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Selbstmorde bei U-Bahnen: Neue Studie

Neue Studie zur Selbstmordgefahr bei U-Bahnen. Neue Studie zur Selbstmordgefahr bei U-Bahnen. - © apa
U-Bahnstationen mit hoher Passagierfrequenz und Plätze, in deren Nähe sich Drogensüchte treffen, sind tendenziell häufiger Schauplatz von Suiziden bzw. Suizidversuchen als andere Stellen im Wiener U-Bahnnetz. Experten fordernvor allem Medien dazu auf, in ihrer Berichterstattung sensibel vorzugehen.

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Eine neue Studie zu dem Thema führten Thomas Niederkrotenthaler (Zentrum für Public Health/MedUni Wien) und Co-Autoren durch. In der Studie wurden 185 Selbstmorde und 107 Versuche analysiert. 

Die Fachleute untersuchten suizidale Ereignisse im Wiener U-Bahnnetz zwischen 1979 und 2009. Es waren insgesamt 292. Der Anteil dieser Fälle an den Suiziden in Wien ist gering. Im Beobachtungszeitraum wurden in der Bundeshauptstadt 10.319 Selbsttötungen registriert. Die Versuche lassen sich in einem so großen Kollektiv wie in der Wiener Bevölkerung nicht genau quantifizieren. Doch jede wirksame Suizidprävention sollte in Österreich hohe Priorität genießen: Trotz seit Jahren fallender Zahlen sterben in der Alpenrepublik pro Jahr noch immer doppelt so viele Menschen durch Selbsttötung wie im Straßenverkehr.

Selbstmord: Gefahrenpotenzial bei U-Bahnen

Die größte Variabilität gab es offenbar bei den auf der jeweiligen Strecke verwendeten U-Bahngarnituren. Bei den stärkeren und potenziell schnelleren alten “Silberpfeilen” (bis zu 80 Stundenkilometer schnell) wurden 76,2 Prozent der Fälle registriert, bei Straßenbahn-ähnlichen Garnituren 23,8 Prozent. Auch nach Korrektur für verschiedene Begleitumstände war die Differenz statistisch signifikant.

Eine Tendenz zu weniger Suiziden bzw. Suizidversuchen wurde bei U-Bahnstationen registriert, die unterirdisch liegen. Eventuell weil diese besser kontrolliert werden können. Das war aber in der Endauswertung statistisch nicht signifikant. Das gleiche galt für die Nähe einer Haltestelle zu Treffpunkten von Drogenabhängigen. Allerdings dürften tendenziell mehr Suizidversuche mit solchen Lokalitäten in Verbindung zu bringen sein, ebenso könnten stark frequentierte U-Bahnstationen eher betroffen sein.

Warum die “Silberpfeile” häufiger betroffen sind, was Suizide bzw. Suizidversuche angeht, ist nicht ganz klar. An der Stromversorgung dieses Typs liegt es nicht. Wie der Erstautor der Studie gegenüber der APA betonte, wurde bei den Wiener Linien auch darauf hingewiesen, dass ein Geschwindigkeit beim Einfahren von U-Bahngarnituren in Stationen jeweils gleich sei.

“Nachahmungseffekt” nicht unterschätzen

Basierend auf den Studienergebnissen erscheinen insbesondere Stationen mit hoher Passagierfrequenz und jene, wo sich Drogenkranke aufhalten, als wichtige Ziele für Prävention. Einen deutlichen und nachhaltigen präventiven Effekt, der damals auch in der medizinischen Fachzeitschrift “New England Journal of Medicine” publiziert wurde, hatte vor fast 25 Jahren der Aufruf von Wiener Experten an die Medien, mit der Berichterstattung über Selbsttötungen in der U-Bahn am besten aufzuhören: Die Zahl der Suizide sank daraufhin um 80 Prozent und blieb seither niedrig.

Mitte Dezember vergangenen Jahres organisierten die Wiener Linien gemeinsam mit dem Wiener Kriseninterventionszentrum und dem Presserat eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Medienberichterstattung und Suizide. Dabei wurde auch mit Hinblick auf negative Beispiele aus Deutschland erneut darauf hingewiesen, dass eine reißerische Berichterstattung leicht einen “Werther”-Nachahmeeffekt auslösen kann.

(APA)



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