Stadtbahn-Beauftragter Willi Rehberg im Sonntags-Talk: “Landesrat Mayr hat sich einfach geirrt”

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Willi Rehberg übernahm die vergangenen zwölf Monate die Funktion des Stadtbahn-Beauftragten.
Willi Rehberg übernahm die vergangenen zwölf Monate die Funktion des Stadtbahn-Beauftragten. - © SALZBURG24/privat
Nach einer Arbeitszeit von zwölf Monaten präsentierte Willi Rehberg am Montag seinen Bericht zur heiß diskutierten Stadtregionalbahn im Salzburger Stadtsenat. Rehberg verabschiedet sich mit einem Paukenschlag: Sein Bericht scheint Mayrs Vision vom „Quantensprung in der Verkehrspolitik“ endgültig zu zerstören. Denn der 81-jährige Berater Heinz Schadens rechnet Kosten von 1,5 Milliarden Euro für die Stadtregionalbahn vor. Wir haben uns mit dem ehemaligen Thyssen- und Krupp-Manager am letzten Tag in seiner Funktion als Stadtbahn-Beauftragter in seinem schon fast ausgeräumten Büro zum Sonntags-Talk getroffen.




SALZBURG24: Ihr Bericht zur Stadtregionalbahn hat in den letzten Tagen für viel Wirbel gesorgt. Haben Sie damit gerechnet?

WILLI REHBERG: Ja, ich habe schon damit gerechnet, dass das durch die Medien geht. Aber ich bin auch davon ausgegangen, dass der Bericht besser gelesen wird.

Bei der Präsentation im Stadtsenat am Montag habe ich versucht, jede einzelne Zahl, die in dem Bericht steht, zu erläutern. Zum Beispiel habe ich versucht zu erklären, wie ich darauf komme, dass eine Stadtregionalbahn lediglich 5.000 Autofahrten pro Tag einsparen würde. Diese Zahl stammt nicht von mir, sondern von einer Untersuchung der PTV (eine Studie der Karlsruher PTV Group auf die sich Landesrat Hans Mayr stützt, Anm. d. R.). PVT hat für diese Berechnung Daten der Universität Graz herangezogen. Die 5.000 Autofahrten haben die ermittelt, aber ich wurde mehr oder weniger beschimpft, warum ich auf solche idiotischen Zahlen komme (lacht).

Noch im Jänner hat Landesrat Hans Mayr auch im Interview mit SALZBURG24 von Gesamtprojektkosten von 870 Millionen Euro gesprochen. Sie sprechen in Ihrem Bericht von 1,5 Milliarden Euro. Wie kommt ein solcher Unterschied zustande?

Das ist eigentlich ganz einfach. Herr Landesrat Mayr hat mir diesen Jänner ein Papier zur Verfügung gestellt, in dem die neuesten Zahlen enthalten waren, die das Land Salzburg ermittelt hat. Und das waren ungefähr – ich arbeite jetzt ohne Schwindelzettel – 980 Millionen Euro. Und zu diesen geschätzten 980 Millionen Gesamtprojektkosten sind in dem Papier noch 33 Millionen Zinsen während der Bauzeit angeführt gewesen. Und so kommt man auf über eine Milliarde Euro.

Der von Landesrat Mayr propagierte Betrag von 870 Millionen Euro wurde in diesem Papier zwar angeführt, aber in einem ganz anderen Zusammenhang. Nämlich als Salzburger Anteil mit Zinsen und so weiter – aber niemals als Gesamtbetrag. Landesrat Mayr hat sich schlicht und einfach geirrt.

Die 980 Millionen Euro sind ein von dem Projektleiter, Landesbaudirektor Nagl, anerkannter Betrag. Dieser Betrag sollte auf Wunsch des Landes auf 35 Jahre finanziert sein, was ich im Übrigen viel zu lange finde. Dazu kommen die Zinsen, die in dem Papier mit 2,5 Prozent angegeben werden. Und: Zu den Zinsen kommt noch die Instandhaltung dazu. Denn wenn du 35 Jahre lang eine Bahn betreibst, musst du nicht nur Instandhalten, du musst auch immer wieder Neues anschaffen. Und genau diese Kosten habe ich von den Wiener Linien übernommen und in meinen Bericht miteingerechnet. Die Ist-Kosten, so wie sie jetzt anfallen, betragen in Wien etwa 15 Millionen Euro im Jahr. Auf Salzburg umgerechnet und valorisiert bedeutet das einen Betrag von mindestens 15,8 Millionen Euro pro Jahr. Und so kommt man dann auf die 1,475 Milliarden Euro Gesamtkosten für die Stadtregionalbahn. Das ist völlig transparent.

Also die Instandhaltungskosten wurden in dem ursprünglichen Bericht vom Land Salzburg gar nicht berücksichtigt?

Nein. Da hat keiner dran gedacht.

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrer Funktion als Stadtbahn-Beauftragter gekommen?

Ich bin gebeten worden mit Bürgermeister Heinz Schaden Kontakt aufzunehmen. Das habe ich getan. Seit der Präsentation der Studie durch Mayr war zu dem Zeitpunkt zirka ein Jahr vergangen und das Land wollte mit der Planung der Stadtregionalbahn anfangen. Alleine die Planung hätte zwischen 40 und 60 Millionen Euro gekostet, wovon die Hälfte von der Stadt zu bezahlen gewesen wäre. Aber solange man nicht wusste, was das Projekt tatsächlich kostet, wollte der Bürgermeister kein Geld für die Planung in die Hand nehmen. Diese Situation hat mir Heinz Schaden bei dem Gespräch geschildert. Dazu kam, dass in der Stadt niemand wirklich für das Projekt zuständig war. Es passte einfach nicht wirklich in eine Magistrats-Abteilung. Und dann habe ich zu Bürgermeister Schaden gesagt: „Sie brauchen einen Stadtbahn-Beauftragten.“ Er hat mich angeschaut und ich habe gesagt, „Ja, ich mach’s!“. So ist das zustande gekommen.

Die Entscheidung war für Sie also sofort klar?

Auf der Stelle. So wie wir jetzt da sitzen. Das Gespräch mit Bürgermeister Schaden war für eine halbe Stunde angesetzt. Länger kann man ja mit dem Bürgermeister nicht reden. Und ich habe gesagt: „Aber ich möchte eingebunden sein in den Apparat und ich möchte ein Büro haben.“ Das habe ich bekommen. Hier in der Faberstraße 11.

Kritiker bezeichnen Sie als „Stadtbahn-Entsorgungsbeauftragten“ und sagen, es sei damit zu rechnen gewesen, dass der Bericht negativ ausfällt. Was sagen Sie dazu? Mit ihrer persönlichen Meinung zur Stadtregionalbahn haben Sie ja im Vorfeld nicht hinterm Berg gehalten.

Tja. Als Corpus Delicti hat man einen Leserbrief von mir aus dem August 2015 genommen. Ich bin kein Verkehrsfachmann und habe mich für die Sache Verkehr eigentlich nie wirklich interessiert. Ich habe mich aber immer sehr für Großprojekte interessiert. Im Thyssen-Krupp-Konzern habe ich wirklich ganz große Projekte abgewickelt. Und das unter schwierigsten Umständen: Ein Trinkwasserwerk im Süden vom Irak während des Irak-Iran-Krieges, mit türkischen Bauunternehmern. Und ich glaube, das, was ich gemacht habe, kann ich.

Zurück zum Leserbrief. Als ich den geschrieben habe, ist gerade klar geworden, dass man jetzt in die Planung dieses Mega-Projekts gehen und zig Millionen dafür ausgeben will. In dem Brief habe ich kritisiert, dass das nicht besser angeschaut wird, bevor man so viel Geld in die Hand nehmen will. Ich konnte das nicht verstehen und gab dem Bürgermeister Recht, wenn er versucht, das Projekt einzubremsen. Nach dem Leserbrief bekam ich den Titel ‚Bahnhasser‘. Ich kann dazu nur eines sagen: Natürlich habe ich eine eigene Meinung gehabt, aber ich habe mir das Projekt und die Zahlen dahinter objektiv angesehen. Dass ich auf fast 1,5 Milliarden Euro nur für den Salzburger Anteil komme, damit hat ja niemand gerechnet. Ich habe nur vorgerechnet, entscheiden muss die Politik.

Ich erinnere mich zurück: So wie Sie heute mit mir das letzte Gespräch führen, so hatte ich das erste Gespräch als Stadtbahn-Beauftragter in diesem Büro mit den Grünen. Bund, Land und Stadt waren da. Sie wollten wissen, wie ich vorgehen werde und wollten mit mir reden, damit die Bahn schneller gebaut werden kann. Ich habe ihnen dann aber erklärt, dass das Projekt so abgewickelt werden muss, dass wir in Salzburg zum Schluss noch Geld in der Tischlade haben. Ich hab ihnen die Kosten grob vorgerechnet – 540 Millionen, valorisieren und Risikozuschlag, das kannst mit dem kleinen Zettel ausrechnen – und bin dann auf rund eine Milliarde gekommen. Dann wurde gesagt, wenn die Milliarde bekannt wird, ist das Projekt tot. Und seitdem besteht die Zwietracht mit den Grünen.

Willi Rehberg zu seinem 80er am Großglockner./SALZBURG24/privat Willi Rehberg zu seinem 80er am Großvenediger./SALZBURG24/privat ©

Sie haben Ihren Bericht jetzt vorgelegt und am Montag im Stadtsenat präsentiert, wie geht es jetzt weiter?

Da bitte ich Sie den Herrn Bürgermeister zu fragen.

Einverstanden.

Für Sie ist der Job jetzt beendet?

So ist es.

Und welche Chancen geben Sie eigentlich der Stadtregionalbahn?

Null. Denn selbst beim Land gibt es einen Ressortchef bei den Finanzen. Und mir wurde ausgerichtet, der sei sehr angetan von meinem Bericht (schmunzelt).

Muss Ihrer Meinung nach eine Alternative gefunden werden?

Man muss sicherlich irgendwie eine Verkehrslösung finden. Wie gesagt, für Verkehrsplanung habe ich mich noch nie wirklich interessiert, aber das einzige was ich mir vorstellen kann ist, dass man einfach niemanden mehr in die Stadt reinfahren lässt. Man wird halt die Innenstadt zumachen. Das gibt es auf der ganzen Welt.

Ich weiß, Sie haben jetzt gleich Vorlesung auf der Uni und nicht mehr so viel Zeit. Darf ich Ihnen zum Abschluss noch ein paar Entweder-Oder-Fragen stellen?

Sicherlich.

Stadtregionalbahn oder Regionalstadtbahn? Ich habe sie Stadtregionalbahn benannt.

Bus oder Bahn? Beides

Frühaufsteher oder Langschläfer? Frühaufsteher

Würstlstand oder 5-Sterne-Restaurant? Beides

Mozart oder Bach? Mozart!

Hervis oder Thyssen? Ich habe beide aufgebaut in Österreich, was soll ich sagen? Beide natürlich! Es ist immer das letzte Kind einem das Liebste.

 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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