Skurril: Darum werden geförderte Wohnungen abgelehnt

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Verluste macht die Stadt durch Zweitwohnsitze: 25 Millionen Euro pro Jahr gehen der Stadt durch die Lappen. (Archivbild)
Verluste macht die Stadt durch Zweitwohnsitze: 25 Millionen Euro pro Jahr gehen der Stadt durch die Lappen. (Archivbild) - © APA/BARBARA GINDL
Es werden viel zu wenige Wohnungen gebaut und Salzburg sei die Hauptstadt der Wohnungsnot: Alles Mythen, die so nicht stimmen, sagt Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ). Untermauern soll das eine neue Studie zum Mietwohnbau. Außerdem wird es Veränderungen bei der Vergabe der geförderten Wohnungen geben: 46 Prozent der Wohnungen werden nicht angenommen, aus teils skurrilen Gründen.




Das Thema Wohnen ist in der Stadt Salzburg eines, bei dem sich die Gemüter schnell erhitzen: Zu wenige Wohnungen, zu teuer, in schlechtem Zustand und zu viele Zweitwohnsitze. Doch was davon stimmt und was eigentlich nicht? Mit Fakten will die Stadt Salzburg nun gegen Wohnmythen vorgehen.

Zweitwohnsitze: Stadt verliert 25 Millionen Euro

Fakt ist: Zweitwohnsitze sind teuer: “Die hohe Zahl an Zweitwohnsitzen hat mich wirklich schockiert. Der Großteil davon sind Studenten und Pendler. Durch jeden Zweitwohnsitz fehlen der Stadt im Budget etwa 1.000 Euro pro Jahr.” Insgesamt ergibt das 25 Millionen Euro jährlich. Mithilfe von Anreizen will man diese Menschen dazu bewegen, in der Stadt ihren Hauptwohnsitz zu haben. Wie genau diese Anreize aussehen sollen will man erst ausarbeiten.

Dagmar Steiner, Inge Straßl und Anja Hagenauer wollen mit Wohnmythen aufräumen. Foto: Stadt Salzburg /K. Schupfer Dagmar Steiner, Inge Straßl und Anja Hagenauer wollen mit Wohnmythen aufräumen. Foto: Stadt Salzburg /K. Schupfer ©

Wie werden geförderte Wohnungen vergeben?

Wer in der Stadt eine geförderte Mietwohnung will, kann sich bei den verschiedenen Genossenschaften und der Stadt anmelden. Mit Stand Juni 2017 gab es 17.517 geförderte Mietwohnungen in der Stadt. Aktuell gehören der Stadt selbst 1.802 Wohnungen, das Vergaberecht hat sie für 8.600 Liegenschaften. Bei der Vergabe spielt auch die Nationalität eine Rolle. “Die Vergabe erfolgt nach einem Schlüssel an EU- sowie an Nicht-EU-Bürger. Dabei gingen 2017 84 Prozent der Wohnungen an EU-Bürger und Österreicher, 16 Prozent an Nicht-EU-Bürger”, erklärt Inge Straßl, Expertin des Salzburger Instituts für Raumordnung und Wohnen (SIR). Sie räumt damit mit einem weiteren Mythos auf: Geförderte Wohnungen würden hauptsächlich an Ausländer vergeben.

Darum werden geförderte Wohnungen abgelehnt

Auffällig ist die große Anzahl an Wohnungssuchenden, die eine zugeteilte Mietwohnung ablehnen. “Die Treffsicherheit bei der Vergabe ist nicht mehr gegeben. Fast jede zweite Wohnung wird nicht angenommen”, schildert Hagenauer. Die Begründungen sind teils skurril: Im Erdgeschoß könne eine Katze vorbeilaufen, man habe aber eine Katzenallergie. Oder: Am Parkplatz riecht es nach Pferd. “Wer ohne triftigen Grund eine Wohnung ablehnt, ist auf drei Jahre gesperrt”, bekräftigt Dagmar Steiner, Leiterin des Wohnungsamts. Tatsache sei freilich, dass “die wenigsten der Wohnungssuchenden tatsächlich wohnungslos sind”, so Steiner. Die Akutfälle würden mehr. Man müsse sich fragen: “Was machen wir falsch?” und flexibler werden, betont Hagenauer.

Vergabepraxis und Richtlinien werden überarbeitet

Die derzeitigen Richtlinien sind aus dem Jahr 1995, die Software im Wohnungsamt ist 40 Jahre alt. Das alles wird nun erneuert. Außerdem wird die Vergabepraxis umgestellt und das Wohnungsamt bekommt einen Sozialarbeiter zur Seite gestellt. “Die Fälle, wo wir einen Sozialarbeiter brauchen, werden mehr. Dabei geht es um die Wohnfähigkeit, aber auch den Kontakt zum Amt, mit dem sich viele schwer tun oder Hilfestellung bei psychischen Erkrankungen”, erklärt Steiner. Ein Vorhaben wurde bereits umgesetzt: Salzburg hat nun auch eine Wohnungstauschbörse.

Ebenfalls überarbeitet werden die Vergaberichtlinien der Stadt. Die Diskussion darüber wurde zuletzt durch die Vorfälle in der “Gemeinnützigen Salzburger Wohnbaugesellschaft” (GSWB) neu angeheizt. Noch vor dem Sommer sollen die neuen Richtlinien beschlossen werden.

Daten und Fakten zur Wohnsituation der Salzburger

  • Bevölkerung von 2000 bis 2017 um 7,4 Prozent auf 153.766 Prozent gewachsen
  • 3,2 Prozent weniger Kinder, dafür 31 Prozent mehr 60 bis 69-Jährige
  • 46,6 Prozent Single-Haushalte
  • Durchschnittshaushalt: Zwei Personen
  • Salzburger sind Umzugsmuffel
  • 3.008 Anträge auf geförderte Mietwohnung (Stichtag 1. Mai 2017)
  • 2000 bis 2016: 289 geförderte Mietwohnung pro Jahr errichtet

 
 

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