Schönborn: Familien begleiten und nicht beurteilen

Akt.:
Kardinal zog Bilanz nach Familien-Synode
Kardinal zog Bilanz nach Familien-Synode
Kardinal Christoph Schönborn hat am Donnerstag im Vatikan eine Bilanz der Bischofsynode gezogen und betont, dass versucht wurde, die Menschen in ihrer aktuellen Situation “zu begleiten”, wie dies Papst Franziskus fordere. “Franziskus hat das schon so oft gesagt: Nicht urteilen, sondern die Geschichte der Familie begleiten”, erklärte Schönborn.


Schönborn betonte, dass diese Herangehensweise nicht als Relativismus missverstanden werden dürfe: “Der Respekt vor jeder Person heißt nicht Respekt vor allen menschlichen Verhaltensweisen.”

Der Kardinal äußerte sich nach Abschluss der viertägigen Arbeit in den zehn “Circuli minores”, den Arbeitsgruppen in vier Sprachen. Die Ergebnisse wurden am Donnerstagnachmittag vom Vatikan veröffentlicht.

Schönborn, selbst Leiter einer der beiden französischsprachigen Arbeitsgruppen, zeigte sich “überaus beeindruckt”, wie groß das Medieninteresse für diese Außerordentliche Versammlung der Synode war. Er verteidigte die Wichtigkeit einer medialen Darstellung des Themenkomplexes. Es gehe um eine “Erweiterung des Bildes der Familie” und gleichzeitig um das Erkennen ihrer “fundamentalen Rolle”, und von daher dann schließlich um die Behandlung der auftretenden “Fragen der Moral”.

Nach den Worten des Kardinals wollte der Papst nicht eine Darstellung all dessen, “was in der Familie nicht funktioniert”. Was er wollte, sei “vor allem anderen” gewesen, “dass die Schönheit und die vitale Notwendigkeit der Familie” herausgestellt werde: “Deshalb hat er uns eingeladen, ein offenes Ohr für die Realität zu haben.”

Befragt über die allfällige Notwendigkeit von Änderungen des von ihm redigierten Weltkatechismus in der Folge dieser Synode sagte Schönborn: “Ich glaube, wir müssen den neuen Herausforderungen mit den gleichen Prinzipien begegnen”, wie sie sich schon im Katechismus finden: “Ich sehe keine Notwendigkeit für Änderungen. Aber es gibt Entwicklungen.”

Kardinal Schönborn kennt “die Realität einer zerbrochenen Familie” aus eigener Anschauung. “Meine Eltern waren geschieden”, sagte er am Donnerstag nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA am Rande der Bischofssynode in Rom.

Die Familie sei kein abstraktes Ideal, sondern eine Realität. “Es gibt einen Vater und eine Mutter. Es gibt Kinder, die eine gewisse Zeit mit dem Vater und eine Zeit mit der Mutter verbringen”, so der Kardinal. Es handle sich um Menschen, keine abstrakten Einheiten, daran müsse sich die Lehre der Kirche messen.

“Die Kirche spricht die Wahrheit aus”, aber sie tue dies mitfühlend, betonte Schönborn. Dabei brauche man auch einen Weg des Glaubens. Bei den Herausforderungen, die die heutige Situation der Familien für die Kirche bildeten, müsse man zwei Aspekte in Betracht ziehen: Die Lehre, also die Worte des Evangeliums, und die Haltung Jesu, die von Barmherzigkeit und Mitgefühl erfüllt sei.

Die Glaubenslehre sei kein Joch für das Leben sondern ein Weg, sie bedeute keinen Zwang. “So ist es von Anfang an gewesen, beispielsweise in der Frage der Scheidung”, erklärte Schönborn.

Schönborn brachte am Donnerstag auch seine persönliche Wertschätzung für ein ihm bekanntes katholisches homosexuelles Paar zum Ausdruck. Zugleich betonte er aber vor Journalisten am Rande der Bischofssynode in Rom, als Geistlicher könne er derartige Beziehungen nicht gutheißen.

Bei dem Paar handle es sich um “wunderbare Menschen”, die sich gegenseitig unterstützt hätten, als der andere krank war, sagte Schönborn, als er nach den beiden in der katholischen Kirche stark engagierten Männern gefragt wurde.

“Das Grundprinzip lautet: zuerst die Person und dann die sexuelle Orientierung betrachten. Jede Person hat eine Würde, die über diese Orientierung hinausgeht. Die sexuelle Orientierung allein hat nichts mit Sünde zu tun”, zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP den Kardinal.

Dies bedeute jedoch nicht, alle menschlichen Verhaltensweisen zu akzeptieren. “Ich sage nicht, dass ich einverstanden bin. Wir müssen immer das Geschenk, das die Beziehung zwischen Mann und Frau darstellt, verteidigen”, so Schönborn zu seiner Einstellung zu homosexuellen Verbindungen. Um die Eigenschaften eines Menschen zu bewerten dürfe die Kirche allerdings “nicht zuerst in Schlafzimmer”, sondern müsse “ins Esszimmer schauen”.

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Salzburger Handwerkspreis geht... +++ - Motorradfahrer rast mit 163 km... +++ - Warum wir nicht gerne mit den ... +++ - Motorrad gegen Auto: Schwer Ve... +++ - Weihnachtsbeleuchtung in der A... +++ - Kind bei Verkehrsunfall in Hel... +++ - Salzburg bringt fahrende Bibli... +++ - Rainerstraße: Mann bei Arbeits... +++ - 15. Salzburger Verkehrstage: M... +++ - Autofahrer, aufgepasst! Vorsic... +++ - Großgmain: Passant findet tote... +++ - Nationalratswahl: So vergaben ... +++ - „Kleine Reisewelle“ rollt auf ... +++ - Rekrut erschossen: Schwager de... +++ - Lehen: Radler streckt Mann mit... +++
0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen