Social Magerwahn: Essstörungen durch soziale Netzwerke

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Immer mehr junge Leute erkranken an Essstörungen. Soziale Netzwerke spielen dabei eine erhebliche Rolle. Immer mehr junge Leute erkranken an Essstörungen. Soziale Netzwerke spielen dabei eine erhebliche Rolle. - © APA/AFP/FRED DUFOUR
Immer mehr junge Leute sind gefährdet, Essstörungen zu bekommen. Das Internet spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: In den sozialen Medien fordern Challenges zum Abnehmen auf und Hashtags verharmlosen das Risiko.

Die Mädchen stapeln auf ihrem Schlüsselbein möglichst viele Münzen, das ist die neue Collarbone-Challenge. In Facebook-Posts und Fotos zeigen junge Frauen, wie sie die Münzrollen auf den herausstehenden Knochen setzen: Je magerer sie sind, desto mehr Halt haben die Münzen. Mit kokettem Blick in die Kamera bringen die mehr oder weniger prominenten Damen schlanke und normal gebaute Mädchen dazu, abzunehmen. Diese Challenge hat ihren Ursprung in China und rief schon in den ersten Stunden zig Millionen Besucher zum Mitmachen auf.

Größe Null: Je dünner, desto besser

Dünn ist attraktiv, das wollen die zahlreichen Selfies den Internet-Nutzern weismachen. Die angeblichen Ideal-Proportionen stellen jedoch eine große Gefahr für die Gesundheit dar: Vor allem junge Menschen fühlen sich unsicher, wenn es um ihre Figur geht, und lassen sich schnell beeinflussen. Der Weg in die Essstörung ist quasi vorprogrammiert. Die Mädchen suchen Anerkennung und sind entsprechend empfindlich gegenüber Einflüssen von außen. Genau deshalb halten sie sich in der Scheinwelt des Internets auf und fürchten, zurückgewiesen zu werden. In den Fotos kann das eigene Aussehen teilweise beeinflusst werden, doch die Thigh Gap und Collarbone Challenges zeigen, wie erfolgreich die letzte Diät tatsächlich war.

Vom Fernsehen zum Internet

Das extrem dünne Schönheitsideal wird schon seit Längerem durch TV-Formate wie GNTM in den Fokus gerückt. Inzwischen sind es soziale Medien wie Facebook und Instagram, die allmählich das Fernsehen ablösen. Die jungen Leute sehen weniger fern und gehen stattdessen online. Ärzte aus diversen Bereichen haben festgestellt, dass auf diese Weise die Interaktivität zwischen den Internet-Nutzern verstärkt wird. Da gibt es Likes für noch ein Kilo weniger oder einen Button wie „Feeling Fat“, der mittlerweile abgeschafft wurde. Einige Experten sagen zwar, dass sich der Beginn einer Essstörung nicht typisieren lässt, dennoch wird ein deutlicher Anstieg von Krankheiten wie Magersucht, Bulimie usw. sichtbar. Das eigene Körpergefühl sollte unabhängig von einer fehlgeleiteten Selbstkritik wieder aufgebaut werden.

Psychotherapeutische Maßnahmen für ein gesundes Körpergefühl

Die Manipulation der sozialen Medien hat negative Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und damit auch auf das Essverhalten der jungen Leute. Durch die unzähligen Fotos und Vergleiche mit anderen wird das Risiko von Essstörungen gefördert. Die Bellybutton und Collarbone Challenges verstärken diesen Effekt noch. Ein Blick auf die mageren Körper sollte ausreichen, um bei diesem absurden Kult nicht mitzumachen. Es scheint aber schwierig zu sein, sich diesen Herausforderungen zu entziehen.

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