Syrien-Fronten zwischen Russland und USA verhärtet

Akt.:
Von Frieden ist Syrien weit entfernt
Von Frieden ist Syrien weit entfernt - © APA (AFP)
Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen den USA und Russland rückt eine diplomatische Lösung des syrischen Bürgerkrieges in weite Ferne. Moskau warf Washington in der Nacht vor, zu wenig im Kampf gegen Terroristen zu tun und Terrorgruppen damit zu stärken. Die USA hatten zuvor den direkten Draht nach Russland abgebrochen, weil man keine Chance für eine neue Feuerpause in Aleppo sieht.

Die syrische Opposition reagierte zunächst zurückhaltend. Der Schritt der USA komme zu spät, sagte der Sprecher des in Istanbul ansässigen Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition, Ahmed Ramadan. “Die Amerikaner haben einen Fehler gemacht, als sie geglaubt haben, das Regime arbeite an einer politischen Lösung, und Russland übe dafür auf seinen Verbündeten Druck aus”, meinte er.

“Russen nicht ernsthaft an politischer Lösung interessiert”

Der führende syrische Oppositionelle Samir Nashar erklärte, die USA hätten realisiert, dass die Russen nicht ernsthaft eine politische Lösung umsetzen wollten. “Die Amerikaner können nicht schweigen, bei all dem, was in Syrien und besonders in Aleppo geschieht.”

Syrien: Angriffe auf Aleppo gehen weiter

Unterdessen gehen die Angriffe in und auf Aleppo weiter. Am Dienstag sollen fünf Personen getötet und 20 weitere verletzt worden sein. Die Rebellen erklärten, sie hätten eine Offensive syrischer Truppen im Süden Aleppos zurückgeschlagen.

Russland und die USA hatten sich im September auf eine Waffenruhe geeinigt. Diese scheiterte jedoch nach wenigen Tagen, und die Gewalt eskalierte. Die nordsyrische Wirtschaftsmetropole Aleppo erlebte in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen des Regimes und der russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011.

Laut Kirby keine leichte Entscheidung

US-Außenamtssprecher John Kirby erklärte, die Entscheidung für ein Ende des Dialogs mit Russland über eine neue Feuerpause sei nicht leicht gewesen. “Die Geduld aller mit Russland ist am Ende”, betonte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Unklar ist, wie die US-Regierung nach dem Ausweichen einer direkten Konfrontation mit Russland jetzt weiter vorgehen wird.

Scharfe Kritik kam unterdessen aus Moskau. “Die Entscheidung Washingtons zeigt, dass die Regierung von Barack Obama nicht in der Lage ist, die Schlüsselbedingungen für unsere Zusammenarbeit im Interesse einer Beendigung des Syrien-Konflikts zu erfüllen”, teilte das Außenamt mit. Die USA hätten niemals ernsthaften Druck auf die Fatah-al-Sham-Front (früher: Al-Nusra-Front) gemacht, hieß es. “Bei uns festigt sich der Eindruck, dass Washington in seinem Streben nach einem Machtwechsel in Syrien einen ‘Pakt mit dem Teufel’ eingeht.”

Moskaus UNO-Botschafter hofft auf weitere Zusammenarbeit

Moskaus UNO-Botschafter Witali Tschurkin äußerte in New York dennoch die Hoffnung auf eine baldige Wiederherstellung der Zusammenarbeit im Syrien-Konflikt. Allerdings halte Moskau an seinen Zielen in Nahost fest: “Das Hauptziel in diesem Teil der Welt ist, alle Terroristen von dort zu verdrängen”, sagte er. Moskau betrachtet alle Gegner der syrischen Führung als Terroristen.

Ungeachtet der Einstellung der Syrien-Gespräche zwischen den USA und Russland wollen die Vereinten Nationen weiter nach einer politischen Lösung für das Bürgerkriegsland suchen. Die UNO würde das syrische Volk “niemals dem Schicksal eines endlosen Gewaltkonfliktes überlassen”, sagte der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura am Montagabend in Genf.

De Misutra “sehr enttäuscht”

De Mistura zeigte sich “sehr enttäuscht” über den Abbruch der Gespräche. Die UNO werde aber trotzdem weiter “mit aller Kraft auf eine politische Lösung drängen” und zudem alles versuchen, um Hilfslieferungen zu den notleidenden Menschen in dem Bürgerkriegsland zu bringen.

Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte warnte unterdessen Russland davor, den Ostteil Aleppos weiterhin mit Brandbomben anzugreifen. Der Einsatz dieser geächteten Waffen auf dicht bewohnte Gebiete sei besonders besorgniserregend, sagte Zeid Raad al-Hussein in Genf. Er zog dabei Parallelen zu den Kämpfen um Stalingrad, Warschau und Dresden im Zweiten Weltkrieg. Außerdem warf er der syrischen Armee und deren Verbündeten vor, besonders schutzbedürftige Einrichtungen wie Krankenhäuser und Wasserwerke anzugreifen. Er sprach in diesem Zusammenhang von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die syrischen Regierungstruppen werden in ihrer Großoffensive zur Rückeroberung Aleppos massiv von der russischen Luftwaffe unterstützt. Das US-Außenministerium warf ihr vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele wie Krankenhäuser angegriffen zu haben. Neben Aleppo wurde am Montag auch die belagerte Stadt Douma heftig bombardiert. Anrainer und Aktivisten befürchten bereits, dass die Regierungstruppen in dem Vorort von Damaskus die nächsten Großoffensive starten.

(APA/dpa/ag.)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen