“Tanz der Vampire” feierte Paris-Premiere

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Polanski inszenierte das Spektakel
Polanski inszenierte das Spektakel
Nach 6.721 Aufführungen mit 7,3 Millionen Besuchern in zwölf Ländern hat es das von den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) entwickelte und 1997 im Raimund Theater uraufgeführte Musical “Tanz der Vampire” nach Paris geschafft. Die glanzvolle Premiere im Theatre Mogador am Montmartre fand am Donnerstag unter großem Medieninteresse statt. Grund dafür: Roman Polanski inszenierte selbst.


“Es ist etwas ganz Besonderes für mich. Paris ist die Stadt, in der ich lebe. Es ist das Publikum, das ich am besten kenne. Ich wollte das schon lange hierher bringen, aber es war den Produzenten wohl ein zu großes Risiko”, sagte Roman Polanski vor der Premiere im Gespräch mit Journalisten. Nun läuft das Musical in einem 2006 aufwendig renovierten 1.600-Plätze Haus der “Stage Entertainment France”, wo zuletzt “Die Schöne und das Biest” gegeben wurde. Polanski: “Das Theater und seine Atmosphäre sind perfekt für die Vampire.”

Die Plakate sind im Stadtbild der Seine-Metropole kaum zu übersehen, der Werbespruch ist originell: “700 ans et toutes ses dents!” – “700 Jahre und noch alle Zähne!” Tatsächlich wirkt die inklusive Pause fast dreistündige Show nicht, als hätte sie Staub angesetzt, entwickelt zur Musik von Jim Steinman nach Anlaufschwierigkeiten ein beachtliches Tempo, beeindruckt mit einem fantasievollen Bühnenbild und toller Technik. “Roman hat sich nochmals wahnsinnig Mühe gegeben”, lobte Autor Michael Kunze.

Es sei ihm nicht darum gegangen, die Show neu zu erfinden, erklärte Polanski: “Ich habe versucht, mich daran zu erinnern, wie ich es damals in Wien gemacht habe. Aber natürlich entwickelt sich eine Produktion in 17 Jahren weiter. Sogar im gleichen Haus, noch dazu wenn man es in verschiedene Städte bringt. Aber die zentralen Dinge bleiben: die Charaktere, die lustig sind und an Zeichentrick erinnern, die Atmosphäre und der Stil.”

Er habe seine Vampire nie aus dem Blick verloren, versicherte der 81-jährige Regisseur, sondern habe auch viele spätere Aufführungen selbst inszeniert: “Stuttgart, Oberhausen, Hamburg, Berlin, Warschau… Und es macht immer Spaß. Die Natur der Geschichte schafft eine gute Atmosphäre. Auf dem Set hat man immer Spaß miteinander. Das war auch damals beim Drehen des Films so. Seltsamerweise vermittelt sich dieser Spaß den Zuschauern – im Kino und nun auch im Theater.”

Er habe “sehr gute Erinnerungen an Wien”, so Polanski. “Ich werde richtig nostalgisch, nicht nur, weil ich jetzt hier teilweise mit denselben Leuten gearbeitet habe. Meine Tochter war damals vier Jahre alt und war über drei Monate an meiner Seite und viel bei den Proben. Mittlerweile hat sie die ‘Royal Center School of Speech and Drama’ in London absolviert und eine Rolle in der TV-Serie ‘Vikings’ ergattert. Sie sagt, dass sie in ihrem Wunsch, Schauspielerin zu werden, von dem inspiriert wurde, was sie damals als Vierjährige gesehen hat.”

Sowohl Polanski als auch Kunze sehen feine Unterschiede in den Reaktionen des Publikums: “Die Franzosen lachen an den richtigen Stellen, aber es kommen auch manche Dinge besser rüber”, meinte Kunze. Polanskis-Lieblingsbeispiel ist eine Szene, in der der zum Vampir gewordene Wirt Chagal gegen das Kreuz immun ist, das als Waffe gegen Vampire eingesetzt wird. “Chagal sagt da: ‘Sie haben den falschen Vampir erwischt, ich bin Jude!’ Hier ist das ein Riesenlacher. In Wien waren die Reaktionen viel zurückhaltender. Ich frage mich, warum”, so Polanski.

Der Regisseur amüsiert sich auch darüber, dass Vampire in den vergangenen Jahren u.a. durch die “Twilight”-Romane und -Filme wieder äußerst populär geworden sind. “Es wurde eine richtige Mode daraus. Sie versuchen uns, diese Geschichte seriös zu erzählen, damit wir daran glauben sollen. Aber ich mache mich darüber lustig. Ich konnte das nie ernst nehmen, weder damals noch heute.” Michael Kunze sieht den “Tanz der Vampire” sogar als Vorläufer von “Twilight” und hält den Erfolg der Blutsauger bei den Jugendlichen für eindeutig erotisch konnotiert: “Vampire waren für mich immer eine Metapher für Sex: Blut, Angst, Lust, Entjungferung – das ist alles darin enthalten.”

Kunzes nächstes Projekt führt ihn schon in wenigen Tagen nach Korea: Am 1. November hat sein Musical “Marie Antoinette” (mit Musik von Sylvester Levay) in Seoul Premiere. Kunze: “Ich habe das total umgeschrieben. Das wäre absolut Wien-tauglich.” Polanski hat dagegen vorübergehend in Krakau eine Wohnung bezogen. “Ich will künftig mehr Zeit als früher in Polen verbringen, ich vermisse es.” Anfang kommenden Jahres sollen die Dreharbeiten seines neuen Films starten. Er handelt von der Dreyfus-Affäre und basiert auf dem Krimi “An Officer and a Spy” von Robert Harris (deutscher Titel: “Intrige”).

Vorerst ist “Le Bal des Vampires” bis 6. Juli 2015 angesetzt. Ob sich die tanzenden Vampire auch in Paris durchbeißen werden? “In Paris ist es ganz schwer, denn es ist keine wirklich musicalaffine Stadt”, sagte Kunze. “Sogar ‘Les Miserables’ war hier kein so sonderlich großer Erfolg.” Dass die Seine-Metropole für Untote kein leichtes Pflaster ist, konnte man am Freitagmorgen bereits medial nachvollziehen: Die Tageszeitung “Le Figaro”, die gestern auf einem Blog noch lobte, die Show sei “perfekt gespielt, getanzt und gesungen”, titelte heute ihren Premierenbericht (einer anderen Mitarbeiterin): “Le Bal des vampires se casse les dents” – “Der Tanz der Vampire beißt sich die Zähne aus.”

(Die Gespräche führte Wolfgang Huber-Lang/APA.)

(S E R V I C E -)

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