Spätstarter Lukse und Madl als kleine Sieger gegen Slowakei

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Gelungenes Debüt des 29-jährigen Andreas Lukse
Gelungenes Debüt des 29-jährigen Andreas Lukse - © APA
Trotz des tristen Abschlusses eines tristen Länderspieljahres durften sich zumindest Andreas Lukse und Michael Madl über ein persönliches Erfolgserlebnis freuen. Beide feierten am Dienstag im Happel-Stadion beim 0:0 im Fußball-Testspiel gegen die Slowakei so wie auch Stefan Stangl ihr A-Team-Debüt und stellten dabei unter Beweis, dass sie Alternativen für die ÖFB-Startformation sein können.

Goalie Lukse kam als erster Altach-Profi zu einem Einsatz in der Nationalmannschaft und machte bei seiner Premiere zwei Chancen der Gäste zunichte, eine davon in der Anfangsphase. “Als Tormann braucht man immer auch ein Quäntchen Glück, dass man gleich den ersten Ball halten kann, dann ist man voll in der Partie drin.”

Der Wiener sprach von einem “besonderen Abend. Über ein Nationalteam-Debüt geht nicht viel drüber.” Der mittlerweile 29-Jährige galt lange als das wohl größte Torhüter-Talent des Landes, leistete sich aber in der Vergangenheit außerhalb des Platzes so manchen Fehltritt, was auch dazu führte, dass er Ende 2008 das Einserleiberl bei Rapid verlor.

Es folgten Stationen bei Sturm Graz, Vienna, FC Lustenau und Kapfenberg, ehe es mit Altach wieder so richtig bergauf ging. “Ich habe mir auch selbst viele Steine in den Weg gelegt, aber Gott sei Dank habe ich noch die Kurve bekommen.”

Der Aufschwung begann laut Lukse, als ihn Damir Canadi 2011 zum FC Lustenau transferierte. “Er hat mich aus der Versenkung geholt”, erklärte der Jungvater. Canadi lotste den Keeper später nach Altach, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass der ehemalige Rapid-Nachwuchsspieler seinem Lieblingstrainer auch nach Wien-Hütteldorf folgt, obwohl er betonte: “Es waren vier, fünf harte Jahre in der zweiten Liga. Jetzt bin ich froh, Teil des Höhenflugs bei Altach zu sein.”

Durch Lukses und Madls Debüt schafften es schon neun Kicker aus dem Kader der U20-WM-Vierten von 2007 ins A-Team – davor war dies Erwin Hoffer, Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic, Martin Harnik, Veli Kavlak, Markus Suttner und Rubin Okotie gelungen. “Michael (Madl) und ich haben vor dem Spiel noch Scherze gemacht und gesagt, dass wir nicht mehr daran geglaubt haben, nach so langer Zeit noch in der Nationalmannschaft zu spielen”, erzählte Lukse.

Auch Madl zeigte sich hocherfreut. “Wir sind beide Spätstarter. Dass wir jetzt noch unser Debüt feiern konnten, ist nicht normal. Leider konnten wir es nicht mit einem Sieg krönen”, meinte der 28-Jährige. Er habe mit Lukse oft über die alten Zeiten bei der U20-WM in Kanada gesprochen. “Das ist schon ein ganz besonderer Jahrgang.”

Madl rückte anstelle des verletzten Prödl ins ÖFB-Aufgebot, obwohl er beim englischen Zweitligisten Fulham in den vergangenen sieben Liga-Partien nur einmal zum Einsatz kam und in den jüngsten beiden Matches nicht einmal im Kader stand. “Solche Geschichten schreibt der Fußball. In einem Moment bist du weg, im anderen debütierst du im Happel-Stadion in der Nationalmannschaft.”

Seine aktuelle Situation bei Fulham bezeichnete Madl als Wellental. “Es ist schon einmal besser gelaufen, aber ich habe gutes Feedback vom Trainer bekommen, deswegen mache ich mir keine großen Sorgen”, erklärte der Innenverteidiger.

Kein Debüt, aber ein Comeback gab es für Valentino Lazaro – der 20-Jährige absolvierte gegen die Slowakei sein insgesamt fünftes Länderspiel, das erste nach einer über zweijährigen Pause. “Der Trainer hat es mir schon vor ein paar Tagen gesagt, dementsprechend gut konnte ich mich vorbereiten”, sagte der Salzburg-Profi.

Während Lazaro bei den “Bullen” zumeist als Flügelspieler eingesetzt wird, ist er in der ÖFB-Auswahl als Rechtsverteidiger vorgesehen. “Ich denke, ich habe in einigen Situationen gezeigt, dass ich eine Alternative sein kann, weiß aber auch, dass noch mehr geht.” Mit der im Vergleich zum Club deutlich defensiveren Position hat sich Lazaro bereits angefreundet. “Da kann ich hineinwachsen und bin dadurch für meine weitere Karriere variabler”, meinte der Steirer.

Auch wenn die Experimente mit Lukse, Madl und Lazaro nicht in die Hose gingen, blieb für das ÖFB-Team gegen die Slowakei dennoch der erhoffte Befreiungsschlag nach den jüngsten Misserfolgen aus. “Das Ergebnis ist für niemanden schön, die Leistung war auch nicht so gut”, gab Kapitän Julian Baumgartlinger zu und forderte mit Blick auf das kommende Jahr: “Wir müssen mit neuem Elan anfangen und den Reset schaffen.”

Das wird auch dringend nötig sein, denn 2016 lieferte das ÖFB-Team das schlechteste Länderspieljahr seit 2011 ab. Nach zwölf Partien steht die Bilanz bei drei Siegen, drei Remis, sechs Niederlagen und einem Torverhältnis von 12:17. Vor der kommenden WM-Quali-Partie am 24. März 2017 im Happel-Stadion gegen die Republik Moldau ist man schon vier Partien sieglos.

So eine Misserfolgsserie legten die Österreicher auch im Juni aufgrund der Testspiel-Niederlage gegen die Niederlande und den darauffolgenden drei EM-Partien hin. Davor war man von Oktober 2010 bis Juni 2011 sechs Matches ohne vollen Erfolg geblieben. Außerdem wartet die rot-weiß-rote Equipe seit zwei Spielen auf einen Torerfolg – das passierte zuletzt im Juni sogar dreimal en suite und davor im Sommer 2013.

(APA)

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