Tarja Turunen entfacht solo einen "Wintersturm"

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Tarja Turunen entfacht solo einen "Wintersturm"

Die Sängerin mit Sopranstimme war zehn Jahre Mitglied der überaus erfolgreichen finnischen Heavy-Metal-Band Nightwish. Nun geht die 30-Jährige erstmals eigene Wege.  Video im Bericht 

„My Winter Storm“ (Universal) heißt die demnächst erscheinende CD, „kein leichtes Album“, wie die Künstlerin betont. Turunen verbindet Rock, Klassik und Filmmusik zu einem Sound-Konzept.

„Natürlich macht man sich Gedanken, ob man alles richtig macht oder ob man die Leute verwirrt. Es wird auch sicher seine Zeit brauchen, bis manche Hörer das Album verstehen, auch wenn es viele eingängige Melodien gibt“, so die Finnin. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie mein erstes Album unter meinem Namen werden soll. Rasch wurde mir klar, dass es mich als Person repräsentieren soll. Das zu schaffen, war die große Herausforderung.“

Tarja Turunen sah sich nach der Trennung von Nightwish mit neuen Herausforderungen konfrontiert: „Früher hatte ich eine Band hinter mir, mit deren Mitgliedern ich Ideen austauschen konnte. Jetzt war ich erstmals ganz alleine verantwortlich. Ich konnte in der Vergangenheit zwar viel lernen, aber irgendwie ist das trotzdem ein Neubeginn gewesen. Das ganze Album beruht auf meinen Visionen – von den Songs bis zum Artwork. Ich habe zum ersten Mal alleine Songs komponiert und Texte geschrieben.“

Die neue Arbeitsweise hätte bei ihr „viele positive Energien“ freigemacht. „Ich traue mich jetzt, mich mehr zu öffnen“, lächelt Turunen. „Alles selbst zu machen, bedeutet aber auch mehr Verantwortung.“ Und natürlich sei ihr die Schwierigkeit bewusst gewesen, es mit der kreativen Freiheit nicht zu übertreiben. „Das Album soll kein Mischmasch aus unterschiedlichen Songs sein, sondern als Einheit funktionieren. Innerhalb eines Sound-Konzeptes gibt es unterschiedliche Lieder.“

Ein Stück basiert auf einem Walzer, ein anderes auf Mozarts „Requiem“. Der Hörer stößt auf harte Kracher, Balladen, auf laute Gitarren und sanfte Streicher. „Die Aufnahmen gingen schnell, aber geplant habe ich das Album ein volles Jahr. Ich musste nicht nur die Songs komponieren, sondern auch die richtigen Leute zur Umsetzung finden. Es war ja schon nicht leicht, jemanden zu finden, der ernsthaft Rock, Klassik und Filmmusik produzieren kann.“

Mit „Poison“ befindet sich ein Klassiker von Alice Cooper auf „My Winter Storm“. Dazu Turunen: „Ich wollte eine Coverversion machen, hatte aber vorerst keine Idee, welche. Im Sommer musste ich eine längere Autostrecke in Finnland zurücklegen. Um munter zu bleiben, habe ich einen Rock-Sender aufgedreht. Und innerhalb der Fahrt lief fünf Mal ’Poison’. Wenn das keine Zeichen war…“

Die Sängerin verfügt nicht nur über eine drei Oktaven umfassende Sopranstimme, sondern auch über ein Model-Aussehen. „Image ist natürlich wichtig“, so Turunen. „Es geht Hand in Hand mit der Musik. 50 Prozent des Konzeptes besteht aus dem Image. Mich stört es auch überhaupt nicht, wenn manche Menschen vielleicht erst über mein Image und mein Aussehen auf meine Musik kommen.“

Und wenn ein Kritiker meint, wer Oper hören will, soll in die Oper gehen? „Ich respektiere das. Jeder hat seinen eigenen Geschmack, kein Künstler spricht alle an. Wichtig ist, selbst mit der eigenen Arbeit zufrieden zu sein. Es ist ungesund, zu viel darüber nachzudenken, wie die eigene Arbeit beim Hörer ankommen wird. Ich finde es übrigens schön, dass man über Musik so viel diskutieren kann.“

Zum Abschluss steht die Frage im Raum, ob Tarja Turunen noch an die früheren Kollegen denkt. „Natürlich ist mir Nightwish nicht egal. Ich bin ja zehn Jahre lang Teil dieser Band gewesen. Ich wäre stolz, wenn sie weiterhin Erfolg haben. In sehe mich nicht als Konkurrenz, es gibt Platz für beide. Ich verstehe allerdings auch, dass es Vergleiche geben wird.”

Video zu “I Walk Alone”:



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