“Erste Forderung: Landwirtschaft und Landnutzung gehören auf die Agenda in Kopenhagen”, verwies Joachim von Braun, Präsident des International Food Policy Research Institutes, auf die defizitäre Behandlung dieses Themas in der Vorbereitung des Weltklimagipfels im Dezember in Dänemark.
Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (V) forderte, dass bei einer steigenden Liberalisierung und Wettbewerbsorientierung im Weltagrarhandel vor allem benachteiligte Gebiete wie der Bergbauernbereich besser gefördert werden. “Wichtig in der EU-Agrarpolitik sind zwei Säulen: die erste Säule der Direktzahlungen sowie die zweite Säule der ländlichen Entwicklung und ein faires Welthandelssystem”, sagte Berlakovich. Er plädierte für kleinere Betriebsgrößen und hochqualitative Lebensmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft.
Angesichts der Tatsache, dass für 2050 eine Weltbevölkerung von 9,2 Milliarden Menschen prognostiziert wird, sei es von höchster Priorität, die Lebensmittelproduktion um 50 Prozent zu steigern, jedoch Treibhausgase im selben Ausmaß zu verringern. “Weltweit sind 40 Prozent aller Emissionen auf Landwirtschaft zurückzuführen”, so Tim Groser, Handelsminister und Beauftragter für Klimawandel in Neuseeland. Er hält eine Kohärenz des Kyoto-Protokolls und des WTO-Handelssystems für unabdingbar, um klare Rahmenbedingungen für klima- und handelspolitische Maßnahmen zu schaffen.
Den “Schwarzen Peter” bei den Auswirkungen des Klimawandels würden die Entwicklungsländer ziehen. “Afrika trägt am wenigsten zum Klimawandel und zur globalen Erwärmung bei, leidet aber am meisten darunter”, so Namanga Ngongi, Präsident der “Alliance for a Green Revolution in Africa”. In den Entwicklungsländern spielen besonders neue Technologien eine entscheidende Rolle. Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen, kurz GVO, würde in Afrika weit mehr Berechtigung finden als in Europa, meinte Mariann Fischer-Boel, EU-Landwirtschaftsministerin. Sie fordert jedoch auch eine klare Abgrenzung zwischen traditioneller Landwirtschaft und einer Technik mittels GVOs.
“Möglichst rasch dürreresistente landwirtschaftliche Sorten zu bekommen, geht nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft nicht ohne GVOs. Zweitens: Die Bekämpfung des größten Hungerproblems, von dem zwei Milliarden Menschen betroffen sind, von einem Mikronährstoffdefizit, also Vitamin-A- oder Eisenmangel lässt sich nicht ohne GVOs bekämpfen. Die Züchtung von Pflanzen, die Vitamin A enthalten, geht nicht mit traditionellen Mitteln”, ergänzte Joachim von Braun. “Wir in Österreich wollen gentechnikfrei bleiben, weil wir meinen, dass es inkompatibel ist mit den kleinbäuerlichen Landwirtschaften und auch der biologischen Produktion”, stellte Berlakovich die österreichische Perspektive dar.