Sonntags-Talk: Eiskunstlauf-Paar Ziegler und Kiefer über “den Winter ihres Lebens”

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Österreichs bestes Eiskunstlaufpaar Miriam Ziegler/Severin Kiefer steht bei den 23. Olympischen Winterspielen vor ihrem Karriere-Höhepunkt.
Österreichs bestes Eiskunstlaufpaar Miriam Ziegler/Severin Kiefer steht bei den 23. Olympischen Winterspielen vor ihrem Karriere-Höhepunkt. - © SALZBURG24/Andonov/AFP/ASSOCIATED PRESS
Der Salzburger Severin Kiefer steht mit seiner Eiskunstlaufpartnerin Miriam Ziegler in Pyeongchang vor dem Highlight seiner Karriere. Wie Österreichs Aushängeschilder auf der großen Eiskunstlauf-Bühne für Furore sorgen wollen, verraten sie uns im großen Sonntags-Talk.




Eiskunstlauf genießt in der Sportlandschaft und der Gesellschaft im Vergleich zu anderen Disziplinen einen niedrigeren Stellenwert. Seit knapp fünf Jahren hebt das Paar Ziegler/Kiefer mit Auftritten auf internationaler Bühne das Ansehen der Sportart auf eine ganz andere Ebene. Und das obwohl beide entweder schon dem Sport den Rücken kehrten bzw. kurz davor waren.

Ziegler und Kiefer im Olympia-Fieber

Bei den Europameisterschaften im Jänner 2018 in Moskau fuhren sie mit ihrer Bestleistung und Platz sieben den bisher größten Erfolg ein. Die beiden, die auch privat gemeinsam durchs Leben gehen und in Jadorf bei Kuchl (Tennengau) wohnen, trauen sich bei den Spielen durchaus einen Sprung auf Rang zwölf zu, die Top Ten aber noch nicht. Bis Peking 2022 hat das Eis-Duo vor, noch einiges zu verbessern.

SALZBURG24: Schon als Junioren habt ihr im Eiskunstlauf für Aufsehen und Rekorde in Österreich gesorgt. Könnt ihr euch noch an die ersten Kurven am Eis erinnern?

MIRIAM ZIEGLER: Selbstverständlich. Da man im Burgenland nicht Skifahren kann, nahm mich meine Oma zum Eislaufen mit. Da war ich vier Jahre alt und hatte zu Beginn überhaupt keinen Spaß dabei. Dennoch sahen einige Trainer und Familienangehörige mein außergewöhnliches Talent. Die Fahrtzeit von einer halben Stunde musste ich trotzdem in Kauf nehmen (lacht). Da ich durch das Training viele Freunde fand, blieb ich auch dabei. 

SEVERIN KIEFER: Bei meinen ersten Schwüngen auf dem Eis war ich zwei Jahre alt. Ich habe meiner dreieinhalb Jahre älteren Schwester beim Eislaufen in Salzburg zugesehen. Irgendwann haben die Trainer mir die Kufen auf die Schuhe geschnallt und mich auf das Eis gestellt. Anfangs hat das recht witzig ausgesehen. Die Eisfläche habe ich zunächst aber nur zum Quatschen betreten. Erst mit fünf Jahren habe ich aktiv an Wettkämpfen und organisiertem Training teilgenommen.

Was macht den Reiz eurer Sportart aus?

ZIEGLER: Die Vielseitigkeit macht es aus. Man muss einfach ein kompletter Sportler sein und sich gut präsentieren können. Das Verfeinern der Fähigkeiten und vor allem die Komplexität des Paarlaufs sind besonders spannend für mich.

Wann habt ihr gemerkt, dass ihr euch nur mehr dieser Sportart widmen möchtet?

ZIEGLER: Mit elf Jahren fiel die Entscheidung, dass ich meine Heimat im Burgenland verlassen und in Wien ein Internat besuchen werde. Meine Eltern waren zunächst etwas skeptisch, aber ich wollte unbedingt. Mir war bewusst, dass ich fürs Eislaufen einiges aufgeben muss.

KIEFER: Ich habe als Kind sehr viel experimentiert und mich beim Skifahren immer gewundert, warum ich bei den Rennen gegen Marcel Hirscher einen Rückstand von 14 Sekunden hatte (lacht). Auch im Judo und im Fußball habe ich mich sehr lange versucht. Mit 14 Jahren habe ich mich allerdings entscheiden müssen. Da ich im Eiskunstlauf am meisten Potential hatte, waren hier die Chancen auf eine erfolgreiche Karriere am höchsten. Die ersten Junior-Grand-Prix fanden bereits in Übersee statt und waren sehr aufregend für mich. Da fiel der richtige Startschuss.

In der Männerdomäne war Eiskunstlauf früher nicht so akzeptiert. Gab es für dich, Severin, unangenehme Momente in der Schule oder im Freundeskreis?

KIEFER: In der Jugend haben mich die Schulkollegen oft verarscht. Das ist ein globales Phänomen: Auch in Kanada, wo Hockey eine Nationalsportart ist, kommt das vor. Für mich war das sehr schwer und hat mich aber in meiner Persönlichkeit sehr geprägt und geformt. Selbstverständlich gab es Momente, an denen ich gezweifelt habe und aufhören wollte, aber ich habe meinen inneren Schweinehund überwunden.

Was hat dir in solch einer Situation besonders geholfen?

KIEFER: Eigentlich nur ein kleiner, aber feiner Satz, den ich zu den Kindern in der Schule gesagt habe. Mit: “Ich bin mit 14 Mädels in der Umkleidekabine und ihr müsst untereinander duschen” verstummten sie prompt (lacht).

Bei dir war es noch dramatischer, Miriam. Ein Rücktritt war die Folge.

ZIEGLER: Das erste Mal hörte ich 2012 im Alter von 17 Jahren auf. Eine Konkurrentin und gleichzeitig Trainingspartnerin wusste damals wie sie ein kleines Mädchen kaputt machen kann. In Vancouver konnte ich meine Leistungen nicht abrufen und erhielt andauernd Hassvideos und Hasspostings. Auf so etwas war ich einfach nicht vorbereitet und konnte nicht damit umgehen. Das Eislaufen habe ich vermisst, aber nicht die ganzen schrecklichen Leute drumherum. Severin hat mich ein halbes Jahr später angerufen und überzeugt wieder retour zu kommen.

Erzählt uns mal von den größten Hürden in eurer Karriere.

KIEFER: Ein paar haben wir schon angesprochen. Für viele ist auch das Geld ein Hauptproblem. Wir können uns nur glücklich schätzen, dass unsere Familien uns so unterstützen. Eiskunstlauf ist nämlich kein billiger Sport und wir betreiben ihn nicht, damit wir später mal davon leben können. Wir gehen mit Null raus und wollen mit den Preisgeldern und Partnern noch vier Jahre bis zu den nächsten Olympischen Spielen dranhängen. Die Grundlage, dass wir weitermachen, fällt im Sommer 2018. Da steht eine Verlängerung mit dem Bundesheer im Raum. Wenn es das nicht geben würde, müssten wir aufhören.

Nach der Olympiapremiere 2014 wartet nun Pyeongchang auf euch. Welchen Stellenwert haben die fünf Ringe für euch?

ZIEGLER: Es ist das Größte, woran ein Sportler teilnehmen und sich messen kann. Dazu kommt, dass man interessante Persönlichkeiten trifft, die man ansonsten nur im Fernsehen sieht.

KIEFER: All das und die Tatsache, dass eine besondere Atmosphäre im und abseits des Olympiadorfs herrscht. Bei keinem Event treffen so viele Sportarten aufeinander und keine Veranstaltung löst ein solches mediales Interesse aus und hat diesen geschichtlichen Hintergrund.

So kurz vor eurem ersten Wettkampf: Wie sieht die Olympia-Form aus?

ZIEGLER: Wir befinden uns in einer sehr guten Form und haben alle Karten in der Hand. Wir sind bereit für die Spiele. 

KIEFER: Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns sehr geholfen. Dieses Mal werden wir uns von der Atmosphäre nicht einschüchtern lassen. Wir sind gereift und wissen wo der Hebel anzusetzen ist. 

/Das Eiskunstlauf-Paar Severin Kiefer (li.) und Miriam Kiefer (Mitte) besuchten uns in der S24-Redaktion./SALZBURG24 Das Eiskunstlauf-Paar Severin Kiefer (li.) und Miriam Ziegler (Mitte) besuchten uns in der S24-Redaktion./SALZBURG24 ©

Euer Leistungssprung in diesem Winter ist gewaltig. Wo kann der noch hinführen?

ZIEGLER: Nach Platz 17 in Sotschi 2014 soll es diesmal mit dem Einzug in die Kür der Top 16 klappen. 

KIEFER: Unser Minimalziel lautet – wie Miriam schon gesagt hat – Rang 16, mit dem wir auch die Kür präsentieren dürfen. Um das zu schaffen, müssen wir technische Defizite ausmerzen. Sollte uns das gelingen, wäre der Winter unseres Lebens perfekt. Am realistischsten sehen wir aber ein weiteres Annähern an die Podestplätze auf EM-Ebene. In der Welt wollen wir bis 2022 um Medaillen mitmischen. Wir haben es dieses Jahr gemerkt, dass die Preisrichter uns höher einstufen. Wir sind vom letzten Jahr von 23/24 in der B-Note auf 29 aufgestiegen. Das ist der größte Sprung, den wir in einem Jahr jemals gemacht haben. Eingestiegen sind wir bei 19. Wir sind jetzt in der B-Note nur noch zwei, drei Punkte weg von Medaillenkandidaten.

Bereiten euch die politischen Konflikte im fernen Osten Sorgen?

KIEFER: Sicherlich macht man sich darüber Gedanken, aber da wir es nicht ändern können, vertrauen wir da dem Olympischen Komitee, dass sie die Sicherheit gewährleisten. Große Sorgen machen wir uns darüber eigentlich nicht. 

Auf was freut ihr euch bei den Spielen besonders?

ZIEGLER: Ganz eindeutig auf das Olympische Dorf – dort ist es einfach so cool. Man kann mit den ganzen Sportlern eine sehr schöne Zeit verbringen.

KIEFER: Das Dorf gehört mit ihrer gewaltigen Architektur sicherlich zu den Highlights. Da die Stadt nicht weit weg ist, werden wir uns einige Dinge vor Ort auch anschauen. Ein Flug in die Hauptstadt nach Seoul mit dem ganzen österreichischen Team ist ebenso geplant. Neben unseren Wettkämpfen, auf die wir schon sehr heiß sind, werden wir uns auch noch andere Bewerbe anschauen. Besonders inspiriert hat uns Anna Gasser beim Slope Style. Das mitanzusehen war schon sehr cool. 

Und welche Sportler würdet ihr gerne treffen?

ZIEGLER: Da habe ich überhaupt keine Präferenz. Wir sind jetzt nicht die Fans, die den Athleten nachlaufen (lacht). Sollten wir aufeinandertreffen und sich ein nettes Gespräch entwickeln, freue ich mich. Aber ich muss jetzt nicht unbedingt den Marcel Hirscher treffen.

KIEFER: Beim Besuch unserer Familienmitglieder kann es allerdings schon dazu kommen, dass sie uns um Autogramme von anderen Sportlern bitten. Das ist ein bisschen komisch und unangenehm. Wir stellen uns doch nicht zu den Athleten und betteln um Unterschriften. Wir alle haben sowieso schon so viel um die Ohren. Die Eislaufstars sind so oder so schon gute Freunde von uns. Aufdrängen werden wir uns sicher nicht.

Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde der lauten?

ZIEGLER: Einen konkreten Wunsch zu äußern ist immer sehr schwierig. Entweder man wünscht sich irgendeine Klischee-Antwort oder zu Egoistisches. Aber ein schöner gemeinsamer Urlaub steht dennoch ganz weit oben auf der Wunschliste. Die Reise soll entweder nach Thailand oder Kuba gehen. Die letzten Jahre waren wir viel in Europa unterwegs. Ein Badeurlaub wäre wieder einmal ganz fein.

KIEFER: Dem schließe ich mich voll und ganz an. Aber einen hätte ich noch: Ich wünsche mir, dass unser Hund Kenny braver wird. Er ist noch recht wild und verspielt.

Dann mögen all Eure Wünsche in Erfüllung und die Olympischen Spiele gut über die Bühne gehen. Vielen Dank für das Interview und Eurem Besuch bei uns in der Redaktion.

ZIEGLER/KIEFER im O-Ton: Vielen Dank für die Einladung, hat uns sehr gefreut. Ebenso alles Gute!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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