Schwere Unwetter über Salzburg: Großarl und Obertauern weiterhin nicht erreichbar, Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren

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Schwere Unwetter über Salzburg: Großarl und Obertauern weiterhin nicht erreichbar, Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren
© In Kaprung mussten nach dem Unwetter 18 Personen evakuiert werden./FF Kaprun
Nach den heftigen Unwettern Samstagabend im Pongau, Pinzgau und Lungau hat sich Sonntagnachmittag die Lage etwas entspannt. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. Hotspots waren die Pongauer Gemeinden Dorfgastein und Großarl. Dort hat das Unwetter auch Verletzte gefordert. Ein Überblick.

Nach schweren Gewittern mit Starkregen, Hagel und Sturm gingen Samstagabend mehrere Bäche über und es kam zu mehreren Murenabgängen, mehrere Straßen mussten gesperrt werden.

Die aktuellen Verkehrsmeldungen findet ihr HIER.

Die Einsätze dauerten zum Teil die ganze Nacht über. Alleine bis Sonntag, um 6 Uhr, wurden von 25 Feuerwehren mit insgesamt 654 Kräften 96 Einsätze abgearbeitet, teilte der Landesfeuerwehrverband Salzburg mit. Seit Sonntagmorgen sind die Aufräumarbeiten mit Hochtouren am Laufen. Wie das Land Salzburg am Abend mitteilte, standen gegen 18 Uhr noch 15 Feuerwehren mit über 400 Einsatzkräften im Einsatz. Von diesen 15 waren derzeit im Lungau zehn Ortsfeuerwehren im Einsatz.

 

B99 nach Murenabgang gesperrt

Am Samstag gegen 20.45 Uhr kam es auf der Katschberg Straße (B99) zwischen Unter- und Obertauern zu mehreren Vermurungen. Dabei wurde die B99 unmittelbar nach der Gemeinde Tweng (Lungau) bergwärts auf einer Länge von 50 bis 100 Metern bis zu drei Meter hoch mit Geröll verschüttet, berichtet die Polizei am Sonntag. Geröll und Schlammmassen verlegten die Straße auch im Bereich der Gnadenalm. Die B99 wurde für den gesamten Verkehr bis auf weiteres gesperrt. Die Arbeiten liefen bis in die Nacht und wurden am Morgen weiter fortgesetzt.

Auf der Südrampe (Obertauern-Tweng) wurde ein Pendelverkehr eingerichtet. Für die Nachtstunden ist wieder eine Komplettsperre vorgesehen. Die Lage soll am Montag wieder neu beurteilt werden. Von Radstadt bis nach Untertauern kann die B99 befahren werden. Im Einsatz standen und stehen die Feuerwehren Obertauern und Tweng.

In der Nacht mussten 50 Personen aus der Ahorngalerie geborgen werden. Sie waren mit ihren Fahrzeugen dort eingeschlossen. Der Löschzug Obertauern hat sich zu den betroffenen Personen vom Pass her vorgearbeitet und konnte alle mit ihren Fahrzeugen nach Obertauern begleiten.

Muren und Überflutungen im Riedingtal

Zwischen 20 und 21 Uhr gingen im Riedingtal im Lungau mehrere Muren ab. Die Riedingtalstraße war dadurch an mehreren Stellen überflutet und verlegt, sodass etliche Almhütten im Tal nicht mehr erreichbar waren.
Da zu den Almhütten auch kein Funk- bzw. Telefonkontakt bestand, wurden sämtliche Hütten von Kräften der Bergrettung Muhr und Zederhaus aufgesucht. Kurz vor Mitternacht stand schließlich fest, dass bei dem Unwetter glücklicherweise keine Personen zu Schaden gekommen waren. Neben der Bergretter standen auch Kräfte des Roten Kreuzes und der Feuerwehr Zederhaus im Einsatz.

Die betroffenen Gemeinden im Lungau: Zederhaus, Tweng, Weißpriach, Lessach, Tamsweg, Mariapfarr Ligniz, St. Michael, St. Andrä. In den Gemeinden Göriach, Lessach, Tweng, St. Michael und St. Andrä ist es zu örtlichen Überflutungen gekommen.

Mehrere Bäche in Dorfgastein überflutet

Im Ortszentrum von Dorfgastein (Pongau) ging gegen 20 Uhr der Mühlbach über. Ebenfalls über die Ufer traten nach dem Gewitter ein Bach im Ortsteil Maierhofen sowie der Zechnerbach im Ortsteil Unterberg. Der Mühlbach überschwemmte im Bereich Dorfgastein-Nord die Gasteiner Straße (B167). Diese war wegen der Aufräumarbeiten bis ca. 22.45 Uhr für den kompletten Verkehr gesperrt.

Dorfgastein wurde schwer getroffen./FF Dorfgastein/Winter Dorfgastein wurde schwer getroffen./FF Dorfgastein/Winter ©

Protokoll der Feuerwehr:

  • 19:42 Uhr: Alarmierung der LAWZ zu Auspumparbeiten in die Bergbahnstraße. In weiterer Folge kam es zur Vermurung der Straße, welche bis ins Ortszentrum reichte.
  • 19:45 Uhr: Neue Einsatzstellen im Ortsteil Luggau – Vermurungen, unter Wasser stehende Keller
  • 19:50 Uhr: Lage im Bereich Mühlbach spitzt sich dramatisch zu. Der Bach droht über die Ufer zu treten.
  • 19:52 Uhr: Der Mühlbach tritt im Bereich Tourismusverband über die Ufer. Die Folgen waren die komplette Vermurung der B167 in diesem Bereich, schwere Schäden am Kanalsystem sowie beim Heizkraftwerk.
  • 19:55 Uhr: Weitere Vermurungen aus dem Ortsteil Maierhofen gemeldet. In weiterer Folge wurde schweres Gerät an die Einsatzstellen beordert. Ebenso wurden zur Unterstützung die Feuerwehren Bad Hofgastein, Bad Gastein, Lend und Embach alarmiert.
  • 20:00 Der Murenabgang beim Mühlbach führt zu einer Verklausung der Gasteiner Ache. Daraufhin wird der Hochwasserschutz aktiviert und die Mobilelemente eingesetzt.
  • 04:00 Uhr: Aufräumungsarbeiten vorerst abgeschlossen.

Bis Sonntagabend hat sich in Dorfgastein die Lage etwas stabilisiert.

Alleine in Dorfgastein standen 100 Kräfte der Feuerwehren Dorfgastein, Bad Hofgastein, Bad Gastein, Lend und der Löschzug Embach im Einsatz. Die freiwilligen Helfer wurden auch durch private Firmen und durch die Straßenmeisterei Pongau unterstützt. Dieses Video aus Dorfgastein, lässt das Ausmaß des Unwetters nur erahnen.

Großarl von Außenwelt abgeschnitten: Verletzte

Auch in Großarl (Pongau) stand die Großarler Landesstraße (L109) nach dem Gewitter unter Wasser. Wie Markus Winkler von Pressefoto Pongau Samstagabend im Gespräch mit SALZBURG24 erzählte, ist die Gemeinde von der Außenwelt abgeschnitten. Der Fotograf saß bis Sonntag in Großarl fest.

Die Landesstraße wurde laut Josef Prommegger, Einsatzleiter der Feuerwehr Großarl, auf einer Länge von fast zwei Kilometern von einer riesigen Mure verschüttet. Bis Sonntagmittag wurden vier Menschen per Rettungshubschrauber von Großarl in ein Spital gebracht. Unter ihnen war eine schwangere Frau wegen der bevorstehenden Geburt. Ein schwerverletzter Mann wurde aus seinem Haus gerettet, mehrere Leichtverletzte wurden von den Einsatzkräften versorgt.

Bereits am Samstagabend hat die Feuerwehr St. Johann zwei Personen aus einem von einer Mure eingeschlossenem Fahrzeug geborgen, teilte die Polizei mit.

Die L109 bleibt in beide Richtungen bis auf weiteres gesperrt.

Überflutungen in Großarl/Pressefotopongau Überflutungen in Großarl/Pressefotopongau ©

Für die an der Ein- bzw. Ausfahrt aus dem Tal gehinderten Personen wurden zwei Notlager eingerichtet: Eines bei der Volksschule Au ein Großarl, ein weiteres Notlager bei der Freiwilligen Feuerwehr in Großarl. Zudem wurde Im Feuerwehrwehrhaus Großarl ein Krisenstab zwischen Feuerwehr, Rotem Kreuz, Bergrettung, Polizei und Gemeinde eingerichtet. Die medizinische Versorgung im Tal ist durch das Rote Kreuz bzw. Dr. Toferer sichergestellt. Bei der Bergrettung wurde eine Sanitätsstation aufgebaut.

Weiters wurden in Großarl der Keller und das Erdgeschoss eines Hotels überflutet. Ein weiteres Wohnhaus stand Sonntagmittag noch unter Wasser, es ist laut Feuerwehr Großarl allerdings nicht zugänglich.

Die Feuerwehren Großarl, Hüttschlag und St. Johann bzw. Bergrettung Großarl standen im Dauereinsatz und waren mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Insgesamt wurden zehn Einsatzstellen im gesamten Gemeindegebiet abgearbeitet. Die Straßen nach Hüttschlag und Ellmau sind nach den Murenabgängen wieder frei.

Mehrere Murenabgänge hat es Samstagabend auch in Kleinarl gegeben. Dort musste die Kleinarler Landesstraße (L214) im Bereich Jägersee gesperrt werden. Die Sperre wurde am Sonntag kurz vor Mittag wieder aufgehoben. Der Tappenkaralmweg wurde bis zu zwei Meter hoch vermurt und wird die nächsten Tage auch für Fußgänger weiterhin gesperrt sein, teilte die Polizei Sonntagnachmittag mit.

Suchaktion in Flachauwinkel

Vermurt wurde auch das Gebiet der Marbachalm in Flachauwinkel (Pongau).Weil gegen 21 Uhr angezeigt worden war, dass sich in diesem Bereich mehrere Personen aufhalten, zu denen kein telefonischer Kontakt hergestellt werden konnte, starteten Kräfte des Roten Kreuzes, der Feuerwehr Flachau und der Bergrettung Flachau einen Sucheinsatz. Die Suchmannschaften mussten zirka drei Kilometer zu Fuß zu den Hütten gehen, da der Zufahrtsweg zu den bewirtschafteten Almen im Talschluss komplett mit Gestein und Geröll verschüttet war. Zwei Personen, die Sennleute der “Prechtlhütte”, und eine Person von der zum Teil verschütteten “Ennslehenhütte” konnten unverletzt vorgefunden werden. Der Zufahrtsweg in die Marbachalm wurde durch die Gemeinde Flachau bis auf weiteres gesperrt.

Die betroffene Gemeinden im Pongau: Großarl, Hüttschlag, Dorfgastein, Kleinarl, Flachau, Forstau und Untertauern

In allen Gemeinden wurden die notwendigen Vorkehrungen für die kommenden Stunden getroffen. Vorrangig beschäftigten die Einsatzkräfte die Folgen der vielen Vermurungen.

Felbertauernstraße komplett gesperrt

Im Pinzgau musste die Felbertauernstraße nach einem Murenabgang gegen 19 Uhr zwischen Mittersill und Matrei komplett gesperrt werden. Laut Polizeibericht wurden zwei der drei Fahrspuren auf einer Länge von zirka 30 Meter von der Mure verlegt. Gegen 11 Uhr war die Straße wieder passierbar. Im Einsatz auf Salzburger Seite stand die Feuerwehr Mittersill.

In Mittersill wurde am Nachmittag die Grenze von 3,9 Meter an der Salzach erreicht. Die Feuerwehr hat inzwischen routinemäßig laut Hochwasseralarmplan die ersten Hochwasserschutzmaßnahmen ergriffen. Die Vorhersagemodelle gehen aber davon aus, dass es zu keiner nachhaltigen Hochwassersituation entlang der großen Fließgewässer kommen wird, teilte das Land Salzburg in einer Aussendung mit.

Evakuierung in Kaprun

In Kaprun im Pinzgau mussten nach dem Unwetter 18 Menschen aus dem Gasthof Kesselfall evakuiert werden. Beim Kassagebäude der Kapruner Hochgebirgsstauseen wurde der gesamte Parkplatz vermurt. Der Parkplatz war teilweise rund einen Meter vermurt, berichtet die Feuerwehr Kaprun. Aufgrund der Schadenslage im Kapruner Tal wurde sofort Sirenenalarm für die Feuerwehr Kaprun ausgelöst.

„Die Zufahrt war über die Kesselfallstraße nicht mehr möglich, so mussten wir über einen Güterweg zur Einsatzstelle fahren, um die Urlauber sicher ins Zentrum zu bekommen“, so der Kapruner Ortsfeuerwehrkommandant Gerhard Lederer. Die 18 Personen, darunter auch Kinder, wurden mit den Feuerwehrmännern gemeinsam zu den Fahrzeugen begleidet und anschließend in ein Ersatzquartier gebracht.

Die Aufräumungsarbeiten des vermurten Parkplatzes übernahm die Verbund mit schweren Gerätschaften und ein Baggerunternehmen. Zusätzlich zur freiwilligen Feuerwehr Kaprun stand auch die Betriebsfeuerwehr Kaprun im Einsatz und unterstütze bei den Auspumparbeiten beim Gasthof.

Außerdem mussten alle Brücken entlang der Kapruner Ache zur Sicherheit besetzt und entsprechende Kontrollfahrten im Ortsgebiet durchgeführt werden. Im Ortsgebiet kam es jedoch zum Glück zu einem Einsatz.  Bürgermeister Manfred Gaßner war in der Nacht ebenfalls vor Ort.

In Kaprung mussten nach dem Unwetter 18 Personen evakuiert werden./FF Kaprun In Kaprun mussten nach dem Unwetter 18 Personen evakuiert werden./FF Kaprun ©

Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren

In den Seitentälern des Lungaus wurden am Sonntag Schritt für Schritt die Wege wieder frei geräumt. Im Pinzgau waren vor allem Seitentäler des Salzachtales betroffen. Die Einsatzkräfte mussten Güter- und Almwege von Geschiebe befreien.

Priorität habe das Ausräumen der verklausten Wildbachspeeren, um drohende Gefahren durch die neuerlich prognostizierten Regenfällen und Gewittern abzuwähren. Der zuständige Landesrat Josef Schwaiger hat dafür die Mittel aus dem Katastrophenfonds freigegeben, teilte das Land Salzburg in einer Aussendung am Sonntag mit. Schätzungen zur Höhe des Schadens gebe es noch nicht, sagte Franz Wieser, Pressesprecher des Landes Salzburg, Sonntagmittag auf APA-Anfrage.

Viele Feuerwehrleute seit Freitag im Einsatz

Erst Freitagabend haben in den Salzburger Gebirgsgauen schwere Unwetter zu zahlreichen kleinräumigen Überschwemmungen und Murenabgängen geführt. Die Feuerwehren wurden im Pinzgau, Pongau und Lungau zu insgesamt 72 Einsätzen gerufen (SALZBURG24 hat berichtet). 680 Feuerwehrleute waren von 19 Uhr bis nach Mitternacht im Einsatz. Noch am Samstagvormittag waren einige Feuerwehrleute mit dem Reinigen von Straßen und Entfernen von umgestürzten Bäumen beschäftigt.

Unwettereinsätze in Tirol und der Steiermark

Auch in Tirol kam es zu Überflutungen und Muren: Das Open Air der Zillertaler Schürzenjäger musste abgesagt und das Gelände geräumt werden, nachdem gegen 17.45 Uhr eine heftige Gewitterfront über den Veranstaltungsort gezogen war.

In Oberwölz (Bezirk Murau) mussten erneut Häuser evakuiert werden, Bäche traten wieder über die Ufer und Hänge rutschten ab. In Knittelfeld (Bezirk Murtal) rettete die Feuerwehr Menschen aus einem weggeschwemmten Pkw. Der Öblarner Ortskern (Bezirk Liezen) wurde überflutet. Den detaillierten Bericht zu den Einsätzen in Tirol und der Steiermark findet ihr HIER.

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