Stiefbruder erschossen: Wiener Banker bekommt Mordprozess

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Die Mordanklage wird durch ein Gutachten gestützt
Die Mordanklage wird durch ein Gutachten gestützt - © APA (Archiv)
Der Wiener Banker, der in der Nacht auf den 18. September 2015 in einer Wohnung in Währing seinen im selben Unternehmen beschäftigten Stiefbruder erschossen hat, wird sich wegen Mordes vor Geschworenen verantworten müssen. Wie Karl Schober, der Leiter der Staatsanwaltschaft Korneuburg, am Freitag auf APA-Anfrage mitteilte, wurde die Anklage beim Wiener Landesgericht eingebracht.

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg, die in diesem Fall die Ermittlungen geleitet hat, glaubt beweisen zu können, dass der 44-Jährige zumindest mit bedingtem Tötungsvorsatz auf seinen Stiefbruder geschossen hat. Das Motiv dürfte “im persönlichen Bereich” liegen, sagte Behördenleiter Schober gegenüber der APA: “Wir haben kein hundertprozentiges Motiv. Es gibt aber eine konkrete Vermutung, die in Richtung Eifersucht geht.”

Demnach soll der 44-Jährige vermutet haben, seine Ex-Frau – eine in Wien tätige Staatsanwältin – wäre seinem 42 Jahre alten Stiefbruder näher gekommen. Die Staatsanwältin hätte ursprünglich auch an dem Treffen teilnehmen sollen, das mit dem tödlichen Schuss zu Ende ging. Der Banker hatte sie per SMS eingeladen. Die Frau hatte allerdings keine Zeit. Weil es sich bei ihr um eine Anklägerin der Staatsanwaltschaft Wien handelt, waren die Ermittlungen nach Korneuburg delegiert worden, um keinen Anschein einer möglichen Befangenheit zu wecken.

Das Scheitern der Beziehung zu der Staatsanwältin soll dem 44-Jährigen nahe gegangen sein. Hinweise, dass diese tatsächlich ein näheres Verhältnis mit dem Stiefbruder gehabt hätte, gibt es allerdings nicht. Der 42-Jährige war vielmehr glücklich liiert und Vater einer eines elfjährigen Sohns und einer fünf Jahre alten Tochter.

Da die Staatsanwältin in dem Verfahren zumindest am Rand beteiligt war bzw. ist, dürfte die Verhandlung nicht in Wien stattfinden. Das bestätigte Gerichtssprecherin Christina Salzborn der APA: “Es ist angedacht, aufgrund der besonderen Umstände die Delegation anzuregen.” Wo der Prozess gegen den 44 Jahre alten Banker anberaumt wird, müsste dann das Oberlandesgericht Wien entscheiden.

Die Mordanklage, die dem Banker in die Justizanstalt Korneuburg zugestellt wurde, wo er seit Mitte Oktober wieder in U-Haft sitzt, ist nicht rechtskräftig. Verteidiger Rudolf Mayer wird sie allerdings nicht beeinspruchen, wie er gegenüber der APA erklärte. Dessen ungeachtet hält Mayer an einer unabsichtlichen Schussabgabe und damit an der Unfall-Version fest.

Der angeklagte Banker hatte seiner Darstellung zufolge dem um 42-Jährigen seine beiden Waffen gezeigt, nachdem die beiden reichlich dem Alkohol zugesprochen hatten. Dabei löste sich ein Schuss. Das Projektil drang dem 42-Jährigen in den Kopf. Der Schütze hatte – wie später festgestellt wurde – mehr als zwei Promille Alkohol im Blut. Für die Staatsanwaltschaft wurde die Unfall-Version durch ein von der Justiz eingeholtes Gutachten einer deutschen Kriminaltechnikerin widerlegt, die mittels einer Blutspuren-Analyse feststellte, dass der vom Verdächtigen geschilderte Tathergang sich nicht so zugetragen haben konnte, wie er bei einer Tatrekonstruktion angegeben hatte.

Verteidiger Mayer lässt an der Sachverständigen allerdings kaum ein gutes Haar. “Dieses Gutachten ist einseitig und geht von falschen Annahmen aus”, bemerkte er im Gespräch mit der APA.

(APA)

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