So will die Stadt Salzburg das Verkehrsproblem lösen

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Das nahezu regelmäßige Stauchaos soll in Salzburg bald Geschichte sein.
Das nahezu regelmäßige Stauchaos soll in Salzburg bald Geschichte sein. - © FMT-Pictures/MW
In der Stadt Salzburg hat sich in den vergangenen Wochen die Verkehrssituation massiv verschärft. Dank mehrerer Baustellen führte oft schon ein kleiner Unfall zum totalen Zusammenbruch. Am Freitag demonstrierten Vertreter von SPÖ, ÖVP und Bürgerliste ungewohnte Einigkeit und präsentierten ein Maßnahmenbündel, mit dem die Lage entschärft werden soll.

Das Paket dürfte der kleinste gemeinsame Nenner sein. Denn einschneidende Maßnahmen kommen in dem Papier nicht vor.

Die Kernpunkte des Maßnahmespakets

Einer der Kernpunkte ist die Nutzung der 7.000 Stellplätze beim Messezentrum als Park-and-Ride-Plätze an 300 Tagen im Jahr, also außerhalb der Messezeiten. Dazu soll dort die nötige Infrastruktur errichtet werden. Außerdem soll die Buslinie 8 bis dorthin verlängert werden, wodurch der Park-and-Ride-Platz mit zwei Buslinien mit der Innenstadt verbunden wäre. Für die notwendige Verlängerung der Oberleitung um 400 Meter wird die Stadt einen Investitionszuschuss von knapp einer halben Million zur Verfügung stellen.

Weiters soll die Linie 3 bis zur Landstraße verlängert werden. Dann könnten viele Pendler aus dem Norden bereits dort in den Stadtbus Richtung Itzling oder Innenstadt umsteigen. Auch hier wird die Stadt einen Investitionszuschuss leisten, und zwar in der Höhe von 1,2 Millionen Euro. Die Salzburg AG wird bis zu neun Doppelgelenkbusse anschaffen, mit denen die Kapazität vor allem in der Früh- und Nachmittagsspitze ausgeweitet werden soll. Zudem wird es ab Juli 2017 wieder das Jahres-City-Ticket um 365 Euro geben, was der Stadt einen Zuschuss von 300.000 Euro wert ist. Und auch an der Finanzierung eines Niederflur-Waggons für die Lokalbahn wird sie sich beteiligen.

Und mittelfristig sollen die Linie 2 zu einer Musterlinie ausgebaut und eine Handvoll Busspuren verlängert werden sowie ein zweiter Musterkorridor nach Mattsee entstehen. Ein solcher wird schon seit über zwei Jahren zum Wolfgangsee geplant, ist aber immer noch nicht realisiert. “Wir haben unsere Vorarbeiten schon vor einem Jahr abgeschlossen”, ortet Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) die Verzögerungen beim Land Salzburg.

Die Ausgangsbasis

Die Stadt Salzburg fördert im laufenden Budget 2016 ÖPNV-Maßnahmen (Öffentlicher Personennahverkehr) mit insgesamt 5,2 Millionen Euro. Konkret werden die Anschaffung von drei Oberleitungsbussen mit 2,4 Millionen Euro für 2016 sowie die Elektrifizierung von Buslinien mit 2,8 Millionen Euro für 2017 subventioniert.

Neben diesen Infrastrukturmaßnahmen fördert die Stadtgemeinde Salzburg den laufenden Betrieb von Buslinien, wie z.B. die neue Obuslinie 9 (ab Fahrplan 2016/17), die Linie 151 Gaisbergbus oder die Linie 24 Freilassing. Des Weiteren wurden für die Aktion Salzburg City Ticket für heuer 300.000 Euro Fördergelder eingesetzt.

Die Basis für die städtische ÖPNV-Finanzierung stellt nach wie vor der Vertrag zur Verlustabdeckung aus dem Jahr 2000, abgeschlossen mit der Salzburg AG, dar. Darin hat sich die Stadtgemeinde Salzburg verpflichtet, einen jährlichen Gesellschafterzuschuss zur Abdeckung des Jahresverlustes der Verkehrsbetriebe zu leisten. Dieser Gesellschafterzuschuss betrug 2012 bis 2016 rund 10,5 Millionen Euro jährlich.

Täglich pendeln rund 60.000 Menschen in die Stadt ein, 20.000 Salzburger pendeln ins Umland aus.

Kurzfristige Maßnahmen

Erweiterung Linie 8 – Messe Bessarabierstraße

Ziel ist der Lückenschluss des Obusnetzes zwischen Bessarabierstraße und Messezentrum. Damit gelingt eine dauerhafte Anbindung (Montag bis Sonntag) des Messegeländes, der P&R-Anlage und dem Siedlungsgebiet Bessarabierstraße durch die Linie 8. Damit ist sowohl Lehen, wie auch die Messe durch je zwei Obuslinien optimal erschlossen und der P&R Messe besser angebunden. Es wird eine Streckenlänge von 400 Metern elektrifiziert. Es ist ein Investitionszuschuss von 460.000 Euro in der mittelfristigen Finanzplanung für 2018 berücksichtigt

Park & Ride (z.B. Messe)

In und um die Landeshauptstadt Salzburg gibt es derzeit rund 7.000 Stellplätze mit optimaler ÖPNV-Anbindung, welche teilweise saisonal als P&R-Anlagen genutzt werden (Messe, Salzburg-Süd, Salzburg Airport, Salzburg Outlet). Diese P&R-Option wird derzeit nur in einem sehr geringen Ausmaß (im Sommer im Bereich von ein bis zwei Prozent der verfügbaren Kapazität) genutzt. Um dieses Angebot erheblich besser auszulasten, sind verschiedenste Maßnahmen zu treffen:

  • Bessere Informationen für Touristen und Pendler (Prospekte, Online, Wegweiser, etc.)
  • Attraktive Tarifangebote (P&R-Nutzung mit CityTicket, etc.)
  • Bessere Kundeninformation vor Ort
  • Attraktivierung der P&R-Anlagen durch Gestaltung, Beleuchtung, Beschilderung, Leitsystem, Welcome-Point, etc.
  • P&R-Leitsystem im Umland der Stadt Salzburg (Autobahn-Überkopfwegweiser, etc.)

Generell muss jedenfalls aber das P&R-System in der Region forciert werden, damit die ÖPNV-Nutzer möglichst früh auf Bus und Bahn umsteigen können.
Die P&R-Anlagen rund um die Stadt haben den Fokus auf solche Pendler, Touristen und Besucher, welche in der Region bislang nur mangelnde Umsteigemöglichkeiten haben.

Erweiterung Musterlinie 3 – Regionalverkehrsknoten Nord

Durch den Neubau des “Wienerdamm”-Viadukts an der Bahnhofstraße ergibt sich die Möglichkeit, die Obuslinie 3 ab dem neuen Kreisverkehr Bahnhofstraße/Goethestraße bis zur bestehenden Haltestelle Landstraße zu verlängern. Die bestehenden innerstädtischen Autobuslinien 21 und 23 (Lengfelden, Kasern, Schallmoos, Sam, Gnigl) sowie die Regionalbuslinien des Korridors “Trumer Seenland” können so ideal an der Haltestelle Landstraße (Regionalverkehrsknoten Nord) verknüpft werden. Neue kurze Reisewege zwischen Mattsee, Seham, Obertrum, Elixhausen, Lengfelden bzw. Schallmoos und dem städtischen Entwicklungsraum Itzling (HTL, TechnoZ, Salzburg Research, Goethesiedlung) entstehen, erhöhen die Attraktivität für Stadt- und Regionalverkehr und lassen eine erhebliche Steigerung der ÖV-Nutzung erwarten. Für die dafür notwendige Errichtung einer Fahrleitung auf einer Länge von rund 850 Metern ist ein Investitionszuschuss in der Höhe von ca. 1,2 Millionen Euro für 2018 notwendig und in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigt.

Doppelgelenk-Obusse

Die Salzburg AG beabsichtigt nach positivem Testbetrieb und positiver wirtschaftlicher Analyse im Jahr 2018 im Rahmen der Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen den Ankauf von bis zu neun Doppelgelenk-Obussen zur Ausstattung der Hauptlinie 3 (Inbetriebnahme ab 2021). Die Vorteile der größeren Fahrzeuge liegen in einer Erhöhung der Fahrgastkapazität um ca. 35 Prozent und somit einer Reduktion der Verstärkerfahrten. Die ersten beiden Prototypen von Doppelgelenk-Fahrzeugen in Österreich nehmen in Linz ab 2017 den Betrieb auf, in Zürich und Luzern verkehren diese schon seit einigen Jahren. Für Salzburg ist ein erstes Testfahrzeug ebenfalls für 2017 geplant. Der Einsatz dieser Fahrzeuge wird teilweise bauliche Maßnahmen an einzelnen Haltestellen (u.a. Verlängerung von Haltebuchten) erfordern. Die Kosten für den Testbetrieb betragen für die Salzburg AG ca. 100.000 Euro. Die Stadt wird sich mit einem Zuschuss von 50.000 Euro im Jahr 2017 an diesen Kosten zu beteiligen.

Niederflurmittelteile Lokalbahn

Die Salzburger Lokalbahn beabsichtigt, weitere vier Mittelteile der Lokalbahngarnituren auf Niederflur umzubauen. Damit können bis zu 100 Prozent der Zugfahrten barrierefrei betrieben werden, die Beförderungskapazität wird erhöht. Die Finanzierung soll durch Stadt und Land Salzburg sowie die Salzburg AG erfolgen. Die Gesamtkosten betragen vier Millionen Euro. Ein Investitionszuschuss in Höhe von einer Million Euro ist in der mittelfristigen Finanzplanung für 2018 vorgesehen.

Salzburg City Ticket

Die vergünstigte Jahreskarte für die Stadt Salzburg wurde von den Kunden sehr gut angenommen, es kam zu einer Verdoppelung der Absatzzahlen. Derzeit wird durch die Salzburger Verkehrsverbund GmbH und die beteiligten Verkehrsunternehmen geprüft, inwieweit ein Absenken des derzeitigen Verkaufspreises von 379 Euro je Jahreskarte möglich ist. Ziel ist es, wiederum einen Preis von 365 Euro je Jahreskarte zu erreichen, wobei hier eine Gegenfinanzierung (z.B. eine Produktteilung übertragbares/nicht übertragbares City Ticket) notwendig sein wird. Die Salzburger Verkehrsverbund GmbH soll angeregt werden, die Einbindung der Umlandgemeinden in das City Ticket zu prüfen (Möglichkeiten der Erweiterung der Kernzone und finanzielle Beteiligung). Für diese Maßnahme sind im Voranschlag der Stadtgemeinde für 2017 300.000 Euro vorgesehen.

Mittelfristige Maßnahmen

Musterlinie 2

Die Linie 2 ist die wichtigste Ost-West-Verbindung der Stadt Salzburg und verbindet den Hauptbahnhof und den Salzburg Airport. Um die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit dieser Linie zu verbessern, soll diese wichtige ÖV-Achse auf Initiative der Salzburg AG zu einer „Musterlinie 2“ ausgebaut werden. Dazu bedarf es zahlreicher Maßnahmen im Straßenraum bzw. bei den Ampelanlagen. Seitens der Salzburg AG wird in die Verbesserung der Kundeninformation und des Komforts (z.B. Monitore, Fahrscheinautomaten, Fahrgastunterstände) investiert. Ziel ist eine Beschleunigung und Bevorrangung der Linie 2 im Einklang mit den übrigen Verkehrsträgern.

Musterkorridor Mattsee

Aufbauend auf den Erfahrungen aus der Neugestaltung des Musterkorridors Wolfgangsee, Buslinie 150, soll der Korridor Mattsee, Buslinie 120, untersucht und zu einem Musterkorridor werden. Bei der Linie 150 wurden die Maßnahmen gemeinsam mit dem Land Salzburg, der Salzburger Verkehrsverbund GmbH und dem Regionalverband Flachgau erarbeitet und finanziert. Diese Vorgehensweise soll für den Korridor Mattsee beibehalten werden.
Darüber hinaus ist angedacht, weitere Musterkorridore zu schaffen. Für die vertiefende Planung sind 50.000 Euro an Kosten in der mittelfristigen Finanzplanung 2018 berücksichtigt. „Mit 41 Mio. Fahrgästen pro Jahr ist der Obus der tragende Teil des städtischen Verkehrssystems“, sagt Leonhard Schitter, Vorstandssprecher der Salzburg AG und setzt fort: „Die Beschleunigung der Obusse ist für uns als Salzburg AG äußerst wichtig und dafür brauchen wir die von uns vorgeschlagenen Musterkorridore. So wird der Obus noch schneller und attraktiver und der Umstieg leichter.“

Busbeschleunigung

Was die Beschleunigung des Busverkehrs im Stadtgebiet angeht, so sind folgende Maßnahmen im Detail zu prüfen:

  • Ignaz-Harrerstraße: Verlängerung der Rechtsabbiegespur zur Busvorfahrt über die Kreuzung mit der Roseggerstraße hinaus Richtung Lehener Brücke.
  • Sterneckstraße: Alternierende Busspuren in der Sterneckstraße in beide Fahrtrichtungen
  • Petersbrunnstraße: Busspur Petersbrunnstraße verlängern durch Verkürzung der Abbiegespur
  • Gaisbergstraße: Verbesserung der Freihaltung der Busspur Richtung Steinlechner Kreuzung durch längere Sperrlinien und allenfalls Fahrbahnteiler
  • Rainerstraße: Prüfung der Auflassung von Fußgängerampeln
  • Schallmooser Hauptstraße: Verlängerung der bestehenden Busspur Richtung Sterneckstraße bis Ignaz-Härtl-Straße

Verkehrsprobleme Salzburg nur regional zu lösen

Die zunehmenden Verkehrsprobleme sind allerdings nicht auf die Landeshauptstadt beschränkt und können auch nicht allein hier gelöst werden. Tatsächlich muss aber im gesamten Zentralraum zwischen Golling und Straßwalchen an vielen Stellrädern gedreht werden, um die Zukunft gestalten zu können. Einige Vorschläge der Stadt dafür:

  • Verlängerung Obus-Linien ins Umland: Ziel muss es sein, zukünftig im Sinne einer übergreifenden, die gesamte Stadtregion betreffenden Planung den Fahrgast bereits im Umland zum Umstieg auf den Obus und Autobus zu animieren. Eine vollständige Elektrifizierung mit Oberleitungen ist dafür nicht zwingend notwendig, denn die Weiterentwicklung der Batterietechnologie für Obusse ermöglicht kurze Fahrten ohne Leitungskontakt. Die Batterien werden geladen, sobald sich das Fahrzeug wieder an der Oberleitung befindet (In Motion Charging). Damit wäre zum einen der Ersatz der bisherigen Diesel-Notaggregate in den Obussen durch Batterien möglich, zum anderen würden viele Fahrgäste mit großer Transportkapazität (Stichwort Doppelgelenkobusse) emissionsfrei ins Stadtgebiet befördert.
  • Voller S-Bahn-Ausbau am Ast Freilassing – Straßwalchen nach dem Muster des Südastes so schnell wie möglich.
  • Erweiterung P&R in der Region.
  • Verklammerung SVV / OÖVV hinsichtlich Fahrplantaktung und Tarifgestaltung zumindest entlang der Westbahnachse bis in den Raum Frankenmarkt.
  • Reform des derzeit auch für ExpertInnen völlig undurchschaubaren Tarifsystems des Salzburger Verkehrsverbunds, Modernisierung Ticket-Vertrieb. Beides könnte etwa nach dem Südtiroler Modell umgesetzt werden.
  • Ausbau des Radwegenetzes zwischen Salzburg und Umlandgemeinden im (mindestens) 15-Kilometer-Radius zu leistungsfähigen und attraktiven (E-Bike)-Routen.
  • Vorausschauende Planung von Großbaustellen im hochrangigen Bundesstraßen- und Autobahnnetz mit einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren, um Kumulierungen zu vermeiden.

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