Altach nach in letzter Sekunde fixiertem 2:1 Tabellenführer

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Harter Fight im Innviertel
Harter Fight im Innviertel - © APA (EXPA)
Der SCR Altach hat in der Fußball-Bundesliga zumindest für einen Tag die Tabellenführung übernommen. Die Vorarlberger feierten zum Auftakt der 16. Runde beim Schlusslicht SV Mattersburg einen sehr glücklichen 2:1-(1:0)-Erfolg. Den ersten Triumph im Pappelstadion überhaupt fixierte Louis Ngwat-Mahop erst in der 95. Minute. Die SV Ried verlor zuvor in letzter Minute gegen Nachzügler St. Pölten 1:2.

Der neue Leader hängte Sturm Graz vorerst um drei Punkte ab. Die Grazer können aber die Spitzenposition am Sonntag mit einem Sieg bei Rapid wieder zurückerobern. Sollten die Vorarlberger vorne bleiben, wären sie das zum dritten Mal in dieser Saison nach den Runden drei und vier. Der Vorsprung auf Red Bull Salzburg, die Wiener Austria (je 5) und Rapid (13) konnte vorerst weiter ausgebaut werden.

Nach Toren von Nikola Dovedan (23.) bzw. Florian Templ (69.) waren eigentlich die Mattersburger dem Sieg näher. In der letzten Aktion stellte aber Mahop den Spielverlauf zugunsten der nach Gelb-Roter Karte für Nicolas Ngamaleu (45.+1/Unsportlichkeit) in der zweiten Hälfte in Unterzahl agierenden Altacher auf den Kopf. Im neunten Liga-Anlauf gab es für die Gäste zum ersten Mal in Mattersburg einen Sieg, die eigene ungeschlagene Serie konnte auf acht Partien ausgebaut werden. Unter Interimstrainer Werner Grabherr gab es vier Punkte aus zwei Spielen. Nach dem 1:1 gegen Sturm folgte der Premierensieg des 31-Jährigen.

Bei Mattersburg wird der Druck für Coach Ivica Vastic nach dem Ende einer Miniserie von zwei Partien ohne Niederlage immer größer, auch da der Rückstand auf den Vorletzten SKN St. Pölten (2:1 in Ried) auf schon vier Punkte anwuchs.

Grabherr änderte bei den Altachern wenig, setzt auf Kontinuität. Zum zweiten Mal schickte er genau jene Elf zu Beginn aufs Feld, die auch Ex-Coach Damir Canadi, der als Spion auf der Tribüne saß, bei seiner letzten Partie, dem 5:1 gegen die Wiener Austria, aufgeboten hatte.

Altachs erster guter Konter führte fast zum Erfolg, Andreas Lienhart konnte aber gerade noch beim Abschluss gestört werden, der Ball ging drüber (13.). Mattersburg wurde aus dem Spiel heraus nicht gefährlich, sondern nur nach ruhenden Bällen. Am nächsten kam Templ einem Treffer, der Kopfball des anstelle des verletzten Patrick Bürger aufgebotenen Angreifers ging aber drüber (15.).

Da im Offensivspiel von beiden Seiten in der Folge wenig zu sehen war, war es nicht überraschend, dass der Führungstreffer aus einer Standardsituation fiel. Dovedan ließ mit einem perfekt über die Mauer geschossenen Freistoß aus mehr als 20 Metern Mattersburg-Tormann Markus Böcskör keine Chance (23.). Es war bereits Saisontor Nummer sechs für den ÖFB-U21-Teamspieler. Altach war auch in der Folge sehr passsicher, stand bombensicher und machte kaum Fehler. Einer hatte allerdings Folgen. Ngamaleu schoss nach einer Foulentscheidung mit der Hand den Ball weg und sah dafür regeltechnisch zurecht Gelb-Rote (45.+1).

Das spielte den Mattersburgern in die Karten, sie drückten nach dem Seitenwechsel auf den Ausgleich. ÖFB-Teamgoalie Andreas Lukse konnte in höchster Not vor dem kurz zuvor eingewechselten Barnabas Varga retten (67.). Zwei Minuten später war der Ex-Rapidler aber geschlagen. Nach einem Jano-Eckball und Maksimenko-Kopfball drückte Templ den Ball aus kurzer Distanz über die Linie.

Die Vastic-Truppe kann also einfach nur nach Standards treffen, es war der siebente diesbezügliche Treffer in Folge, sowie der elfte von 15. Templ (79.), Varga (85.) und Markus Pink (87.) ließen in der Folge die Chance auf die Führung aus. Das rächte sich in letzter Sekunde. Der von einer Behandlungspause zurück aufs Feld geeilte Ngwat-Mahop traf per Kopf – nach einem Lienhart-Freistoß und einer Netzer-Weiterleitung. Damit endete auch das zweite direkte Duell mit einem Altacher 2:1-Sieg.

Der SKN St. Pölten verwickelte zuvor die SV Ried richtig in den Abstiegskampf. Der Aufsteiger feierte einen 2:1-Last-Minute-Sieg und rückte als Vorletzter dem Siebenten aus dem Innviertel bis auf drei Punkte nahe. Das Team von Coach Jochen Fallmann setzte damit den Aufwärtstrend fort, ist nun drei Partien unbesiegt, holte dabei zwei Siege.

Daniel Petrovic (53.) und Jeroen Lumu (90.) sorgten dafür, dass die Niederösterreicher nun in drei Runden mehr Siege gefeiert haben als im gesamten Saisonverlauf zuvor. Der Abstand auf Schlusslicht SV Mattersburg, das am Abend den Zweiten SCR Altach zu Gast hatte, konnte vorerst auf vier Zähler vergrößert werden. Der Achte Admira Wacker Mödling, erst am Sonntag bei Red Bull Salzburg im Einsatz, ist nur noch zwei Zähler entfernt.

Interimstrainer Fallmann betreibt damit weiter Eigenwerbung im Kampf um einen Verbleib über das Jahr 2016 hinaus. Für die Rieder, die erstmals diese Saison nach einer 1:0-Führung verloren, war ein Treffer von Thomas Reifeltshammer (45.+2) zu wenig.

Fallmann hatte seine Truppe vor der Partie “auf Augenhöhe” mit den Riedern gesehen. Das war dann auch in den ersten 20 Minuten gleich einmal so, da hatten die Niederösterreicher auch die besseren Momente und die in Hälfte eins einzige eigene Topchance. Nach sehenswertem Zusammenspiel zwischen Alhassane Keita und Lukas Thürauer rettete Thomas Gebauer in höchster Not (13.).

Nach rund 20 Minuten übernahmen aber die Rieder das Kommando, waren aggressiver, stark in den Zweikämpfen und auch gefährlich. David Stec rettete nach einem Möschl-Kopfball glücklich zur Ecke (24.). In der 38. Minute kam der von Michael Huber wohl auch leicht gefoulte Marcel Ziegl im Strafraum nicht richtig zum Abschluss, Thomas Vollnhofer konnte parieren. Eine gut angetragenen Zulj-Freistoß ging daneben (42.).

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff belohnten sich die Hausherren aber doch für ihren höheren Aufwand. Nach einer Bergmann-Freistoßflanke köpfelte Reifeltshammer ein (45.+2). St. Pölten zeigte also wieder Schwächen bei Standards des Gegners, zuletzt beim 2:2 gegen Mattersburg hatte man beide Gegentreffer nach ruhenden Bällen kassiert.

Dass dabei auch Ried anfällig ist, wurde gleich nach Wiederbeginn deutlich. Nach einem kurz abgespielten Corner und einer weiten Holzmann-Flanke auf die zweite Stange konnte Petrovic einköpfeln, da sich Gebauer verschätzt hatte (53.). Ried wirkte etwas geschockt, konnte nicht mehr an die Leistung vor der Pause anschließen. St. Pölten war besser im Spiel, hatte aber auch Glück, dass Orhan Ademi alleine stehend vor Vollnhofer keine Goalgetter-Qualitäten zeigte (79.).

In der Schlussphase spielten nur mehr die Gäste. Ein Lumu-Schuss wurde geblockt, beim Keita-Nachschuss war Gebauer auf dem Posten (82.). Unmittelbar nachdem der aktive “Joker” Lumu danebengeschossen hatte (85.), verfehlte auch der vom starken Keita ideal bediente Thürauer aus bester Position das Gehäuse (86.). Jubeln durfte die Fallmann-Truppe aber doch noch einmal. Nach idealem Martic-Pass passte ein Lumu-Flugkopfball genau (90.), Gebauer war ohne Chance. St. Pölten revanchierte sich damit für die 2:3-Liga-Niederlage in der NV Arena, in der sie in der 2. ÖFB-Cup-Runde gegen Ried 2:1 gewonnen hatten.

(APA)

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