Syrische Weißhelme wollen Anzahl der Helfer aufstocken

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Die "Weißhelme" riskieren ihr Leben für andere
Die "Weißhelme" riskieren ihr Leben für andere - © APA (AFP/Archiv)
Die mit einem der diesjährigen Right Livelihood Awards (Alternative Nobelpreise) ausgezeichneten syrischen “Weißhelme” wollen die Anzahl ihrer freiwilligen Helfer vergrößern. Bis kommenden März hoffe man die Anzahl der Helfer von derzeit 3.000 Helfern auf 3.400 aufzustocken, sagte der Direktor und Chef-Koordinator der Zivilschutztruppe, Raed Al-Saleh, der APA in Stockholm.

Die neuen Freiwilligen würden bereits getestet und eingeschult, so Al-Saleh. Im Augenblick konzentrierten sich die Einsätze der Zivilhelfer auf die Kampfgebiete Aleppo und in den östlichen Vororten von Damaskus. “Wir arbeiten stets bedarfsorientiert”, erklärt der Chef der im Jahr 2013 angesichts der sich verschlimmernden Situation der Zivilbevölkerung in Syrien aus lokalen Initiativen gebildeten Organisation.

Seither haben die Helfer mehrere Preise im Westen für ihre unerschrockene Arbeit erhalten. Auch ein österreichischer Preis ist dabei: Die “White Helmets” erhielten 2013 den Hauptpreis des Grazer Festivals für Musik, Kunst und politischen Diskurs. Damals habe ein Mitglied der Helfertruppe den Preis in Empfang genommen, der davor bei einem Hilfseinsatz das Augenlicht verloren habe, so Al-Saleh.

Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kriegssituation hat Al-Saleh freilich keine. Das größte Problem sei die Einmischung ausländischer Mächte, allen voran Russlands. Aber auch die Interventionen des Westens inklusive der USA hätten aus einem internen Konflikt zwischen Aufständischen und dem Regime von Präsident Bashar al-Assad einen internationalen Konflikt und Syrien zum “Schlachtfeld globaler Interessen” gemacht.

Ernüchternd verlief offenbar auch ein Treffen Al-Salehs und Mitgliedern seiner Delegation mit der schwedischen Außenministerin Margot Wallström. Das Gespräch sei in “freundlicher und guter Atmosphäre verlaufen”, sagt er. Seinem Gesichtsausdruck ist zu vernehmen, dass er und seine Mitstreiter sich mehr erhofft hatten: Schweden übernimmt kommendes Jahr den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat. Dort führt allerdings an Russland kein Weg vorbei. Somit seien Schweden die Hände gebunden, habe die Ministerin ihren Besuch wissen lassen, wie aus informiertem Kreisen in Stockholm zu erfahren war.

Gelegentlich geäußerte Vorwürfe, als eine Art Propaganda-Hilfstruppe westlicher Interessen zu agieren, weist Al-Saleh kategorisch zurück: “Die Fakten sprechen für sich”. Der Umstand, dass seine Organisation Unterstützung von den Vereinten Nationen und von einzelnen Staaten wie Katar oder auch aus den USA erhalte, sei noch keine Einflussnahme. “Wir arbeiten nicht für die Interessen irgendwelcher Mächte”, stellt er klar.

Der Alternative Nobelpreis sei für die zivilen Helfer in Syrien jedenfalls extrem wichtig. “Der Preis gibt uns die Motivation, weiterzuarbeiten und die Gewissheit, nicht allein zu sein”.

(APA/AA)

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