“Sklaven für Krieg und Fortschritt” in Salzburg

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Bilder aus dem Salzburger Arbeitslager-Alltag hinterlassen ein beklemmendes Bild.
Bilder aus dem Salzburger Arbeitslager-Alltag hinterlassen ein beklemmendes Bild. - © Str/EPA/APA
Salzburg hat eine schwere Vergangenheit in Bezug auf NS-Arbeitslager. Tausende Osteuropäischer wurden einst im Bundesland zur Zwangsarbeit verdonnert. Eine Ausstellung arbeitet die Zeit auf und hinterlässt ein beklemmendes Gefühl.

“Sklaven für Krieg und Fortschritt”, das ist der Titel einer Ausstellung, in der sich das Salzburger Landesarchiv mit dem Thema Zwangsarbeit und Kraftwerksbau in Salzburg in den Jahren 1939 bis 1945 auseinandersetzt. Ab 22. Oktober ist diese umfangreiche Schau geöffnet, zu sehen sein werden Fotos, Texte und Requisiten des Lager-Alltags der Baustellen Kaprun und Weißsee-Uttendorf.

Baracken nachgebaut

“Ursprünglich hatten wir eine viel kleinere Ausstellung geplant”, sagte Oskar Dohle, Direktor des Landesarchivs, im APA-Gespräch. “Aber als uns der bekannte Gletscherforscher Heinz Slupetzky ein gefundenes Stück Stacheldraht geschenkt hat, das vom Außenlager des KZ Dachau in Uttendorf stammt, war für uns klar, dass wir uns eingehend und tief greifend mit dem Thema zu beschäftigen haben.” Daher wurde das Foyer des Landesarchivs zum aufwendig gestalteten Ausstellungsraum umgestaltet, in dem sogar Baracken für die zwölf bis 80 Jahre alten Zwangsarbeiter nachgebaut werden sollen.

“Leid muss Gesicht bekommen”

“Das Leid muss ein Gesicht bekommen”, erläuterte Dohle. “Immerhin, die Wehrmacht hat in Osteuropa ganze Dörfer kassiert und zur Sklavenarbeit auch nach Salzburg geschickt. Daher ist es wichtig, diesen rund 2.500 Menschen ihren Platz zu geben. Auch die Schilderungen dieser Schicksale von Nachgeborenen aus wesentlich späteren Entschädigungsprozessen sowie die erkennungsdienstlichen Karteikarten aus dem NS-Verwaltungszentrum in St. Johann im Pongau werden gezeigt.” Die Ausstellungsarchitekten haben die Fotos zum Teil extrem vergrößert und rund um den in Plexiglas gesicherten Original-Stacheldraht gruppiert. “Stacheldraht spielt in dieser Ausstellung überhaupt eine zentrale Rolle”, so Oskar Dohle, “wir haben Stacheldraht aus Gummi beschafft, der den Betrachter permanent einhüllen wird.”

Es geht um Gefühle der Besucher

Auch Kuratorin Gerda Dohle appelliert an die Gefühle der Besucher: “Uns geht es darum, ein beklemmendes Zeugnis dafür zu geben, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen unter schwierigsten klimatischen Bedingungen im Hochgebirge unmenschlich und oftmals tödlich waren und dass hinter jedem dieser Sklaven für den Fortschritt auf den Großbaustellen in den Salzburger Alpen ein ganz individuelles Schicksal steht.”

“Sklaven für Krieg und Fortschritt” ist Ergänzung zur deutlich kleineren Arge-Alp Wanderausstellung “Alpen unter Strom” / “L’energia delle Alpi”, die seit Herbst 2013 in Archiven in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz zu sehen ist und in Salzburg bis Weihnachten 2014 offen bleibt. “Sklaven für Krieg und Fortschritt” ist bis Ende April 2015 geöffnet. Der Eintritt in beide Ausstellungen ist gratis. Zudem ist eine wissenschaftliche Begleitbroschüre erschienen, die sich vor allem als Quellennachweis versteht.

(S E R V I C E – “Sklaven für Krieg und Fortschritt” – Ausstellung im Salzburger Landesarchiv, Michael-Pacher-Straße 40,, 0662 / 8042-4527. Die Öffnungszeiten: Mo, Di und Do von 08.30 bis 12.00 und 13.00 bis 16.00 sowie Mi und Fr von 13.00 bis 16.00 Uhr)

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