Streik der Lufthansa-Piloten auch am Dienstag und Mittwoch

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Mehr als 800 Flüge sind betroffen
Mehr als 800 Flüge sind betroffen - © APA (dpa)
Die Piloten der AUA-Mutter Lufthansa sind am Dienstag erneut in einen Streik getreten. “Auf der Kurzstrecke wurden 816 Flüge gestrichen”, sagte ein Unternehmenssprecher am Morgen. 82.000 Passagiere seien betroffen. Am Mittwoch würden zudem 890 Verbindungen mit 98.000 Passagieren ausfallen. Dann zielt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) auf die Langstrecke.

Auch danach sind Streiks möglich, betonte Cockpit. Ein Ende des Tarifstreits ist nicht in Sicht. In den Terminals an Flughäfen in Deutschland sei die Lage ruhig, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Es habe sich bewährt, dass die Fluggäste vorab informiert würden.

Am Flughafen Wien fallen alle 22 geplanten Lufthansa-Flüge nach Frankfurt und Münchenam Dienstag aus, sagte ein Sprecher auf APA-Anfrage. In Graz sind laut Lufthansa-Homepage zwei Flüge betroffen. Der Flughafen-Sprecher empfiehlt den betroffenen Passagieren, sich mit der Fluglinie wegen allfälliger Umbuchungen in Verbindung zu setzen. Aktuelle Infos können auch auf der Homepage des Flughafen Wien und der Lufthansa gefunden werden.

Am Mittwoch fallen 30 Flüge der AUA-Mutter nach Österreich aus. Betroffen sind von Wien aus 14 Flüge von und nach Frankfurt sowie 8 Flüge von und nach München, hieß es beim Flughafen Wien. Von Graz aus fallen 8 Flüge von und nach München aus, teilte Flughafen-Vorstand Gerald Widmann auf APA-Anfrage mit.

“Solange wir kein verhandlungsfähiges Angebot haben, kann es immer wieder zu Streiks kommen”, sagte Cockpit-Vorstand Jörg Handwerg der “Süddeutschen Zeitung”. “Jeder Kunde muss entscheiden, ob er das Risiko einer Buchung eingeht oder andere Reisewege sucht.”

Eine Schlichtung in dem Tarifkonflikt lehnt die Pilotengewerkschaft nicht kategorisch ab. “Wir verweigern uns nicht einer Schlichtung”, sagte Cockpit-Vorstand Alexander Gerhard-Madjidi am Dienstag im Deutschlandfunk. Allerdings brauche man für eine Schlichtung ein verhandlungsfähiges Angebot des Arbeitgeber. “Das hat die Lufthansa nicht vorgelegt”, sagte Gerhard-Madjidi. Es sei nicht akzeptabel, dass die Erhöhung an anderer Stelle auch wieder kompensiert werden solle. “Insgesamt käme ein Minus von 15 Prozent dabei raus.”

Lufthansa und Cockpit streiten seit Jahren ums Geld. Die Gewerkschaft verlangt für die 5.400 Piloten Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über fünf Jahre bis April 2017. Darüber hinaus geht es in dem Clinch um die Alters-und Vorruhestandsversorgung der Flugzeugführer und den Ausbau des konzerneigenen Billigfliegers Eurowings. Die Fronten sind vollkommen verhärtet.

Am Montagabend war Lufthansa erneut damit gescheitert, die Streiks vor Gericht zu stoppen. Das Unternehmen hatte einen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht München eingereicht und erklärt, sie halte Teile der Lohnforderung der Piloten für rechtswidrig.

Konkret hatte Lufthansa kritisiert, dass die Forderung von VC, ab dem 13. Beschäftigungsjahr höhere Gehaltssteigerungen zu verlangen, gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgebot verstoße. Jüngere Piloten würden diskriminiert. Das Arbeitsgericht wies die Beschwerde jedoch ab. Daraufhin hatte Lufthansa mit dem Landesarbeitsgericht München die nächste Instanz angerufen. Doch dann zog sie ihre Beschwerde zurück.

Unterdessen formiert sich im Lufthansa-Konzern Widerstand gegen die streikenden Piloten. Der Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hat für Mittwoch zu einer Gegendemonstration an der Unternehmenszentrale aufgerufen. Zeitgleich will die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) für die Belange der Piloten demonstrieren.

Der Boden-Betriebsrat fordert in seinem Aufruf ein schnelles Ende des “zerstörerischen Streits” und verlangt von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen. “Vielmehr muss es darum gehen, den notwendigen Konzernumbau im Sinne aller Lufthanseaten konstruktiv und in die Zukunft gerichtet zu begleiten. Tarifforderungen müssen sich den realen Marktbedingungen stellen”, heißt es in dem nicht namentlich unterzeichneten Aufruf.

Der Boden-Betriebsrat Frankfurt wird von vier Mitarbeitergruppen geführt. Neben der DGB-Gewerkschaft Verdi sind die Vereinigung Boden, die Unabhängigen Lufthanseaten sowie die Vereinigung Luftfahrt vertreten. Die Kabinengewerkschaft UFO distanzierte sich ausdrücklich von der Demonstration gegen die Piloten. Der Aufruf sei ein “bitteres Armutszeugnis” für das von Verdi geführte Gremium, erklärte UFO-Tarifvorstand Nicoley Baublies.

(APA/dpa)

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