sogar fotografiert (lacht)!

Im September hast du bei der TV-Show “Das Supertalent” für Aufsehen gesorgt. Wie war der Auftritt vor der Jury?

Ich bin es eigentlich gewohnt, vor einem Publikum zu performen. Das war für mich jetzt nicht so das große Ding. Was ich aber überhaupt nicht mag, ist es sich einer Jury zu stellen. Das fühlt sich immer ein bisschen an wie in der Schule ein Referat zu halten. Das ist eigentlich das einzige, was für mich wirklich schwierig war. Die Jury war sonst total nett.

Wie geht es hier weiter?

Ich bin damals durch den Golden Buzzer gleich direkt ins Finale gekommen, somit erspare ich mir die restlichen Runden und stehe dann am 16. Dezember im Finale mit elf anderen Kandidaten.

Was steht bei dir dieses Jahr noch an?

Ich möchte heuer noch einen Sponsor finden, der mich in Richtung Extremsport begleitet. Ich hätte da schon einige Projekte geplant, die kann ich aber nur mit einem starken Partner im Hintergrund umsetzen. Ich will mich zum Beispiel gerne von der Untersbergbahn herunterhängen, während sie sich bewegt. Auch einen Handstand am Eifelturm zu machen wäre megageil! Aber für solche Dinge braucht man eben ein entsprechendes Team.

Willst du noch irgendetwas loswerden?

Ja – Jeder soll seine Träume verfolgen. Auch wenn niemand an einen glaubt, solange man an sich selbst glaubt, wird man die Ziele auch erreichen!

Danke für das Interview Steffi, hier noch ein paar Entweder-Oder-Fragen, bereit?

Ok – ja natürlich!

 

Frühaufsteher oder Langschläfer? Frühaufsteher, ich stehe immer zur selben Uhrzeit auf

Dirndl oder Ballrobe? Dirndl

Fleisch oder vegetarisch? Fleisch

Spontan oder durchgeplant? Spontan

Imbiss oder Sterneküche? Sterneküche

Party oder Sportveranstaltung? Sportveranstaltung

Bier oder Wein? Weder noch

Kaffee oder Tee? Ich trinke eigentlich nur Wasser

Berge oder Strand? Strand

Fahrrad oder Auto? Ich habe keinen Führerschein, von dem her eher Fahrrad

 

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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