Schutzgebietsbetreuung in Wengermoor und Co: Erfolgsgeschichte des Naturschutzes

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Das Wengermoor ist ein besonderer Naturschatz.
Das Wengermoor ist ein besonderer Naturschatz. - © LMZ/Neumayr
2007 startete in Salzburg die professionelle Betreuung von geschützten Naturgebieten durch externe Fachleute. Anlässlich dieses 10-Jahre-Jubiläums überzeugte sich Umweltreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler (Grüne) am Mittwoch bei einer Exkursion mit den vier Salzburger Schutzgebietsbetreuerinnen und -betreuern in das Natur- und Europaschutzgebiet Wallersee-Wengermoor in Köstendorf (Flachgau) vom Mehrwert der Schutzgebietsbetreuung für Mensch und Natur.

Die Unterschutzstellung von Landschaftsteilen reicht oft nicht aus, um deren Schönheit und Vielfalt zu bewahren oder zu verbessern, wie es in einer Aussendung vom Land Salzburg heißt. Vielmehr bedarf es dazu immer auch der aktiven Zusammenarbeit mit den verschiedenen Nutzer- und Interessensgruppen. Denn nur gemeinsam lassen sich die nötigen Erhaltungs-, Landschaftspflege-, Renaturierungs- und bewusstseinsbildenden Maßnahmen umsetzen. Diese Zusammenarbeit zu fördern, ist zentrale Aufgabe der Schutzgebietsbetreuung, die es für den Flachgau, Tennengau, Pinzgau und Lungau gibt.

Betreuung für kleinere Schutzgebiete

Während es für Großschutzgebiete wie den Nationalpark Hohe Tauern oder manchen Salzburger Naturpark eine eigene Verwaltung gibt, welche die Aufgaben der Schutzgebietsbetreuung wahrnimmt, fehlte eine solche Einrichtung lange Zeit für die kleineren und mittelgroßen Naturschutzgebiete. Gerade solche Gebiete sind aber häufig betreuungsbedürftig, da dort oft ein hoher Nutzungsdruck herrscht.

Entwicklung der Schutzgebietsbetreuung im Wengermoor und Weidmoos

Konkreter Anlass für den Start der Schutzgebietsbetreuung in Salzburg war schließlich der erfolgreiche Abschluss der beiden LIFE-Renaturierungsprojekte im Wengermoor und im Weidmoos vor gut zehn Jahren. Beide Gebiete konnten nach der Renaturierung nicht einfach sich selbst überlassen werden. Es musste sich weiterhin jemand darum kümmern, beispielsweise die Anlagen zur Wiedervernässung von Feuchtflächen instand zu halten, die Erfolgskontrolle weiterführen, Besucherlenkungsmaßnahmen umzusetzen und vor allem um als Ansprechpartner für die Nutzerinnen und Nutzer der Gebiete zur Verfügung zu stehen.

Die Naturschutzverwaltung selber konnte das aus Ressourcengründen nicht leisten. So wurde 2007 ein Pilotprojekt der Schutzgebietsbetreuung gestartet und zwar in einer Kooperation mit dem Haus der Natur, wo der erste Salzburger Schutzgebietsbetreuer Oliver Stöhr angestellt wurde, mit Förderung aus Naturschutzgeldern des Landes und der EU. Nach den guten Ergebnissen dieses Pilotprojekts und der hohen Akzeptanz bei den örtlichen Akteuren wurde die Schutzgebietsbetreuung schließlich dauerhaft eingerichtet. Nach und nach wurde sie dann vom Flachgau zuerst auf den Tennengau, vor zwei Jahren dann auch auf den Pinzgau und Lungau ausgeweitet.

Diese Rolle spielt die Schutzgebietsbetreuung

In erster Linie sind die Schutzgebietsbetreuerinnen und -betreuer Verbindungselement zwischen Naturschutzverwaltung und Grundbesitzern beziehungsweise Nutzern. Wichtig zur Vertrauensbildung sind der direkte persönliche Kontakt und die hohe Präsenz in den Gebieten in Verbindung mit einer personellen Kontinuität – Vertrauen braucht Zeit und ein “Gesicht”. Eine wichtige Aufgabe der Schutzgebietsbetreuerinnen und -betreuer ist auch die Bewusstseinsbildung. So leiten sie Exkursionen und führen Naturschutzaktionen durch, etwa Springkrautbekämpfungen mit Schulen. Sie beobachten die Entwicklung der Bestände von seltenen Tier- und Pflanzenarten. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Umsetzung konkreter Landschaftspflege- und Renaturierungsmaßnahmen auf Basis von Naturschutzfachplänen.

Rundgang durch das betreute Wengermoor

Deutlich sichtbar wurde der Mehrwert der Schutzgebietsbetreuung beim Rundgang durch das Natur- und Europaschutzgebiet Wengermoor unter Leitung der zuständigen Betreuerin Elisabeth Ortner vom Haus der Natur. Um zu wissen, wie es um die Natur im Schutzgebiet bestellt ist und wie sich die Landschaftspflegemaßnahmen auswirken, beobachtet Ortner die Bestandsentwicklung von Brachvögeln und Kiebitzen. Ihre Entwicklung zeigt an, ob ihre Streuwiesen-Lebensräume in Ordnung sind.

Bei negativen Entwicklungen kann die Schutzgebietsbetreuerin reagieren und gemeinsam mit den Bewirtschaftern das Naturraummanagement durch Änderung des Mähzeitpunkts oder verstärkte Besucherlenkung anpassen. Außerdem setzt sie in enger Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung konkrete Maßnahmen zur Erhaltung oder Verbesserung des Naturschutzgebiets um. Beispielsweise wurden gemeinsam mit Landwirten brachgefallene Streuwiesen wieder gepflegt, um den Lebensraum seltener Schmetterlinge wie etwa Goldener Scheckenfalter und Wiesenknopfameisenbläuling zu verbessern.

Laichgewässer sollen Amphibienbestand stärken

Gemeinsam mit Grundbesitzern wurden Amphibienlaichgewässer angelegt, um die Bestände der europaweit gefährdeten Gelbbauchunke zu stärken. In Absprache mit den Gemeinden wurden Besuchereinrichtungen verbessert und die Regeln der Schutzgebietsverordnung verständlich gemacht, um brütenden Vogelarten wie dem Großen Brachvogel mehr Ruhe in der Brutzeit zu verschaffen. Da die Flächen innerhalb des Naturschutzgebiets meist in Privatbesitz sind und die Bewirtschaftung von den örtlichen Landwirten durchgeführt wird, muss ein Kompromiss zwischen Interessen der Natur und der Landnutzer gefunden werden. Dies gelingt am besten im persönlichen Gespräch mit Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Insgesamt zeigte die Exkursion durch das Wengermoor deutlich, dass die Schutzgebietsbetreuung in Salzburg zu einem unverzichtbaren Instrument der Naturschutzarbeit geworden ist und welchen Mehrwert sie für Mensch und Natur bietet, heißt es in der Aussendung weiter.

“Das primäre Ziel der Salzburger Schutzgebietsbetreuung ist die Erhaltung und Verbesserung des ökologischen Wertes der Schutzgebiete und die nachhaltige Bewahrung der Biodiversität. Je höher die Artenvielfalt und genetische Vielfalt, umso anpassungsfähiger und widerstandsfähiger sind Ökosysteme gegen Veränderungen, wie zum Beispiel den Klimawandel. Die biologische Vielfalt kann aber nur erhalten werden, wenn es gelingt, Lebensräume in ausreichender Zahl und Qualität zu bewahren und dazu trägt die Salzburger Schutzgebietsbetreuung bei”, so Rössler am Mittwoch bei der Exkursion.

 

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