Ski-Hoffnung Slaven Dujakovic im Sonntags-Talk: “Ich kämpfe weiter!”

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Slaven Dujakovic, eine Pinzgauer Ski-Hoffnung mit bosnischen Wurzeln
Slaven Dujakovic, eine Pinzgauer Ski-Hoffnung mit bosnischen Wurzeln - © EXPA/ JFK
Slaven Dujakovic will im alpinen Skizirkus endlich richtig durchstarten. Der Sohn einer bosnischen Zuwandererfamilie wurde im Pinzgau geboren, lebt in Viehhofen und spricht im Sonntags-Talk über den steinigen Weg in Richtung ÖSV-Kader, Gründe zum Aufhören und die gefährliche Entwicklung im Skisport.




Als Spross einer Zuwandererfamilie war Dujakovic nach Erfolgen bei der Junioren-WM und im Europacup der erste Athlet im ÖSV-Aufgebot mit Migrationshintergrund. Für die Saison 2017/18 wurde der 22-Jährige aus für ihn unerklärlichen Gründen aus dem C-Kader gestrichen. Der 1,87 Meter große Modellathlet ist in den Speed-Disziplinen beheimatet und attackiert ab kommenden Winter wieder im Europacup. Dujakovics großes Ziel ist weiterhin der Start im alpinen Weltcup.

SALZBURG24: Auch wenn du mittlerweile nicht mehr im ÖSV-Aufgebot stehst, siehst du dich als Pionier im österreichischen Skisport?

SLAVEN DUJAKOVIC: Es ist allgemein ein harter Weg in den Skizirkus und Multikulti scheint noch nicht überall in Österreich angekommen zu sein. Es dauert sicher noch ein paar Jahre bis auch Profi-Skifahrer mit Migrationshintergrund allgegenwärtig sind. Im Fußball ist es doch auch nicht anders. Am Ende zählt nur wie man tickt. Ich bin in Österreich geboren und fühle mich auch so.

Hast du jemals Erfahrungen mit Ausländerfeindlichkeit gemacht?

Nein, das habe ich nie mitgekriegt.

Was war der offizielle Grund dafür, dass du nicht mehr im ÖSV-Aufgebot stehst?

Der Cheftrainer hat mir gesagt, ich hätte aus technischer Sicht kein Potenzial und er sieht mich nicht im Weltcup. Das war wie ein Tiefschlag und ist für mich immer noch nicht ganz nachvollziehbar. Ich muss es aber akzeptieren. In meinem Jahrgang bin ich in Österreich auf Platz 1, seit zwei Jahren fahre ich recht erfolgreich im Europacup. Auf der Streif kam ich heuer in die Punkte. Ich weiß was ich kann und versuche weiterhin über den Kontinentalbewerb auf mich aufmerksam zu machen.

Die heurigen Staatsmeisterschaften liefen ja nicht so berauschend für dich.

Stimmt, das hatte mehrere Gründe. Viele verstehen meine Entscheidung, dass ich weiter hartnäckig an meinem Traum arbeite. Darunter übrigens auch Bartl Gensbichler, Präsident des Salzburger Skiverbands.

Im Alter von 13 Jahren hast du dich gegen den Fußball und für den Skisport entschieden. Wie kam es dazu?

Das war gar nicht so leicht, denn ich brenne für beide Sportarten. Ich habe in der Schule und Jugend viele Erfolge im Skisport feiern können und sehe mich als Einzelkämpfer dort besser aufgehoben.

Was schätzt du am Leben in einer kleinen Gemeinde im Pinzgau? Wie kam es überhaupt dazu?

 Meine Eltern sind aus Bosnien-Herzegowina nach Österreich geflohen und ich wurde 1995 in Zell am See geboren. In Viehhofen wohne ich gemeinsam mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester in einer neuen Siedlung. Ich bin sehr froh darüber da aufgewachsen zu sein, denn jeder kennt jeden und die Berge sind einfach traumhaft schön.

Wer sind deine wichtigsten Förderer?

Das sind klar meine Eltern und die Gemeinde Viehhofen sowie einige Firmen aus dem Dorf. Der Sport wird immer teurer und als Nachwuchsathlet findet man Sponsoren nur schwierig. Mein Vater arbeitet als Eisenbieger im Betonwerk und meine Mutter ist dort Reinigungskraft. Wir haben keinerlei Kontakte im Sport bzw. in der Wirtschaft und mussten alles selber organisieren – das hat mich persönlich weitergebracht. Je mehr Aufwand du betreibst, desto mehr Geld musst du auch dafür ausgeben. Ich weiß gar nicht, wie oft mir schon geraten wurde einfach alles hinzuschmeißen (lacht). Der ÖSV hat mich finanziell sehr entlastet, das fehlt jetzt natürlich. Seit gut zwei Jahren habe ich mir mit panacon aber auch professionelle Unterstützung gesucht, damit ich mich mehr auf den Sport konzentrieren kann.

Und denkst du ans Aufhören?

Sicher nicht. Ich kämpfe weiter!

Wie verdienst du jetzt Geld?

Ich habe eine Berufsausbildung an der Skihotelfachschule Bad Gastein absolviert und im Frühjahr in einem Restaurant eines Freundes in Zell am See ausgeholfen. Für eine Ski-Saison muss man knapp 15.000 bis 20.000 Euro aufbringen. Die Raiffeisen Bank und Fischer sind derzeit meine Sponsoren bzw. Ausrüster und ich bin ihnen dafür sehr dankbar.

Ist es ein Problem, dass der Skisport immer teurer wird?

Es ist lässig für Wohlhabende, das immer mehr gebaut wird und Skigebiete noch größer werden. Die große Gefahr ist, dass nur mehr diejenigen Ski fahren gehen, die es sich leisten können und Talente dadurch weniger Förderungen bekommen. Tageskarten kosten mittlerweile über 50 Euro, besonders für Familien ist das brutal. Glücklicherweise gibt es dennoch einige Jugendangebote, beispielsweise in den Sommerferien.

Wie bewertest du generell die Entwicklung des Skisports?

Alles wird moderner, größer und spektakulärer. Die rasante Entwicklung darf nicht auf dem Rücken der Athleten ausgetragen werden. Ich sehe die Gefahr, dass Sportler immer größere Risiken für mehr Sensation und Action für die Zuschauer auf sich nehmen.

Wie sieht dein Austausch mit anderen ÖSV-Athleten aus und wer wird überhaupt einmal Marcel Hirscher beerben?

Beim ÖSV habe ich viele Freunde, der engste ist mein ehemaliger Zimmerkollege Sebastian Arzt.

Besser als Marcel geht es nicht. Er fasziniert mich durch seine unglaubliche Konstanz über die ganzen Jahre hinweg. Es ist Wahnsinn, wie er dem ganzen Druck standhält. Marcel hat jetzt schon Legendenstatus.

Welche Tipps kannst du Nachwuchs-Skifahrern geben?

Auf normalen Schulen ist es schwierig sich im Skisport weiterzuentwickeln. Ich empfehle immer eine spezielle Skischule oder Kooperationen zwischen Leistungszentren und normalen Schulen. Man darf sich auch nicht ausschließlich auf den Sport versteifen, denn es ist genauso wichtig mal mit den Freunden fortzugehen. Die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Lockerheit ist entscheidend, finde ich. Der Skizirkus ist knallhartes Business. Man muss immer dran bleiben und sich durchbeißen.

Was steht im Sommer bei dir an?

Ich arbeite an meiner Kondition und gebe richtig Gas. Meine Technik will ich weiterentwickeln: gut gleiten kann ich, in den Kurven gibt es aber noch Verbesserungsbedarf. Im Europacup will ich am Saisonende in den Top-15 landen.

Wie sieht dein Workout aus?

Vom Kraft- über Ausdauer bis zum Koordinationstraining ist beim Outdoor-Training oder im Fitnessstudio alles mit dabei. Im Fokus stehen in diesem Sommer vor allem Schnelligkeit und koordinative Kraftübungen.

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Ein Beitrag geteilt von Slaven Dujakovic (@slaven__dujakovic) am

Danke für deine Zeit, Slaven. Zum Abschluss würde ich dir gern noch ein paar lockere Fragen stellen.

Los geht’s.

Was hörst du für Musik?

Keine spezielle, ich bin ein klassischer Radiohörer.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen?

(überlegt) Sleepless – kann ich empfehlen.

Wie schaltest du vom Skizirkus ab?

Beim Tennis, Fußball und Schwimmen. Außerdem gehe ich gern auf kurze, aber knackige Wanderungen in die Berge.

Was sind deine kulinarischen Sünden?

Apfelstrudel und Palatschinken (lacht)

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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