Sexualisierte Gewalt im Sport: Diese Vorkehrungen trifft Salzburg

Bartl Gensbichler und Martina Berthold im Gespräch.
Bartl Gensbichler und Martina Berthold im Gespräch. - © Land Salzburg/Penetzdorfer Philipp
Nach den Gewalt- und Vergewaltigungsvorwürfen von der ehemaligen Skirennläuferin Nicola Werdenigg (geborene Spieß) gegen Trainer, Betreuer, Kollegen und Serviceleute, nimmt man das Thema auch bei Salzburger Skiverband (SLSV) sehr ernst. Das Land Salzburg verweist indes auf bereits laufende Projekte

Die zuständige Landesrätin Martina Berthold (Grüne) und SLSV-Präsident Bartl Gensbichler tauschten sich am Donnerstag zu den jüngsten Vorfällen sexueller Übergriffe im Skiport aus. Berthold und Gensbichler waren sich einig: Prävention muss stärker ausgebaut werden und Betroffene sollen noch mehr ermutigen werden, sich an vertrauliche Stellen zu wenden.

“Das Land Salzburg ist das Thema der Präventionsarbeit im Vereinssport schon in den vergangenen Jahren aktiv angegangen. Es gilt hier weiter dran zu bleiben und die Maßnahmen auszubauen”, betont Gensbichler am Freitag in einer gemeinsamen Aussendung. Sport- und Frauenreferentin Landesrätin Martina Berthold bestärkt: “Der Schritt von Nicola Werdenig an die Öffentlichkeit war wichtig. Er zeigt anderen betroffenen Sportlerinnen, dass sie nicht alleine sind mit ihrem Leid. Reden wir offen darüber, wie wir sexuelle Übergriffe in Zukunft besser verhindern können und setzen wir die richtigen Maßnahmen”.

Fall Werdenigg brachte Debatte ins Rollen

Die ehemalige Skirennläuferin hatte vor eineinhalb Wochen schwere Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mannschaftskollegen und den österreichischen Skiverband (ÖSV) erhoben. Die Olympia-Abfahrtsvierte von 1976 erzählte von weitverbreiteter “sexualisierter Gewalt” im österreichischen Skisport der Siebzigerjahre. Als Täter erwähnte sie “Trainer, Betreuer, Kollegen und Serviceleute”. Sie selbst sei als 16-Jährige von einem Teamkollegen vergewaltigt worden.

ÖSV-Präsident Peter Schröcknsadel hatte Werdenigg daraufhin aufgefordert, Namen zu nennen, weil sie auch von einem ihr bekannten Missbrauchs-Fall aus dem Jahr 2005 sprach, von dem die ÖSV-Führung gewusst haben soll. “Wer, was, wann, wie & wo beantworte ich am 5.12. der Staatsanwaltschaft”, entgegnete die frühere Sportlerin auf Twitter.

Salzburg ist bereits seit 2014 aktiv

Das Land Salzburg startete diesbezüglich im Jahr 2014 die Initiative “Signale Erkennen – Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport”. Diese setzt auf eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema. Trainerinnen, Trainer, Sportlerinnen und Sportler wurden aufgerufen, aufeinander zu achten. Präventive Maßnahmen wurden in Workshops unter anderem mit der Sportpsychologin Chris Karl erarbeitet. Ebenfalls erarbeitet wurde ein “Ethikkodex” für ein respektvolles Miteinander. Trainerinnen und Trainern wird darin beispielsweise vermittelt, wie man mit dem “6-Augenprinzip” in Garderobenräumen unangenehme Situationen vermeiden kann.

Gewaltschutzzentrum und Kinderschutzzentrum als Kontakte

“Sport bringt Menschen zusammen und bereitet jungen Menschen Freude. Wo enge Beziehung, großes Vertrauen und starke Abhängigkeit sind, besteht auch die Gefahr, dass Grenzen überschritten werden und Macht missbraucht wird”, betont Berthold. In Salzburg ist das Gewaltschutzzentrum unter der Telefonnummer 0662/870 100 oder online unter www.gewaltschutzzentrum.at ein kompetenter Ansprechpartner für betroffene Frauen. Das Kinderschutzzentrum Salzburg bietet ebenfalls vertrauliche Beratung an unter 0662/44 911 oder per Mail: beratung@kinderschutzzentrum.at.

Weitere Maßnahmen in Salzburger Sportvereinen

Aktuell verstärkt das Land Salzburg gemeinsam mit dem SLSV wie auch allen weiteren Salzburger Sportverbänden die Unterstützung für die mehr als 1.000 Salzburger Vereine. In den kommenden Wochen erhalten alle Sportvereine und Verbände Hilfestellungen für die sportliche Präventionsarbeit und Informationen zu allen Beratungsstellen, an die sich betroffene Sportlerinnen und Sportler wenden können.

Für Landtagsabgeordnete Niki Solarz (SPÖ) sind diese Maßnahmen nicht ausreichend. Sie fordert “eine wissenschaftliche Studie dazu. Um sinnvolle Maßnahmen zu setzen, brauchen wir eine solide Basis an Informationen. Gehen wir in Salzburg voran, beschaffen wir uns valide Zahlen, Daten und Fakten und versuchen wir so, sexuelle Übergriffe im Sport zu vermeiden”. Zur Untermauerung ihrer Forderung zieht sie Ergebnisse des deutschen Forschungsprojekts “Safe Sport” heran. Demnach sei etwa ein Drittel der Sportler schon einmal Opfer sexueller Gewalt geworden.

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