Ski: Alles hofft auf Wengen-Abfahrt – Reichelt könnte Rekord schaffen

Hannes Reichelt hält sich mit seinen Erwartungen zurück.
Hannes Reichelt hält sich mit seinen Erwartungen zurück. - © AFP/Andrea Solero/Archiv
Die Abfahrer brauchen dringend Rennen, alles hofft auf die Durchführung des Ski-Klassikers am Samstag auf dem Lauberhorn (12.30 Uhr). An einen Ausfall will bei erst zwei absolvierten Weltcup-Bewerben niemand denken. Die Österreicher Matthias Mayer, Max Franz und Hannes Reichelt zählen in Wengen zu den Mitfavoriten, mit Aksel Lund Svindal ist der Führende in der Disziplinwertung angeschlagen.

Für die Speed-Piloten gestaltet sich der Winter zäh. Nach dem Ausfall der Lake-Louise-Rennen und der Verlegung des Beaver-Creek-Bewerbs nach Val d’Isere fand danach nur noch die Gröden-Abfahrt statt. Jene in Santa Caterina musste wegen starken Windes abgesagt werden, sie wird zum Ärger der Athleten auch nicht nachgeholt. Somit hält man bei zwei statt vier Saisonrennen, und vor der WM folgen nur noch Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen.

“Hoffen, dass es eine Abfahrt gibt”

“Jetzt sind wir mal positiv und hoffen, dass es eine Abfahrt gibt. Es ist schade, dass wir erst zwei haben. Ich weiß nicht, was die FIS macht, wenn noch eine abgesagt wird”, sagte ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher angesichts der Schneefall-Vorhersage. Nach dem Santa-Caterina-Ausfall wollte die FIS keine zusätzliche Abfahrt in Wengen ansetzen, weil man die Athleten mit vier Rennen in vier Tagen nicht überbelasten will. Ob diese Entscheidung gegebenenfalls bei einer Wengen-Absage für die Kitzbühel-Woche überdacht wird, bleibt abzuwarten.

In den bisherigen zwei Saisonabfahrten schafften es fünf Läufer auf das Podest. Der Norweger Kjetil Jansrud gewann in Val d’Isere vor dem Südtiroler Peter Fill und Svindal. In Gröden siegte Franz vor Svindal und dem US-Amerikaner Steven Nyman. Bei Svindal fahren nach der schweren Knieverletzung aber die Schmerzen mit. Training ist kaum möglich, der Norweger konzentriert sich nach der unfreiwilligen Pause zuletzt voll auf die Rennen.

Letzte Wengen-Absage 2004

2004 musste zum bisher letzten Mal eine Abfahrt in Wengen abgesagt werden, damals wegen heftiger Schneefälle. In den vergangenen zwölf Auflagen schaffte es 2007 bis 2010 kein ÖSV-Läufer auf das Podest, 2009 setzte es eine historische Schlappe, als Bester kam Georg Streitberger auf Rang 18.

Reichelt triumphierte 2015

2011 sorgte Klaus Kröll mit seinem Sieg für die Trendwende auf dem Lauberhorn, 2015 triumphierte Reichelt, der nun fünf Mal in Folge auf dem Podest stand. Bei einem sechsten Mal wäre er neuer alleiniger Rekordhalter. Im Vorjahr kam er hinter Svindal und vor Kröll auf Platz zwei. Bei einem neuerlichen Sieg Svindals wäre dieser der Erste seit Bode Miller 2007 und 2008, der zweimal in Folge diesen Klassiker für sich entscheiden konnte. Da wollen aber sowohl die Hauherren mit den in den Trainings so starken Beat Feuz, Carlo Janka und Patrick Küng dagegenhalten, als auch die ÖSV-Stars.

“Ich komme natürlich sehr gerne hierher. Mir taugt alles hier. Wenn das Wetter passt, ist es ein Traumpanorama. Auch das Zugfahren ist speziell, da muss man schauen, dass man keinen verpasst”, sagte der Salzburger Reichelt. Die Rennläufer müssen in der Früh mit der Bahn fahren, um zur Rennstrecke zu kommen. Und hoffentlich gehe es am Samstag bis zum Originalstart hoch, denn “das ist normalerweise meine Stärke”, will Reichelt ein Rennen über die gesamte Distanz von 4.480 m.

Reichelt mit Problemen bei der Abfahrt

Mit seinen Erwartungen hält er sich zurück, in den bisherigen Saison-Abfahrten wurde er 24. und 17., in den Super-G 18., 9. und Zweiter. “In der Abfahrt tue ich mir einfach schwerer im Moment als im Super-G, das haben auch die Ergebnisse gezeigt. Weil ich einfach mehr Super-G trainiert habe, Abfahrt kannst nicht immer trainieren”, erklärte der 36-Jährige, der noch etwas daran tüftelte, warum es nicht so gut läuft. “Also lassen wir die Kirche lieber im Dorf und erwarten uns nicht zu viel. Aber das kann schnell gehen, kann zack machen und dann läuft das Radl.”

Das läuft definitiv für den Kärntner Franz, der nach seinem Gröden-Premierenerfolg im Weltcup in den Wengen-Trainings als Zweiter und Dritter zeigte, dass er mit dem Lauberhorn gut zurecht kommt. Er hofft auf eine faires Rennen, sagte deshalb: “Die Absage in Santa Caterina war richtig, der Wind war ein Wahnsinn. Es wäre nur unfair gewesen. Und unfaire Sachen brauchen wir nicht.” Eine Wengen-Abfahrt sei fast schon ein Muss. “Warten und hoffen, dass wir dann ein cooles Rennen runterbringen, wäre schade wenn nicht.”

Mayer will bei den Klassikern loslegen

Das findet auch Mayer, der bei den Klassikern in Wengen, Kitzbühel und Garmisch loslegen will. “Ich denke, ich bin bereit, ich habe ganz gut trainiert und wieder reingefunden. Ich werde natürlich probieren, den nächsten Schritt zu machen, dann kann ich vorne mitfahren. Es geht darum, noch sicherer zu werden und noch mehr zu attackieren.” Dies gelang schon im zweiten (verkürzten) Training, als er Bestzeit markierte. “Genauso will ich die Abfahrt fahren”, nahm sich der 26-Jährige vor.

Mayer hatte sich im Dezember 2015 in Gröden bei einem Sturz komplizierte Brüche in der Brustwirbelsäule zugezogen, zeigte dort aber vor einem Monat schon mit Abfahrtrainingsbestzeit auf, im Super-G wurde er Vierter. “Ich habe mir am Anfang der Saison schon schwergetan. Ich bin froh, dass das erste Drittel vorbei und eigentlich ganz gut ausgegangen ist. Ich fühle mich bereit, gescheit anzugasen.”

Eine Sektion der Wengen-Abfahrt wurde verändert: Um das Tempo beim Hannegg-Schuss einzudämmen wurde sehr zum Leidwesen der Fahrer dort ein Sprung eingebaut.

(APA)

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