Soll man eingreifen, wenn andere Müll auf Straße werfen?

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Überquollener Mistkübel in Salzburg.
Überquollener Mistkübel in Salzburg. - © APA/BARBARA GINDL
Wie Wartende am Bahnsteig reagieren, wenn jemand neben ihnen Müll fallen lässt, haben Forscher aus Tirol, Deutschland und den USA in einem Experiment untersucht. Das erstaunliche Ergebnis: Egal ob dort ein Becher oder gleich ein ganzer Müllsack deponiert wird, die Verursacher wurden gleich oft zurechtgewiesen, wie die Forscher im Fachblatt “Nature Communications” berichten. Wie würdet ihr euch verhalten? Stimmt ab im Meinungscheck!

Der Frage, wie Leute auf Normverletzungen in ihrer unmittelbaren Umgebung reagieren, ist Loukas Balafoutas vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck in Kooperation mit Kollegen der Uni Köln und New York University Abu Dhabi (USA) in einer alltäglichen Situation nachgegangen. “Wir haben dasselbe Szenario mehrfach im Feld durchgespielt, konkret am Kölner Hauptbahnhof: Wir ließen Schauspielerinnen und Schauspieler einmal einen Kaffeebecher fallen, einmal einen Sack mit Müll, und haben uns angesehen, wie die Passanten reagieren”, erklärte Balafoutas am Mittwoch in einer Aussendung der Uni Innsbruck.

Menge an Müll für viele egal

Die Wissenschafter gingen eigentlich von der Annahme aus, dass die extremere Übertretung mehr Entrüstung und Reaktionen auslösen wird als ein einzelner weggeworfener Kaffeebecher. Das stimmte auch teilweise, denn die Menschen bewerteten in einer Befragung im Vorfeld des Experiments auch den Sack als das eindeutig größere Problem. Am tatsächlichen Verhalten in der Situation konnte das allerdings nicht beobachtet werden. Die Passanten griffen nämlich nicht häufiger ein, wenn mehr Müll liegen gelassen wurde.

“Die Menge an Müll war für die Bestrafung egal, es gab ähnlich viele Reaktionen in beiden Fällen. Wir folgern daraus, dass es eine bestimmte Bestrafungsgrenze gibt: Je stärker die Normübertretung, desto höher auch die Hemmungen, die normverletzende Person darauf anzusprechen”, sagte Balafoutas.

Angst vor Streit

Bei der Befragung jener Menschen, die nicht eingriffen, kam als eine der häufigsten Erklärungen, dass ein Einschreiten zu Streit führen könnte, vor dem sich die Leute fürchteten. Das dürfte damit zusammen hängen, dass “Menschen, die eine stärkere Normübertretung wagen – eben, indem sie gleich einen ganzen Sack einfach auf den Bahnsteig werfen -, als gefährlicher eingestuft” würden, wie es der Wissenschafter ausdrückte. Die Leute halten sich daher tunlichst zurück.

“Für uns zeigt das deutlich: Die soziale Selbstregulation kennt Grenzen. Wir weisen einander auf Fehlverhalten hin, solange es sich in einem bestimmten Rahmen bewegt. Wenn die Übertretung aber extremer ausfällt, versagt diese Selbstregulierung und wir brauchen Behörden, Polizei, Sicherheitspersonal”, so Balafoutas, der sich bereits in mehreren Studien mit dem Umgang mit sozialen Normverletzungen auseinandersetzte.

(APA)

 

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