Akt.:

Schweizer zieht es wegen Frankenstärke zum Shoppen nach Österreich

Schweizer kaufen vermehrt in Österreich ein. Schweizer kaufen vermehrt in Österreich ein. - © AP(dapd)
Der starke Franken hat die Schweizer im vergangenen Jahr vermehrt zum Einkaufen nach Österreich gelockt. Sie ließen 21 Mio. Euro im Land und damit um 36 Prozent mehr als im Jahr 2010.

Korrektur melden

“Für die Schweizer ist Österreich günstiger geworden”, so Gerd Gfrerer, Geschäftsführer des Mehrwertsteuer-Rückerstatters Global Blue Österreich, am Donnerstag vor Journalisten. Schweizer haben im Ranking der Top-Shoppingtouristen in Österreich stark aufgeholt und die Kroaten vom dritten auf den fünften Platz verwiesen.

Schweizer Industrie zehrt von Substanz

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie muss von der Substanz zehren. Gut jedes dritte Unternehmen schreibt operativ rote Zahlen. Im Schlussquartal 2011 hat sich die Lage zugespitzt.

Die Frankenstärke und die sich abkühlende Weltkonjunktur haben die stark exportabhängige MEM-Industrie in die Zange genommen und ein profitables Wachstum verunmöglicht. Diese Bilanz zog der Präsident des Branchenverbandes Swissmem, Hans Hess, an der Jahresmedienkonferenz vom Donnerstag in Zürich.

Exportpreise gesunken

Viele Unternehmen seien zu massiven Preiszugeständnissen gezwungen worden, um überhaupt noch Aufträge gewinnen zu können. So sanken die Exportpreise im vergangenen Jahr um hohe 4,1 Prozent.

Damit erodierten die Margen: Über ein Drittel der 290 befragten MEM-Unternehmen geriet in die operative Verlustzone. Bei gut der Hälfte fiel die Betriebsgewinn-Marge um mindestens 6 Prozentpunkte. “Viele Firmen leben zurzeit von der Substanz, damit kämpfen sie mittelfristig um ihr Überleben”, sagte Swissmem-Direktor Peter Dietrich.

Im Gesamtjahr gingen die Aufträge dank eines sehr guten ersten Quartals nur um 0,5 Prozent zurück. Im vierten Quartal erlitt die Branche aber einen Einbruch um 18,6 Prozent gegenüber dem starken Vorjahresquartal. Die Tendenz ist nun seit drei Quartalen negativ.

Die Umsätze stiegen im Gesamtjahr noch um 2,1 Prozent. Von Oktober bis Dezember resultierte aber auch hier ein Rückgang um 2,5 Prozent. Seit dem Einbruch nach der Finanzkrise 2008 haben die Umsätze der MEM-Industrie stagniert. Sie liegen im Schnitt um rund ein Viertel unter dem Rekordniveau von vor der Krise.

2012 kein Wachstum in der Schweiz

Für 2012 geht gemäß der Umfrage von Swissmem eine deutliche Mehrheit der Unternehmen davon aus, dass sie kein Wachstum wird erzielen können. Denn der Frankenkurs werde wegen der anhaltenden Schuldenkrise zum Euro wohl nur wenig über 1,20 verharren und mit der EU werde der Hauptabsatzmarkt stagnieren oder leicht rückläufig sein.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe mit ihrer Wechselkursuntergrenze zumindest vorläufig tausende Arbeitsplätze in der Schweiz gerettet, sagte Dietrich. Aufgrund der negativen Tendenz bei den Aufträgen befürchte er aber, dass in den kommenden Monaten die Zahl der Beschäftigten sinken werde.

Schweiz droht mehr Kurzarbeit

Swissmem-Präsident Hess rechnet mit weiteren Produktionsverlagerungen ins Ausland und mehr Kurzarbeit. Die Prognose vom Herbst, der Anpassungsprozess könnte bis zu 10.000 Arbeitsplätze kosten, gelte weiterhin. Ende September zählte die Branche 337.800 Beschäftigte. Das sind fast 8.400 mehr als im Vorjahr, aber 18.000 weniger als 2008.

Die MEM-Industrie brauchte 2011 Personal, um den Absatz zu bolzen und so den Preisdruck kompensieren zu können, wie die Swissmem-Spitze erläuterte. Jetzt nehmen aber die konjunkturellen Unsicherheiten zu und die Absatzchancen ab. Hess appellierte an die Nationalbank, sie solle alles tun, um den Franken weiter zu schwächen. Er sei aber gegen die Erhöhung des Mindestkurses, weil damit die Gefahr bestehe, dass dieser getestet und dann auch die 1,20er-Marke nicht gehalten werden könne.

Bei den Rahmenbedingungen bekräftigte Hess seine Hoffnung, dass die Initiative “6 Wochen Ferien für alle” abgelehnt werde. Auch “neue Experimente” in der Energie- und Klimapolitik bedrohten die Konkurrenzfähigkeit. Aufgestockt werden müssten dagegen die Mittel für die Kommission für Technologie und Innovation (KTI), also für den Wissens- und Technologietransfer von Hochschulen in die Firmen.

APA, VOL.AT



Kommentare 0

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

 
noch 1000 Zeichen
 

Mehr auf Salzburg24.at
Milchquote in Europa ist passé
Mit dem heutigen 1. April sind die EU-Milchquoten, also die maximal erlaubten Produktionsmengen, nach mehr als 30 Jahren [...] mehr »
Leitl pocht auf Steuer-”Lösungen” für Gastronomie und Co.
Wirtschaftsbund-Chef und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl pocht auf Nachverhandlungen der Steuerreform. Er [...] mehr »
Russland verlängerte Gas-Abkommen mit Ukraine um drei Monate
Russland hat das Gas-Abkommen mit der Ukraine um weitere drei Monate prolongiert. Das Abkommen, das der Ukraine [...] mehr »
Wiener Modehaus Tlapa baut Hälfte der Belegschaft ab
Das Wiener Modehaus Tlapa schrumpft zu einem Outlet-Center. 61 Jobs müssen abgebaut werden. mehr »
Warnstreiks bei der Deutschen Post angekündigt
Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post um kürzere Wochenarbeitszeiten setzt die Gewerkschaft Verdi erste Nadelstiche. [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als SALZBURG24.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Kommentare werden erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht.

Neu registrieren