Studie: Zu wenig Wohnraum, Risiko am Immobilienmarkt steigt

Einmal mehr bestätigt eine Studie, dass auch heuer keine Entspannung am Wohnmarkt in Sicht ist: viel zu wenig Wohnraum und Grundstücke sowie steigende Preise wie Mieten werden den Immobilienmarkt 2017 beschäftigen, geht aus einer erstmals durchgeführten IFI-Trendstudie hervor. Es bestehe die Gefahr von schnellen Bauten niedriger Qualität. Das Risiko in der Branche soll gegenüber 2016 steigen.

Die am Dienstag präsentierte Erhebung des Instituts für Immobilienwirtschaft (IFI) prognostiziert für heuer einen deutlichen Nachfrageüberhang am Wohnmarkt. Das Angebot werde demnach 2017 zwar in allen Anlageklassen – bis auf Grundstücke – steigen, könne aber nicht mit dem erhöhten Bedarf schritthalten. Besonders die Nachfrage nach Wohnimmobilien, studentischem Wohnen und Grundstücken werde zunehmen. Die Preise und Mieten würden daher erneut anziehen, ein Ende der Teuerung sei nicht in Sicht. Eine rückläufige Nachfrage erwarten die Befragten lediglich bei Einzelhandelsimmobilien.

“Der geförderte Wohnbau allein kann mit der hohen Nachfrage nicht fertig werden”, so Philipp Kaufmann, Gründungspräsident der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI). Die Immobilienwirtschaft wünscht sich deshalb mehr Grundstücke und will auch verstärkt in die Höhe bauen. Dafür brauche es unter anderem schnellere Verfahren für die Verfügbarkeit von Grundstücken und mehr Möglichkeiten für Hochhäuser.

Kaufmann befürchtet auch, dass nun auf die Schnelle Wohnraum aus dem Boden gestampft wird. “Die Gefahr ist, dass Quantität jetzt mehr zählt als Qualität, um der Nachfrage gerecht zu werden”, so Kaufmann und mahnt zur Nachhaltigkeit. Besonders die Energieeffizienz werde immer wichtiger.

Diese sei auch bei Sanierungen ein großes Thema, weshalb man Anreize schaffen sollte. Er bemängelt, dass beispielsweise Kosten für Sanierung beziehungsweise Energieeffizienz-Maßnahmen nicht an Mieter weitergegeben werden können, auch wenn diese dadurch Betriebskosten sparen würden. “Es kann natürlich nicht sein, dass sich ein Mieter einen Euro an Betriebskosten spart, aber drei Euro mehr Miete zahlen muss”, so Kaufmann, die Immobilienbranche hätte passende Berechnungs-Modelle parat.

In der Asset-Klasse “Studentisches Wohnen” erwartet die Branche heuer die höchsten Angebotszuwächse. “Auch viele gewerbliche Bauträger beschäftigen sich jetzt damit”, so Kaufmann, es sei ein richtig gutes Geschäft.

Am Investmentmarkt erwarten 40 Prozent der Befragten eine erhöhte Gefahr zur Blasenbildung im Vergleich zu 2016, 32 Prozent sehen diese auch im Segment der Wohnimmobilien.

Laut der Studie rechnet der Markt 2017 mit einem höherem Risiko.”Wir leben in einer Unsicherheit”, so Kaufmann. Es brauche klare Rahmenbedingungen und keine rückwirkenden Regelungen, “wie wir immer wieder gebetsmühlenartig betonen”. Internationale Investoren würden hierzulande nur Geld in die Hand nehmen, wenn es stabile Voraussetzungen gebe.

Als größte Herausforderungen werden steuerliche Rahmenbedingungen, die allgemeine Konjunktur- sowie Zinsentwicklung sowie die Kaufkraft gesehen. 78 Prozent der Befragten wünschen sich eine Neuordnung des Mietrechts, wobei sie heuer kaum Veränderungen erwarten.

Für die IFI-Trendstudie wurden zusammen mit zwölf freiwilligen Immobilienverbänden und in Kooperation mit dem Magazin ImmoFokus im Dezember 2016 die Erwartungen von 421 Immobilen-Experten erhoben.

(APA)

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