29. September 2009 12:15; Akt.: 29.09.2009 12:15

Studie: 23 Prozent der Salzburger Polizisten Burnout gefährdet

92 Prozent der Burnout Gefährdeten fühlen sich durch den bürokratischen Aufwand belastet, ebenfalls 92 Prozent bezeichneten ihre Bewaffnung als hohe Belastung. 92 Prozent der Burnout Gefährdeten fühlen sich durch den bürokratischen Aufwand belastet, ebenfalls 92 Prozent bezeichneten ihre Bewaffnung als hohe Belastung. - © Bilderbox
Salzburg – Das Innenministerium solle die Dramatik der Situation erkennen und auf die Zustände innerhalb der Polizei endlich reagieren, forderten am Dienstag Polizeigewerkschafter und Personalvertreter bei einer Pressekonferenz in Salzburg.

23 Prozent: Diese Zahl ist das Ergebnis einer Studie des unabhängigen Marktforschungsinstituts Karmasin, die von der Polizeigewerkschaft in Auftrag gegeben und im Zeitraum von Mai bis Juni in Salzburg durchgeführt wurde.

Im Gegensatz zu anderen Berufen sei bei Salzburger Exekutivbeamten das Risiko, an dieser psychosomatischen Krankheit zu erkranken, überdurchschnittlich hoch, erklärte Motivforscherin Sophie Karmasin. Der durchschnittliche Anteil an Burnout gefährdeten Personen liege hingegen bei 19 Prozent.” Als besonders Burnout gefährdet bezeichnete sie über 40-jährige Polizisten, die bereits mehr als 20 Jahre im Dienst beziehungsweise in einer nicht leitenden Position sind.

Fast 90 Prozent der gefährdeten Salzburger Polizisten fühlen sich am Ende des Tages verbraucht. Jeder fünfte Betroffene geht mit mehr als 20 Tagen auch länger in den Krankenstand. “Viele wollen diese Krankheit nicht preisgeben und melden sich mit anderen Symptomen”, erklärte Hermann Greylinger, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft Österreich.

Seit fast drei Jahren forderten die Gewerkschafter eine Burnout-Studie für das Bundesland Salzburg. Doch dann kam ein negativer Bescheid aus dem Innenministerium, hieß es. “Endlich liegt die Wahrheit auf dem Tisch. Jetzt wissen wir, warum Innenministerin Maria Fekter (V) uns verbieten wollte, eine Studie selbst in die Wege zu leiten”, sagte Greylinger. Die Online-Befragung an 1.400 Salzburger Polizisten – 577 Fragebögen wurden anonym zurückgeschickt – könne zwar österreichweit nicht eins zu eins umgelegt werden. “Den Polizisten in den anderen Bundesländern geht es auch nicht besser. Die Alarmglocken schrillen mehr als je zuvor.”

Zu den wesentlichsten Faktoren für Burnout zählen die unterschiedlichen Anliegen, mit denen sich die Polizisten konfrontiert sehen, weiters das Einschreiten bei Problemen, um für Ruhe zu sorgen, sowie die vielen unvorhergesehen Situationen und die hohe Verantwortung. “Der Alltag eines Polizisten hat vorwiegend mit unerfreulichen Dingen zu tun. Umso mehr braucht es eine Wertschätzung als Gegengewicht”, sagte Franz Ellmauthaler, Vorsitzender der Polizei-Personalvertretung in Salzburg.

92 Prozent der Burnout Gefährdeten fühlen sich durch den bürokratischen Aufwand belastet, ebenfalls 92 Prozent bezeichneten ihre Bewaffnung als hohe Belastung. Eine Waffe zu tragen sei an sich nicht das Problem, sondern das Gefühl, sie einsetzen zu müssen. “Seit Mai gab es 27 tätliche Angriffe auf Polizisten in der Stadt Salzburg, dabei sind 16 verletzt worden”, zeigte Ellmauthaler auf. Die Gewerkschafter forderten einmal mehr die personelle Aufstockung der Dienststellen: Im Bundesland Salzburg würden 150 bis 200 Polizisten fehlen, dieser Fehlstand ziehe sich quer durch ganz Österreich, wurde betont.


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