Selbstmordversuche unter verängstigten Kindern in Aleppo

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Ihnen bleibt eine normale Kindheit verwehrt
Ihnen bleibt eine normale Kindheit verwehrt - © APA (AFP/Archiv)
Viele Kinder in der syrischen Stadt Aleppo leiden unter Depressionen, manche sind selbstmordgefährdet. “Ein Junge, der sich das Leben nehmen wollte, war erst zwölf Jahre alt”, sagte die Nothilfe-Koordinatorin der SOS-Kinderdörfer in Syrien, Katarina Ebel, der “Passauer Neuen Presse”. Nach Angaben der UNO wurden seit Beginn der jüngsten Offensive 500 Menschen getötet, ein Viertel davon waren Kinder.

Bisher habe man es “noch immer verhindern können, dass sich die Kinder selbst töteten”. Die Kinder würden lernen, was sie zu tun hätten, wenn sie den Pfeifton einer anfliegenden Rakete hören, schilderte Ebel: “Sie schmeißen sich auf den Boden, machen den Mund auf, halten sich Ohren und Augen zu.” Aber täglich gebe es Kinder, die sagen: “Lieber sterbe ich, als das noch länger mitzumachen.” Die tiefe Verzweiflung treibe sie zur Aggression gegen sich selbst und andere. “Viele schlafen auch nicht mehr oder haben Albträume und sind dann tagsüber vollkommen erschöpft.”

Kinder mit schweren Traumata

SOS-Kinderdörfer habe in jeder Einrichtung in Syrien Psychologen und Sozialarbeiter, “die einzeln mit den Kindern reden, versuchen, an die Traumata heranzukommen, den Kindern Vertrauen zurückzugeben”, erzählt Ebel. “Manchmal gelingt es einfach nicht, weil die Erlebnisse zu extrem sind. Wenn ein Kind gesehen hat, wie seine Eltern umgekommen sind, unter Trümmern begraben wurden, das Zuhause verloren ist, dann ist das Sicherheitsgefühl oft für lange Zeit verloren.”

Viertel der Todesopfer seien Kinder

Seit Beginn der Offensive auf Aleppo sind nach Angaben von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon fast 500 Menschen getötet worden. Die am 22. September begonnenen Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seien die schwersten in dem mehr als fünfjährigen Krieg, sagte Ban bei einer Sondersitzung der UNO-Generalversammlung am Donnerstag in New York. Das Ergebnis sei “entsetzlich”. Mehr als ein Viertel der Todesopfer seien Kinder. Seit Anfang Juli habe kein Hilfskonvoi der UNO mehr die Stadt erreicht, Essensrationen würden bis Ende des Monats ausgehen, warnte Ban. Hunger werde als Kriegswaffe eingesetzt.

Ban fordert “vollen humanitären Zugang”

Der UNO-Generalsekretär erinnerte mahnend an Katastrophen wie in Srebrenica und Ruanda. “Wann wird sich die internationale Gemeinschaft endlich zusammentun, um dieses Gemetzel zu beenden?” Ban forderte “vollen humanitären Zugang” zum Ostteil der syrischen Stadt. 72 Länder unter der Führung Kanadas hatten die Sondersitzung beantragt, um die Blockade im UNO-Sicherheitsrat zu lösen.

Der russische UNO-Botschafter Vitali Tschurkin reagierte “verblüfft”. Ban und weitere Redner hätten nicht “mit einem Wort über terroristische Organisationen” gesprochen, “als ob das Desaster in Syrien wie der Hurrikan sei, der Haiti getroffen hat”.

(APA/dpa)

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