Salzburgs Bergretter immer mehr gefordert: Wer zahlt die Einsätze?

38 Euro pro Stunde verlangt die Salzburger Bergrettung bei einem Einsatz.
38 Euro pro Stunde verlangt die Salzburger Bergrettung bei einem Einsatz. - © Bergrettung Salzburg/Maria Riedler
Salzburgs Bergretter sind geforderter denn je. Der Outdoor-Boom lockt immer mehr Menschen in die Berge – im Sommer, wie im Winter. Zu Unfällen am Berg kommt es schnell, Suchaktionen sind keine Seltenheit mehr. Erst am Dreikönigstag konnten zwei Tourengeher nach zweitägiger Suche in Hintersee zum Glück unversehrt geborgen werden. Ist ein Hubschrauber im Einsatz, kostet das schnell an die 10.000 Euro oder mehr. Doch wer zahlt das eigentlich?




„Jeder Einsatz der Bergretter wird an den jeweiligen Ortsstellen abgerechnet“, erklärt Maria Riedler von der Salzburger Bergrettung im Interview mit SALZBURG24. Im Fall des Einsatzes in Hintersee im Flachgau bei dem knapp 50 Bergretter, Alpinpolizisten und der Polizeihubschrauber zwei Tage lang nach den Vermissten suchten, ist die Kostenfrage noch völlig offen. „Wir wissen derzeit weder, was der Einsatz genau gekostet hat, noch ob die beiden Männer versichert sind“, so Riedler. Das zu eruieren werde noch etwa einen Monat dauern.

Bergrettung verlangt 38 Euro pro Stunde

Grundsätzlich verlangt die Bergrettung, deren Mitglieder ehrenamtlich tätig sind, für den Einsatz 38 Euro pro Stunde. „Das ist das mindeste, das wir brauchen, um unsere Leute auszubilden und auszurüsten.“ Gerade wenn ein Hubschrauber im Einsatz ist, kann eine Such- oder Bergeaktion schnell zu enormen Kosten führen. So kommt etwa auf einen 35-jährigen Alpinsportler aus Oberösterreich, der am Dreikönigstag einen Großeinsatz ausgelöst hatte, eine Rechnung von 15.000 Euro zu. Davon kostet alleine der Einsatz der Bergrettung laut APA-Bericht zwischen 7.000 und 9.000 Euro. „Wenn die Leute keine Versicherung haben, müssen sie den Einsatz grundsätzlich selbst bezahlen“, klärt Riedler auf. Allerdings reite die Bergrettung Salzburg auch nicht auf jedem Euro herum und lasse auch immer wieder Kulanz walten. Demnach hatten die Salzburger Einsatzkräfte im vergangenen Jahr einen Kostenaufwand von rund 300.000 Euro. „Auf zirka 100.000 Euro sind wir sitzen geblieben, die hat niemand bezahlt“, so Riedler.

Unbedingt Zusatzversicherung zulegen!

Die Sprecherin der Bergrettung appelliert an alle Alpinsportler, sich eine Zusatzversicherung zuzulegen. Denn die Einsätze werden von der österreichischen Sozialversicherung nicht gedeckt. Angebote dafür gibt es genügend. Für einen Förderbeitrag von 24 Euro pro Jahr übernimmt beispielsweise die Bergrettung die Kosten einer Such- und Bergeaktion für eine ganze Familie bis zu einem Höchstbetrag von 15.000 Euro pro Person – weltweit.

Nur Polizeihubschrauber fliegen gratis – noch

Schnell ins Geld gehen auch die Einsätze von Rettungshubschraubern. Bei der Christophorus-Flugrettung des ÖAMTC wird bei Einsätzen nach Sport- und Freizeitunfällen nach Flugminuten abgerechnet. “Im Schnitt geht es um 3.500 Euro”, so Sprecher Ralph Schüller. Noch kostenlos fliegen die Polizeihubschrauber des Innenministeriums. Doch das könnte sich bald ändern. „Nachdem die Einsätze mit Hubschraubern eklatant zunehmen, wird derzeit über eine mögliche Verrechnung diskutiert“, verrät Riedler. Dazu müsste aber eine Änderung im Sicherheitsgesetz vorgenommen werden. Aus dem Innenministerium heißt es: Nachgedacht werde über Kostenersatz für jene Alpinsportler, die es “offenkundig bewusst in Kauf nehmen, auf Steuerkosten” geborgen zu werden, sagte Sprecher Karl-Heinz Grundböck. Die Flugpolizei zählt pro Jahr zwischen 300 und 400 Bergungen von unverletzten Freizeitsportlern österreichweit.

Auch in Hintersee war ein Polizeihubschrauber im Einsatz./Die Besatzung des Polizeihubschraubers hat die beiden Vermissten entdeckt./BMI/LPD Salzburg Auch in Hintersee war ein Polizeihubschrauber im Einsatz./Die Besatzung des Polizeihubschraubers hat die beiden Vermissten entdeckt./BMI/LPD Salzburg ©

Vorbereitung auf Bergtour ist Pflicht

Damit es aber erst gar nicht um Unglück oder einer Suchaktion am Berg kommt, rät Riedler den Alpinsportlern, sich vorab vorzubereiten. „Im Vergleich zu früher sehen wir immer mehr Leute am Berg, die gar keine Alpinisten sind“, so Riedler. „Wie plane ich eine Tour, wie studiere ich die Wetterkarte und welche Ausrüstung benötige ich?“ Mit dem immer größer werdenden Hype um den Sport am Berg kommt in Zukunft kein Hobby-Gipfelstürmer mehr drum herum, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

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