Sonntags-Talk: Aktfotograf Hannes Schneider liebt “abgefuckte” Locations und schöne Frauen

Der Salzburger Künstler Hannes Schneider im Sonntags-Talk.
Der Salzburger Künstler Hannes Schneider im Sonntags-Talk. - © SALZBURG24/Gann
Die Schönheit und Sinnlichkeit der nackten Frau stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Der seit 30 Jahren in Salzburg lebende Künstler Hannes Schneider (50) hat sich nach vielen Jahren als Marketingleiter der Aktfotografie verschrieben. Warum ihn die Nacktheit der Frau derart fasziniert und wie er es schafft, den schmalen Grat zwischen Sinnlichkeit und Schlüpfrigkeit, Erotik und Pornografie nicht zu überschreiten, verrät er in unserem heutigen Sonntags-Talk.




SALZBURG24: Du widmest dich seit mittlerweile 15 Jahren der Aktfotografie. Wie bist du dazu gekommen?

HANNES SCHNEIDER: Als Ausgleich. Ich war Marketingchef eines Verlags. Das ist sehr stressig, weil man sehr viel unterwegs ist. Als ich dann mit der Fotografie angefangen habe, habe ich mir überlegt, was ist das Schönste, das man fotografieren kann? Das ist eine nackte Frau. Und so hat alles begonnen.

Die Fotografie hat mir die Möglichkeit gegeben aus meinem hektischen Berufsalltag auszusteigen. Denn Hektik kannst du hier null brauchen.

Was ist das Besondere an der Aktfotografie?

Wenn man fotografiert, begibt man sich in eine ganz andere Welt – vor allem im Aktbereich. Es ist dieses Spiel mit unterschiedlichen Lichteinflüssen auf der Haut. Wie das Licht reflektiert und was daraus für eine Geschichte entstehen kann. Es fasziniert mich, das Spiel des Verborgenen und Reizvollen aus einer Situation herauszukitzeln.

Siehst du dich eher als Künstler oder als Fotograf?

Mehr als Künstler.

Das heißt, du versuchst mit deinen Bildern auch etwas Bestimmtes auszusagen? Oder muss das Bild einfach nur schön sein?

Das Bild soll eine gewisse Sinnlichkeit, eine gewisse Erotik darstellen und mit den Reizen spielen. Aber gleichzeitig möchte ich mit dem Bild auch einen sehr hohen Respekt gegenüber der Frau ausdrücken. Es darf nicht pornografisch sein, das soll nicht schlüpfrig sein oder billig ausschauen. Die Gratwanderung ist dabei immer sehr schmal, weil es sehr schnell kippen kann. Und genau das ist die Herausforderung.

Wie viel Nachbearbeitung steckt hinter deinen Bildern?

Null.

Du machst also alles mit Licht und Schatten?

Ja, bei meinen Schwarz-Weiß-Bildern wird nichts bearbeitet. Das heißt, ich verändere weder ein Kinn, noch Backen, Hüfte oder eine Taille. Ich retuschiere auch keine Narben weg. Man ist so, wie man ist. Und der Akt soll ja ehrlich sein. Sobald ich anfange da herumzutricksen, ist es für mich kein Akt mehr, dann ist es eine Fotomontage.

Andere Künstler, wie Schriftsteller oder Maler, arbeiten oft in der Nacht. Wie schaut es bei dir da aus. Bist du eher Tag- oder Nachtarbeiter?

Nacht. Das hat auch damit zu tun, dass die meisten Locations, in denen ich fotografiere immer wieder Fremdlicht haben. Und bei der Art der Fotografie, die ich mache, kann ich das überhaupt nicht brauchen. Also, wenn ich in irgendwelchen Abrisshäusern fotografiere, dann natürlich am Tag, weil in der Nacht ist das oft zu gefährlich. Aber in der Regel fange ich mit der Arbeit an, wenn’s dunkel wird.

Was sind denn die skurrilsten Locations, die du für deine Bilder schon verwendet hast?

Die absolut schrägste Location von allen war mit Sicherheit der alte Busbahnhof der ÖBB im Fürberg, wo jetzt dieser Asia-Komplex draufsteht. Da gab es zwei Glas-Räume, die regelrecht ident eingerichtet waren: Ein Schreibtisch, ein Sessel, ein Waschbecken und ein Spiegel. Und von diesem Glasquadrat aus konnte man in jede der Werkstätten von oben hineinschauen. Das war richtig komisch. Die Aufseher haben damals den Leuten von oben beim Arbeiten zugeschaut. Später hat mir eine Freundin erzählt, dass das Mitte der 40er-Jahre ein Arbeitslager der Nazis war. Und das spürt man.

Ansonsten stehe ich mehr auf die heruntergekommenen Locations, wie Abrisshäuser zum Beispiel. Eine abgefuckte Location gepaart mit der Schönheit der Frau ist für mich der super Widerspruch in sich und daher perfekt fürs Foto. 

Die Aktfotografie hat sich in den letzten 40 Jahren in Salzburg extrem entwickelt. Fotografen, die das anbieten, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Kann man jedem Fotografen vertrauen?

Nein. Es laufen leidergottes genug Idioten herum. Ich kann nur den Tipp geben, vorsichtig zu sein und aufzupassen, mit wem man die Fotos macht. Sobald die Bilder digitalisiert sind, gehen die sofort die Runde. Das ist sehr heikel. Es gibt genügend Plattformen, über die der Fotograf die Bilder für ein paar Euro verkaufen kann. Ein guter und seriöser Fotograf braucht das nicht.

Was muss denn so ein Aktfoto kosten, dass man sagt, das ist jetzt von einem seriösen Fotografen?

Unter 250 Euro würde ich nirgends etwas machen lassen, eher an die 500 Euro einplanen. Und ich würde versuchen, einen Fotografen auszuwählen, der in den gewerblichen Bereich hineingeht.  Was auch immer hilft: Eine Freundin zum Shooting mitnehmen. Das ist durchaus legitim.

Zurück zur Kunst: Du bist Initiator der Salzburger Kunstfestspiele, die am 17. Juli starten. Was ist das genau?

Die Salzburger Kunstfestspiele sind vor drei Jahren entstanden. Ich bin damals mit vier Künstlern in der academy (eine Bar in der Franz-Josef-Straße, Amk.) zusammengesessen als mir die Idee gekommen ist – fünf Wochen vor den Salzburger Festspielen – eine Gemeinschaftsausstellung zu machen. Wir haben das dann auf die Beine gestellt und sechs Wochen lang ausgestellt. Dabei stand jede Woche ein anderer Künstler im Mittelpunkt. Das war so eine Gaudi und ein super Erfolg für jeden Künstler, dass wir das dann im Jahr darauf wiederholt haben. Und heuer sind wir schon bei sieben Locations und 14 Künstler aus Salzburg. Das hat eine solche Eigendynamik bekommen, mit der wir gar nicht gerechnet haben.

Willst du damit ein Gegenprogramm zu den Salzburger Festspielen anbieten?

Dagegen überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Eine Ergänzung ist es aber auch nicht. Es ist ein zusätzliches Angebot. Denn es geht mir darum: Zur Festspielzeit ist die höchste Dichte an Kunstinteressierten in Salzburg, wir haben ein internationales Publikum hier und wenn man den einen oder anderen Festspielbesucher mit einer Ausstellung erreicht, kann das für den betreffenden Künstler einen wichtigen Schritt weiter bedeuten.

Tut Salzburg zu wenig für die Kunst?

Nein. Salzburg tut sehr viel für Kunst. Es ist halt nur die sehr eingefahrene Kunst, ob das jetzt die Festspiele sind, mit all ihren schönen Ausprägungen. Oder ob das die Galeristen sind, die in Salzburg ansässig sind. Vermarktet werden die bekannten Künstler in Salzburg. Für einen Nachwuchskünstler gibt es in Salzburg allerdings gar nichts. Weder ein Kunst- noch ein Kulturverein, der dem Nachwuchs unter die Arme greift. Das sehe ich auch ein bisschen als Aufgabe der Salzburger Kunstfestspiele. Wir wollen noch unbekannten regionalen Künstlern dabei helfen, ihren Fuß ein bisschen in die Welt der Vernissage zu setzen und sich mit anderen Künstlern und Kunstliebhabern zu vernetzten. Denn spätestens wenn sie im Ausland erfolgreich waren, will man sie in Salzburg wieder gerne haben. Die Beziehung zwischen Salzburg und seinen Künstlern war halt schon immer eher ambivalent.

Lieber Hannes, vielen Dank für das Gespräch.

Eckdaten Salzburger Kunstfestspiele:

17. Juli, 19 Uhr: Eröffnung in der academy (Franz-Josef-Straße 4, 5020 Salzburg)

Ausstellende Künstler: Günter Edlinger, Ignaz Blazovich, Reinhold Brandstätter, Erna Heinz, Fatima Seilern-Tunovic, Marta Virag, Erich Schobesberger, Bettina Kuschnigg, Benedikt Seilern, Roland Oberholzner, Paul Frank, Jörg Wascher, Bock auf Heidi und Hannes Schneider.

Detail am Rande für alle Liebhaber der Werke von Hannes Schneider: Kommende Woche verlosen wir das Bild, der er zu unserem Sonntags-Talk mitgebracht hat, exklusiv unter allen SALZBURG24-Lesern.

 

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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