31. Januar 2012 12:30; Akt.: 31.01.2012 12:44

Strache beklagt sich auf Facebook über Verleumdungen nach WKR-Ball-Sager

Beim WKR-Ball ließ H. C. Strache mit drastischen Vergleichen zum Thema Juden aufhorchen Beim WKR-Ball ließ H. C. Strache mit drastischen Vergleichen zum Thema Juden aufhorchen - © APA/ Fayer
Die Nachwehen des WKR-Balles nehmen kein Ende. FPÖ-Obmann H. C. Strache, der zuletzt mit seinem umstrittenen “Wir sind die neuen Juden”-Sager für Wirbel sorgte, fühlt sich nun nach eigener Aussage auf Facebook als Opfer “bewusster Verdrehungen” und absichtlich missverstanden.

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H. C. Strache beklagte Montagabend auf seiner Facebook-Seite den Umgang der Medien mit seiner Äußerung, die der FPÖ-Obmann zu später Stunde am WKR-Ball getätigt hat. Dort wurde er von einem Journalisten dabei belauscht, über das Verhalten der Demonstranten gegenüber den Ballbesuchern gesagt zu haben, “das war wie die Reichskristallnacht“ und “wir sind die neuen Juden.”

Strache: “Aus dem Zusammenhang herausgelöst”

Er beklagt sich auf Facebook bitter in einem Posting über die “bewussten Verdrehungen” seiner Aussagen, die “völlig aus dem Zusammenhang herausgelöst” seien. Die Berichterstattung über Straches drastisch anmutenden Vergleich bezeichnet er als “gezielte Verleumdungen und Manipulationen” der Medien. Er kritisiert die Reaktionen auf seine Äußerungen dahingehend, dass seinen Gegnern “offenbar nichts Sachliches mehr einfalle.”

Weiters bewertet Strache die Negativ-Reaktionen auf seinen umstrittenen Judenvergleich als “Armutszeugnis und Sittenbild unserer Zeit und deren Ungeist”, interpretiert diese jedoch auch in seinem Sinne: als “nervöses Zeichen”, dass immer mehr Österreicher der FPÖ “zu Recht ihr Vertrauen schenken” würden.

“Umfassende Aufklärung” gefordert

Der Vorarlberger FP-Obmann Dieter Egger stellte sich mit einer Solidaritätsadresse hinter ihn. Die SP-Bundesratsfraktion forderte indes “umfassende Aufklärung” darüber, was genau ihrem früheren Vorsitzenden Albrecht Konecny nach der Gegendemo am Freitag widerfahren ist.

Vorarlbergs FPÖ-Chef Dieter Egger war überzeugt, dass es sich bei dem Sager “um eine verzerrte und sinngemäß nicht richtige Wiedergabe seitens eines Journalisten” handle, wie er in einer schriftlichen Stellungnahme an die “Vorarlberger Nachrichten”, die auch der APA vorliegt, erklärte. Dies sei ihm auch von der Bundespartei versichert worden. Egger hielt in seinem Statement generell fest, dass die Gräueltaten des NS-Regimes mit nichts zu rechtfertigen und zu vergleichen seien. Für die Gegendemos am Freitagabend zeigte er kein Verständnis.

Nicht der erste umstrittene “Juden-Sager”

Vorarlbergs FPÖ-Landesparteiobmann war im Landtagswahlkampf 2009 selbst über einen “Juden-Sager” gestolpert, indem er Hanno Loewy, den Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems, als “Exil-Juden aus Amerika in seinem hoch subventionierten Museum” bezeichnet hatte. Daraufhin hatte die ÖVP den Vorarlberger Freiheitlichen einen Sitz in der Landesregierung verwehrt.

Die SPÖ-Bundesratsfraktion zeigte sich unterdessen per Aussendung “fassungslos und entsetzt” über den Angriff auf den früheren Bundesrat Konecny nach der Demonstration. Dieser war eigenen Angaben zufolge von einem Mann mit Schlagring attackiert worden, mehrere Polizisten hätten tatenlos zugesehen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) solle alles unternehmen, um diesen Übergriff aufzuklären, hieß es.

“Man muss sehr aufpassen”

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) bezeichnet es schließlich mittlerweile klar als “Fehler”, dass sein Name im Ehrenkomitee des WKR-Balls aufgeschienen ist. Ein Mitarbeiter habe die entsprechende Anfrage ohne Rücksprache abgezeichnet, sagte er dem “Standard” (Dienstag-Ausgabe). “Wir haben gelernt, dass man da sehr aufpassen muss.”

Dies gilt offenbar nicht nur für die Wahl der Worte von H. C. Strache, die seine Gegner ihm zufolge wiederholt missinterpretieren.



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