Staatsoper Wien in Japan: “Finanzielle Situation schwierig”

Kulturaustausch ist teuer – vor allem, wenn er von rein privater Seite geleistet wird. Das gilt auch für das mittlerweile 9. Gastspiel der Wiener Staatsoper in Japan. “Die finanzielle Situation ist sehr, sehr schwierig”, unterstrich Norio Takahashi vor Journalisten in Tokio. Der Kulturmanager leitet seit 2003 die NBS-Stiftung, welche als Veranstalter hinter dem Staatsopern-Gastspiel steht.

Auf rund eine Milliarde Yen (8,65 Mio. Euro) belaufen sich demnach die Gesamtkosten für das Unterfangen – denen neben Sponsorenbeiträgen lediglich die Ticketpreise gegenüberstehen, die entsprechend exorbitant sind. Die teuerste Karte wurde dieses Mal für 67.000 Yen (knapp 580 Euro) verkauft, die billigste kam immerhin auch noch auf 13.000 Yen (112 Euro). “Das ist natürlich unglaublich teuer”, gesteht auch Takahashi zu. Zugleich hätten sich die Hotelkosten in Tokio im Vergleich zum vergangenen Gastspiel vor vier Jahren verdoppelt.

Damit verschärft sich ein Umstand, mit dem auch viele Häuser im Westen zu kämpfen haben. “Unser größtes Problem ist jetzt, dass das Publikum immer älter wird und wir leider die Jungen mit den hohen Eintrittspreisen nicht mehr so gewinnen können”, bedauerte Takahashi. So lasse sich jetzt bereits sagen: “Für NBS hat sich aus dem Gastspiel der Wiener Staatsoper ein großes Defizit ergeben.”

Entsprechend wollte sich der Stiftungschef auch nicht auf künftige Gastspiele festlegen lassen: “Für die Zukunft kann ich keine Aussage treffen.” Seine Conclusio: “Eigentlich sollten solche Projekte nur zwischen zwei Staaten, zwei Regierungen aufgesetzt werden. NBS ist aber privat finanziert.”

Gegründet wurde die NBS-Stiftung (die Japan Performing Arts Foundation), zu der auch das Tokyo Ballett gehört, vom in Nippon legendären Tadatsugu Sasaki, der am 30. April im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Der begeisterte Liebhaber europäischer Kultur förderte als Impresario über Jahrzehnte den kulturellen Austausch zwischen West und Ost. So brachte er seit der Gründung der Stiftung 1981 die wichtigsten Orchester, Opernhäuser und Ballettkompanien nach Japan – neben der Staatsoper oder der Wiener Volksoper auch die Mailänder Scala, die Royal Opera Covent Garden oder die New Yorker Metropolitan Opera.

(APA)

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