Schottenberg kehrt mit Nestroy als Regisseur zurück

Akt.:
Schottenberg inszeniert "Das Mädl aus der Vorstadt" in der Josefstadt
Schottenberg inszeniert "Das Mädl aus der Vorstadt" in der Josefstadt - © APA
Mit Nestroys “Das Mädl aus der Vorstadt” kehrt der ehemalige Volkstheaterdirektor Michael Schottenberg am 1. Dezember im Theater in der Josefstadt als Regisseur zurück. Für ihn ist es eines von Nestroys “wienerischsten Stücken”, wie er im APA-Interview meint. Für den 64-Jährigen spielt die Hauptrolle dabei das “Verzweifeln an der Oberflächlichkeit”.

APA: Seit Ihrem Abschied als Volkstheaterdirektor im Juni 2015 ist es still um Sie geworden. Sie haben in einem Abschiedsinterview gesagt, dass Sie nun einmal den Mut haben, “nicht zu wissen, was ich beruflich mache”. Wie haben Sie dieses letzte Jahr verbracht?

Michael Schottenberg: Ich habe mich um mich gekümmert. Seit ich denken kann, habe ich nicht so viel Zeit mit mir verbracht. Und mit dem, was mir wichtig ist. Wenn das nicht mutig ist.

APA: Sie kehren nun mit gleich zwei Inszenierungen ans Theater zurück – ans Theater in der Josefstadt. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit mit Herbert Föttinger gekommen?

Schottenberg: Als Kollegen haben wir uns oft ausgetauscht. Auch, nachdem ich aufgehört hatte. Eines Tages bekam ich einen Anruf. Föttinger hat mich verführt.

APA: Waren Inszenierungen am Volkstheater unter Anna Badora je ein Thema?

Schottenberg: Nein. Badora macht ihr Theater, ich habe meines gemacht. Unsere Begegnungen waren von Respekt geprägt, zumindest von meiner Seite.

APA: Sie haben ja einige Nestroy-Erfahrung. Was hat Sie an einer Inszenierung von “Mädl aus der Vorstadt” gereizt?

Schottenberg: Der Text. Nestroy hat so unfassbar großartige Wortbilder niedergeschrieben. Es lässt sich trefflich über sie nachdenken, sie sind das wahre Geschenk.

APA: Welche Themen birgt das Stück für das heutige Publikum?

Schottenberg: Liebeswirren, menschliche Obsessionen, Korruption. Nestroys Verzweifeln an der Oberflächlichkeit spielt die Hauptrolle. Und über das alles muss man lachen. Ich lese das “Mädl” als es eines seiner wienerischsten Stücke. Die Hauptstadt stillt ihre Begehrlichkeit in der von ihr abhängigen Vorstadt.

APA: Als Nächstes werden Sie “Harold und Maude” anlässlich des 90. Geburtstags von Erni Mangold in den Kammerspielen inszenieren. Eine langjährige Weggefährtin. Wie kam es zur Stückauswahl?

Schottenberg:: Erni Mangold ist einer der größten Schauspielerinnen unserer Zeit, ein Monstrum an Wahrhaftigkeit. Sie ist zornig, ungehobelt, zärtlich und voller Liebe. Und sie ist der jüngste Mensch, den ich kenne. Dieses Stück, wenn ich es richtig verstehe, ist gleichermaßen ein Geschenk an sie und an ihr Publikum. Eigentlich ist sie selbst das Geschenk.

APA: Ihre Intendanz am Volkstheater war geprägt von der ewigen Suche nach mehr Mitteln. Ihre Nachfolgerin Anna Badora hat nun zwar 400.000 Euro an zusätzlicher Subvention, die jedoch aufgrund der nicht vorhandenen Valorisierung innerhalb kurzer Zeit aufgefressen werden. Wie lange können Theaterbetriebe noch so weitermachen? Welche neuen Strategien braucht es?

Schottenberg: Nicht zu “lügen” ist die Grundlage des Theaters. Also gibt es auch die Wahrheit nicht gratis. Bei diesem Thema hört sich, in aller Freundschaft, die Freundschaft der Politiker auf. Heute hat sich das Theater permanent seiner Existenzberechtigung zu stellen. Des Herrn Direktors Kampf ums Geld ist eine Posse ohne Gesang.

APA: Wir stehen nun kurz vor der Wahl eines neuen Bundespräsidenten, in den USA ist gerade – zur Überraschung vieler – Donald Trump gewählt worden. Wie erklären Sie sich dieses Klima, die politische Verdrossenheit der Menschen?

Schottenberg: Keine Vision. Keine Perspektive. Politikersprech, wohin man hört. Demagogen, die die Welt in wenigen Worten erklären, wohin man schaut. Man wird überrannt von dumpfbackigen Politikern deren Plattitüden und Rücksichtslosigkeit einem mehr und mehr den Atem nehmen.

APA: Welche Rolle kann das Theater dabei spielen, vor allem für junge Menschen?

Schottenberg: Theater kann die Zeit anhalten. Es kann sie verlangsamen oder sie beschleunigen. Theater vermag aus einer Glühlampe den Mond und aus ein bisschen Schminke eine Königin zu machen. Man muss es nur sehen wollen. Davon abgesehen hat Theater die Verpflichtung, zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen.

APA: Planen Sie für die Zukunft weitere Regiearbeiten oder wieder Auftritte im Film?

Schottenberg: Nein.

(Die Fragen stellte Sonja Harter/APA)

(S E R V I C E – Johann Nepomuk Nestroy: “Das Mädl aus der Vorstadt” im Theater in der Josefstadt. Regie: Michael Schottenberg. Premiere am 1. Dezember, 19.30 Uhr. Weitere Termine: 2., 16. bis 20., 29. bis 31. Dezember sowie 9. bis 11., 14. bis 16. und 24. Jänner. Mit u.a. Martin Zauner, Michou Friesz, Thomas Kamper, Daniela Golpashin und Josephine Bloeb. Infos und Karten unter )

(APA)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen