Seltener Vollmond über Salzburg: Zehn Mythen rund um unseren nächsten Nachbarn

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Werden wir vom Mond beeinflusst? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister.
Werden wir vom Mond beeinflusst? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. - © APA/Robert Jaeger
Um exakt 14.52 ist Vollmond. Dabei ist uns der Mond so nahe wie nur ganz selten und erscheint uns um 14 Prozent größer und 30 Prozent heller als bei einem normalen Vollmond. Um den Mond ranken sich zahlreiche Mythen und Sagen. Wie wirkt sich der Super-Vollmond auf uns aus?

Durchaus Einfluss hat die Erdnähe des Mondes auf die Gezeiten. “Je näher der Mond an der Erde ist, desto höher ist die Gravitationskraft. Das kann zu höheren Springfluten führen”, erläutert Guido Thimm, wissenschaftlicher Geschäftsführer am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg. Gravierende Auswirkungen werde es aber nicht geben, ist sich der Wissenschaftler sicher.

Zahlreiche andere Mythen sind wissenschaftlich zwar mehr oder weniger widerlegt, dennoch sind viele von uns von der Kraft des Mondes überzeugt. Hier die zehn bekanntesten Mond-Einflüsse.

1. Vollmond bringt Schlafstörungen

Vollmond – viele glauben, dass sie bei Vollmond nicht schlafen können. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat mit diesem Mythos aufgeräumt. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen konnten die Wissenschafter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München keinen Zusammenhang zwischen dem Schlaf und den Mondphasen finden. Für die Untersuchung analysierten die Forscher Datensätze über den Schlaf von insgesamt 1.265 Teilnehmern aus 2.097 Nächten.

ABER: Andere Studien mit weniger Teilnehmern hatten einen Einfluss des Mondes gesehen. So zum Beispiel die Forscher der Uni Basel. Sie stellten 2013 tatsächlich fest, dass die Tiefschlafphasen bei Vollmond um 30 Prozent verkürzt waren. Kritiker bemängeln allerdings, dass dies auch an der fremden Umgebung des Schlaflabors gelegen haben könnte. Ganz widerlegt ist der Mondeinfluss auf den Schlag also nicht.

2. Überdurchschnittlich viele Geburten bei Vollmond

Hat der Mond Einfluss auf die Geburtenrate? Dieser Fragen sind in der Vergangenheit eine Reihe von Untersuchungen – auch aus dem parawissenschaftlichen Bereich nachgegangen. Unter anderem wurde das auch in Österreich untersucht und 2,76 Millionen Geburten in einem Zeitraum von 1970 bis 1999 – das sind 371 Mondzyklen – gemessen. Das Ergebnis: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Mondphase und Geburtenhäufigkeit.

3. Aggressionen

Die weitläufige These, dass bei Vollmond Gewalttaten ansteigen und psychisch labile Menschen während dieser Mondphase auffallend häufig zu Aggressionen neigen, ist in mehreren Studien widerlegt. In Florida jedoch wurden vermehrt Gewaltdelikte zur Vollmondzeit registriert.

4. Angstzustände und Depression

Viele glauben, dass die Mondphasen Einfluss auf die Stimmung der Menschen hat bzw. dass Vollmond Angstzustände oder auch Depressionen auslöst. Diese Annahme konnte im Bereich der Psychiatrie klar widerlegt werden. Angstzustände und Depressionen werden nicht vom Mond beeinflusst.

5. Mehr Arbeitsunfälle

Dem Mythos, dass sich zu Vollmond Unfälle häufen, haben zwei Physiker schon 2007 auf den Zahn gefühlt. Nach der Auswertung von rund 500.000 Arbeitsunfällen steht fest: Alles Humbug. “Was den Mond angeht, wird immer wieder alles Mögliche behauptet, daher sind wir der Sache einmal nachgegangen”, erklärte dazu Physiker und Astronom Robert Seeberger.

6. Mehr Autounfälle

Bei einer großangelegten Untersuchung von rund einer Viertelmillion Sachschäden und mehr als 50.000 Personenschäden bei Autounfällen wurden kein Zusammenhang mit dem Mondzyklus festgestellt. Deutlich wurde aber eine jahreszeitliche und kalendarische Häufung.

7. Der Mond und das Wetter

Sehr hartnäckig hält sich die Annahme, dass sich mit dem Mondwechsel (Neumond/Vollmond) auch das Wetter ändern. Einen Zusammenhang zwischen Mond und Wetter kann die Wissenschaft aber nicht finden. Für den Wetterwechsel sind Hoch-  und Tiefdruckgebiete verantwortlich. Wetterphänomene die über die Gezeiten indirekt mit dem Mond zusammenhängen – wie etwa wenn starke Gezeitenströme zu Wind werden – gibt es.

8. Zahl der Selbstmorde nimmt zu

Bei Vollmond würden sich mehr Menschen das Leben nehmen – auch ein Gerücht, das sich seit jeher hartnäckig in den Köpfen der Menschen hält. Aber auch dieser Mythos wurde durch eine Reihe von Untersuchungen widerlegt. So zeigte beispielsweise eine US-Kalifornische Untersuchung, bei der über 4.000 Selbstmorde in einem Zeitraum von 58 Jahren analysiert wurden, keinen Einfluss des Mondes.

9. Operationen

Viele Patienten wollen nur bei einer bestimmten Mondphase operiert werden. Sie glauben, das Risiko für Komplikationen sei dann geringer. Wie immer wieder in Mondbüchern zu lesen ist, soll dabei der Vollmondtag die negativsten Auswirkungen haben. Stimmt nicht, sagt die Grazer Uni-Klinik. Auch eine Studie an 782 Patienten in Bayern bestätigt: Der Mond ist für den Operationserfolg irrelevant.

10. Mondholz

Viele schwören bei abnehmendem Mond werde das bessere Holz geschlagen. Doch auch diese Annahme stimmt nicht, sagt die Wissenschaft.

Und weil bald Weihnachten ist: Die Mondphase beim Schlagen von Weihnachtsbäumen hat entgegen einiger Volksweisheiten keinen Einfluss auf das Nadelverhalten der Bäume. Egal in welcher Mondphase Christbäume geschlagen werden – sie nadeln alle gleich schnell.

 

 

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