Der Direktor des Salzburger Landestheaters wurde am Montag entlassen. - © Neumayr/Archiv
Dem Mann wurde vorgeworfen, Mitarbeiterinnen mit anzüglichen SMS sexuell belästigt zu haben. Nach einem Bericht zweier Expertinnen sind nun offenbar eine Reihe weiterer Verfehlungen hinzugestoßen. Die Entlassung wurde dem Mann unmittelbar nach der Sitzung persönlich mitgeteilt.
Der Manager war am 5. Juli 2012 vom Dienst suspendiert worden, nach dem offenbar schon Monate zurückliegende Vorwürfe bekanntwurden. Er durfte das Landestheater seither nicht mehr betreten oder mit anderen Dienstnehmern in Kontakt treten. Der Vorsitzende des Theaterausschusses, Kultur- und Finanzreferent LHStv. David Brenner (S), hatte damals zugleich zwei Expertinnen eingesetzt, um “nicht auf Basis von Gerüchten zu agieren, sondern Fakten zu schaffen”. Eine Psychologin und eine Juristin hatten daraufhin in Gesprächen mit Mitarbeitern des Theaters die aktuellen Vorwürfe überprüft und am Samstagnachmittag den Mitgliedern des Ausschusses einen Zwischenbericht übermittelt. Darin stellten die beiden Expertinnen mehrere Fälle von Grenzüberschreitungen fest.
“Der Bericht liefert ein vollständiges Bild. Es ist kein Einzelfall von Verfehlungen, auch keine Grenzüberschreitung wie einige anzügliche SMS, sondern eine Vielzahl von Vorwürfen. Das Vertrauen des Theaterausschusses in den Mann ist nicht mehr gewährleistet”, erklärte Brenner und sprach von einer “juristisch und moralisch klaren Entscheidung”. Eine Rückkehr des Managers sei ausgeschlossen, die Prozesschancen für das Land stünden gut. “Weil laut unserem Rechtsvertreter Entlassungsgründe vorliegen, haben wir einer einvernehmlichen Lösung eine Absage erteilt.” Auch ein “Golden Handshake” sei ausgeschlossen. “Wir wollen den Konflikt nicht mit Hunderttausenden Euros zuschütten.”
Der kaufmännische Direktor hat einen befristeten Dienstvertrag, der bis zum 31. Dezember 2015 gilt. Falls er die vorzeitige Vertragsauflösung gerichtlich bekämpft und recht bekommt, könnte er bis zu 392.000 Euro Abfertigung erhalten. “Er kann eine Kündigungsentschädigung einfordern, dann stehen ihm die Bezüge bis zum Ablauf des Dienstverhältnisses zu”, bestätigte Eckart Fussenegger, Rechtsberater des Landes in der Causa. “Allerdings wird nach drei Monaten ein neuer Verdienst miteingerechnet. Es ist also unwahrscheinlich, dass selbst bei einem Obsiegen des Mannes der ganze Betrag anfällt.” Welche Verfehlungen dem Manager konkret angelastet werden, wollte Brenner am Montag nicht sagen. Man habe den befragten Mitarbeitern Anonymität zugesichert. Inoffiziell ist von Mobbing, Diskriminierung, Druckausübung und Verstößen gegen das Arbeitsrecht die Rede.
Christian Mahringer, der Anwalt des entlassenden Managers, kündigte an, “die Entlassung mit allen erdenklichen Mitteln bekämpfen” zu wollen. Seinem Mandanten seien die angeblich neuen Vorwürfe bisher nicht genannt worden. “Die Anschuldigungen wurden nicht konkretisiert, er hatte keinerlei Möglichkeit, sich zu rechtfertigen”. Der entlassene kaufmännische Direktor hat jetzt sechs Monate Zeit, seine Entlassung anzufechten.
Ähnliche Vorwürfe gegen den Mann hatte es übrigens schon in seinem früheren Job gegeben. Er war vor seiner Tätigkeit für das Landestheater im Management der Salzburger Landeskliniken (SALK) tätig. Dort wurde er wegen Unstimmigkeiten mit dem Geschäftsführer und Problemen mit Mitarbeitern im Oktober 2010 vom Dienst frei gestellt. Damals kassierte der Mann eine Abfertigung von 170.000 Euro.
(APA)