Sonntags-Talk mit Balkan-Grill-Urgestein Hildegard Ebner: “Der Bosna-Ursprung ist in Salzburg”

Akt.:
11Kommentare
Seit mehr als 30 Jahren verwöhnt Hildegard Ebner die Salzburg mit ihren Bosna.
Seit mehr als 30 Jahren verwöhnt Hildegard Ebner die Salzburg mit ihren Bosna. - © SALZBURG24/Gann
Hildegard Ebner und der Balkan Grill sind nicht getrennt voneinander zu denken. Die rüstige Pensionistin ist seit über 30 Jahren Herz und Seele der einzigen Original-Bosna in der Salzburger Altstadt. In unserem Sonntags-Talk erklärt Ebner, wie sie der Bosna zur weltweiten Berühmtheit verhalf, warum der Snack in Salzburg zu seinem Namen kam und wieso die männliche Kundschaft besonders gern auf einen Plausch vorbei schaut.




Seit 1983 steht Hildegard Ebner hinter der Theke des Balkan Grill, früher oft sieben Tage die Woche. Der zwei Quadratmeter große Imbiss in einem Durchgang zwischen Getreidegasse und Universitätsplatz in der Salzburger Altstadt gilt als Geburtsort der Bosna. Ebner hat ihn zwar nicht erfunden, aber wesentlich zu dessen Berühmtheit beigetragen. In zahlreichen Reiseführern und Medienberichten ist sie mit ihrer Spezialität vertreten, sogar ins japanische Fernsehen hat sie es nach eigenen Angaben geschafft. Seit sieben Jahren ist die rüstige Pensionistin, die sagt, sie sei ähnlich alt wie der 1950 gegründete Stand, eigentlich in Pension. Ruhe geben will sie trotzdem nicht. Mindestens ein, zwei Mal steht die frühere Supermarktleiterin, die eigentlich Konditorin werden wollte, noch im legendären Standl. Die Stammkundschaft dankt es ihr.

SALZBURG24: Wie fühlt man sich, wenn man ein bisschen berühmt ist und zur Bosna so dazugehört?

HILDEGARD EBNER: (Lacht) Ich muss eins sagen: Ich hätte nie geglaubt, dass man mit sowas eine so große Anerkennung kriegt. Ich werde eine Geschichte erzählen: Ich war mal auf Urlaub in Rimini, das ist schon sehr lange her. Wir sind am Frühstückstisch gesessen. Da hat mich immer ein Ehepaar angesehen. Ich dachte mir, es passt etwas nicht an mir und habe mich von oben bis unten angesehen. Als wir aufgestanden sind, kam der Mann her und hat gesagt: „Darf ich eine Frage stellen, kommen sie aus Salzburg?“. „Ja, wieso?“, frage ich. „Sie sind doch in irgendeiner Passage, wo es so eine gute Wurst gibt“, hat er gesagt (lacht). Das werde ich nie vergessen.

Es kommen auch sehr viele Prominente hierher.

Welche Promis waren schon hier?

Da könnte ich viele aufzählen. Ich sage mal einen, den Arnold Schwarzenegger. Das ist ein Liebling von mir. Das war rein zufällig. Hier war immer ein Mann, der hat nix gearbeitet, war aber immer elegant angezogen. Der stand da im Eckerl mit einer Dose Bier. Es war zur Mittagszeit, dann schreit er: „Hilde, Hilde, mein Freund der Arnie“ (im Geschäft nebenan, Anm.). Dann schaue ich, da ist er tatsächlich. Ich habe zu dem Mann gesagt, wenn Sie mir den Schwarzenegger hierher bringen, dann kriegen Sie von mir 20 Schilling (etwa 1,50 Euro, Anm.).

Eine halbe Stunde hat er gebraucht, bis Schwarzenegger aus dem Geschäft herausgekommen ist und er ihn mitgebracht hat, samt Bodyguards und zwei Kindern. „Hilde, ich stelle dir vor, mein Freund Arnie“, sagte er. Der hat mir mit seiner ganz urigen, sehr bodenständig Art die Hand gegeben und gefragt: „Was verkaufen sie da, was riecht da so gut?“. Ich wollte ihn einladen aber er meinte dann: „Wissen Sie, das riecht so stark. Heute nicht. Aber ich komme am Montag“. Was ist dann passiert? Genau dieses Wochenende ist der John F. Kennedy Jr. abgestürzt und er ist nach Hause geflogen.

Das heißt, er ist nie in den Genuss von einer Original-Bosna gekommen?

Nein, das hat so sein müssen.

Es gibt noch viele andere: Otto Schenk war ein Stammkunde, die ganzen Fußballer und Schauspieler. Hans Krankl kam jede Woche zwei bis drei Mal vorbei, als er in Salzburg war.

Frau Ebner, gehen wir zum Anfang der Bosna?

Ein Bulgare hat 1950 da aufgemacht. Er war Gärtner in Salzburg, im Winter hatte er keine Einnahmen. Der Bräustübl-Direktor war mit den Gärtnern befreundet, für ihn haben sie im Winter immer 30 Paar Nadinizer gemacht. Der hat sie auch auf die Idee gebracht, dass sie das verkaufen sollten. Das wollten sie anfangs nicht, er hat sie aber unterstützt.

1950 hat Zanko Todorow hier in Salzburg ein Lokal gesucht, das nicht zu teuer war, weil Geld war nicht so viel vorhanden. Dadurch ist das Standerl hier mit zwei Quadratmetern herausgekommen. So haben sie angefangen mit Cevapcici und Nadinizer, bald haben sie sich nur auf die Nadinizer konzentriert.

Irgendwann haben sie es umbenannt, weil die Leute nicht Nadinizer sagen konnten. Das war ein schwieriger Name, sie haben immer „scharfe Wurst“ gesagt. Dann wollte es Herr Todorow Bosa nennen, das heißt auf Bulgarisch Jause oder Getränk. Der Schriftenmaler, der das Taferl für den Imbiss geschrieben hat, sagte dann, das wisse wieder keiner, was das heißt, schreiben wir Bosna, das klingt nach Balkan. Und so ist dann der Name entstanden.

Es gibt den Streit um den Ursprung der Bosna. Die Linzer beanspruchen sie auch für sich.

Das in Linz, auch in Wasserburg in Deutschland (die ebenfalls das Original für sich beanspruchen, Anm.), das ist alles nachgemacht. Die Bosna hat ja Nadinizer geheißen, das war der erste Name. Die wissen alle gar nicht, was das ist. Wie soll das dann dort der Ursprung sein? Der Ursprung ist in Salzburg. In Wasserburg war ich persönlich draußen, weil mir Kunden erzählt haben, dass die vom Stand behaupten, ihr Opa dort hätte die Bosna erfunden. Welche Geschichten die erzählt haben, unwahrscheinlich, das ginge ja 200 Jahre zurück. Die Bosna ist in Salzburg entstanden, sie ist von Nadinizer umbenannt worden, an diesem Stand. Wenn ich bei einem anderen Imbiss nach einer Nadinizer frage, kennen sie die gar nicht.

Die Nummer 1 auf der Karte ist das Original./SALZBURG24/Gann Die Nummer 1 auf der Karte ist das Original./SALZBURG24/Gann ©

Was drinnen ist, ist geheim?

Ja, Gewürz und Wurst, das ist ein Geheimnis, auch der Bäcker.

Sie wissen es aber schon?

Nein, ich weiß es nicht, das interessiert mich ja gar nicht. Die Leute haben am Anfang immer gefragt, was denn da drinnen sei. Der Metzger muss ja Angst haben, dass es einer weiß und weitergibt.

Wie sind Sie denn zum Balkan Grill gekommen?

Rein zufällig. Meine Tante kannte eine Freundin von Frau Walter (von der Metzgerei, Anm.) und hat erfahren, dass sie jemand Verlässlichen für das Bosnastandl suchen. Und durch das sind wir ins Gespräch gekommen, aber ich habe nicht von heute auf morgen ja gesagt.

Sie haben mich lange präpariert und es mir auch sehr lukrativ gemacht. Nach Monaten hab ich gesagt: Wenn, dann nur mit meiner Freundin. Auf zwei Quadratmetern arbeiten, da musst du dich vertragen, sonst funktioniert das nicht. Dann habe ich einen Anruf bekommen, alles okay Frau Ebner, hat es geheißen. Und so bin ich hier reingekommen.

Die erste Woche war schwierig für mich. Da hab ich mir gedacht, was hab ich gemacht. Ich gebe meine Arbeit auf, der ich mit Leib und Seele nachgegangen bin, und dann stehe ich hier herinnen. Ich habe mich gefühlt, als würde ich überall anstoßen. Und zu wenig Aufgabe war mir das.

Die Freundin ist nach zwei Jahren in Pension gegangen. Danach hab ich meine Cousine hereingeholt. Die ist dann in Frühpension gegangen. Schließlich habe ich zu Herrn Walter gesagt, jetzt brauche ich niemanden mehr, weil das ist eine Arbeit für Eine.

Wie lange haben Sie den Laden alleine geschmissen?

Ich war 14 Jahre ganz allein herinnen. Sieben Tage die Woche, ich habe immer durchgearbeitet, im Dezember hat mir jemand geholfen.

Wie viel vom Balkan Grill macht Hildegard Ebner aus?

Da muss man den Chef fragen (Eigentümer Hans Walter kam gerade zufällig vorbei, Anm.).

HANS WALTER: Mindestens drei Viertel. Die Hilde hat das Ganze aufgebaut. Ohne der Hilfe hätten wir nie diese Erfolge gehabt.

Freut mich, dass er das sagt. Aber es stimmt.

Ich habe mal mit einer Reiseführerin gesprochen und gemeint, es sind so viele Asiaten in Salzburg, kann man da nicht mal eine Geschichte machen oder was in den Reiseführer geben. Das hat sie dann auch getan. Vor 17 oder 18 Jahren ist jemand auf die Idee gekommen, nachdem so viele Japaner in Salzburg sind, sie machen in Japan eine Fernsehgeschichte. Wir haben das dann vereinbart, es war ein Ostermontag, Menschen über Menschen sind gekommen, überall waren Kameras. Um 8.30 Uhr haben wir mit der Geschichte angefangen und um halb zwei waren sie fertig  wenn man einen Film dreht, kann es auch nicht anders sein. Das war im April und im Juni ist eine Asiatin vorbeigegangen, auf einmal schreit sie: “Televisa, Televisa”. Dann habe ich gemerkt, die hat das gesehen, es ist ausgestrahlt worden. Seither überlaufen uns die Asiaten.

Mit Reiseführer, Fernseh- und Zeitungsgeschichten hat man das wirklich verbreitet. Die Leute kommen von überall, wir haben so viele Reiseführer gemacht, Kanada, Amerika, Russland, mit den Asiaten sowieso, man glaubt das gar nicht, wenn ich das wem sage. Wenn das nirgends drinnen steht, wer findet das als Tourist schon, ist ja doch ein bisschen versteckt.

Bei einem Besuch an Hildegard Ebners Arbeitsplatz sollte man keine Platzangst haben./SALZBURG24/Gann Bei einem Besuch an Hildegard Ebners Arbeitsplatz sollte man keine Platzangst haben./SALZBURG24/Gann ©

Sie sind auch recht sportbegeistert, habe ich gehört.

Woher wissen Sie denn das? Ich gehe schon 45 Jahre auf den Fußballplatz und zum Eishockey, ich habe überall eine Dauerkarte. Wenn es sich kreuzt, was sehr oft ist, muss ich was an die erste Stelle ziehen. Das ist dann Eishockey.

Was taugt Ihnen am Eishockey?

Erst mal ist das viel interessanter. Wenn ich 3:0 zurückliege, dann kann ich das innerhalb von zwei Minuten aufholen. Wenn das beim Fußball der Fall ist, glaube ich kaum, dass das in wenigen Minuten geht. Da wird der Ball auch viel mehr hin und her geschoben. Beim Eishockey musst du einfach laufen. Es ist interessanter, weil es ein schnellerer Sport ist. Und da werde ich hingehen, solange ich kriechen kann.

Kommen die Leute auch vorbei, damit sie sich informieren, was so im Sport los ist?

Jaja genug. Ältere Männer, die vermissen mich ja so. Weil die können daheim mit ihren Frauen nicht über Sport diskutieren, da bin ich die erste Anlaufstelle. Und die wissen, dass ich immer am Montag da bin, und da wollen sie halt diskutieren. Ach, Gott und die Welt kommt vorbei.

Eine (fast) letzte Frage noch: Was braucht man, damit man 30 Jahre im Balkan Grill durchhält?

Was mich da so stark macht, das sind die Gene von meinem Vater. Er hat bis 80 in einem Sägewerk gearbeitet, krank sein kannte er nicht. Bei mir ist es das Gleiche. Und wenn was zwickt, dann gehe ich trotzdem arbeiten. Ich war hier drinnen und auch im Job davor nie im Krankenstand. Aber ich muss ehrlich sein, ich muss auf Holz klopfen (klopft auf einen Tisch), dass es mir so gut geht. Ich bin daheim auch unruhig. Ich habe ein Haus und da gibt es auch Arbeit. Ich denke schon in der Nacht, was kann ich heute machen. Das hat man einfach drinnen.

Sie sind keine Person, die gerne auf der Liege liegt?

Nein, das müsste alles perfekt sein, damit ich eine Freude habe, dass ich mich dann mal eine Stunde hinlege. Aber ich finde mir so viel Arbeit, egal wo.

Vielen Dank für das Gespräch Frau Ebner. 

Etwas versteckt und doch finden unzählige Gäste zum Balkan Grill./SALZBURG24/Gann Etwas versteckt und doch finden unzählige Gäste zum Balkan Grill./SALZBURG24/Gann ©

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Weihnachtsbaum-Vergleich: Prei... +++ - So geht die perfekte Rettungsg... +++ - Weiße Weihnachten 2017: So ste... +++ - Neue Krampuspass in Berndorf m... +++ - Bereits 30.000 Unterstützer fü... +++ - Wetter: Föhnsturm sorgt in Sal... +++ - Autoeinbrecher schlagen mehrma... +++ - Föhnsturm: Baum stürzt in St. ... +++ - Mann durch Blechdach schwer ve... +++ - Föhn: Baum stürzt auf Auto +++ - Arbeiter bei Unfall in der Sta... +++ - Föhnsturm fegt über Salzburg: ... +++ - Salzburgs neuer Bürgermeister ... +++ - Nach Bürgermeisterwahl: Neuord... +++ - dm mit Italien-Debüt: Shop in ... +++
11Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel